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Nachhaltige Ferien «Viele wollen zwar nachhaltig reisen – tun es aber nicht»

Fabian Weber, Experte für nachhaltigen Tourismus, empfiehlt: Weniger Fliegen – und vor Ort auf Lokales setzen.

Wir alle wissen es: Fliegen schadet dem Klima. Dennoch fliegen wir immer mehr, das zeigen die aktuellen Passagierzahlen der Schweizer Flughäfen. Wie kommt das? Und wie können wir unsere Ferien nachhaltiger gestalten? Fabian Weber, Experte für nachhaltigen Tourismus, im Gespräch.

Fabian Weber

Dozent an der Hochschule Luzern (HSLU)

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Prof. Dr. Fabian Weber doziert am Institut für Tourismus und Mobilität an der Hochschule Luzern (HSLU). Zu seinen Kernthemen gehören Tourismus und nachhaltige Entwicklung, die Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt sowie Overtourism.

SRF: Unabhängig davon, wie wir uns fortbewegen: Die Reise an und für sich hat vermutlich den grössten Einfluss auf die Ökobilanz unserer Ferien, richtig?

Fabian Weber: Ja, etwa 80 Prozent des klimatischen Fussabdrucks einer Reise entfallen auf die Hin- und Rückreise. Somit haben wir dort auch den grössten Hebel, um die Umweltauswirkungen unserer Reisen zu reduzieren.

Mit dem Flieger für ein Wochenende nach Barcelona ist daher aus Umweltsicht nicht schlau?

Es geht grundsätzlich darum, möglichst wenig mit dem Flugzeug zu reisen. Wenn man reist, sollten möglichst umweltschonende Verkehrsmittel genutzt werden.

Studien zeigen, dass viele Menschen nachhaltig reisen wollen und ihnen das wichtig wäre.

Bei der Flugreise nach Barcelona liegen die Emissionen etwa beim Zehnfachen dessen, was die Reise mit dem Zug verursachen würde.

Wir alle wissen das, dennoch verzeichneten im ersten Quartal 2026 die Schweizer Flughäfen Rekordzahlen mit mehr als 13 Millionen Passagieren. Scheinbar sind wir unbelehrbar diesbezüglich. Weshalb?

Studien zeigen, dass viele Menschen eigentlich nachhaltig reisen wollen und ihnen das wichtig wäre. Dennoch verhalten sie sich nicht so. Man spricht von Attitude-Behavior-Gap: Fliegen ist halt oft die günstigere und bequemere Art zu reisen ...

... man will sich einen gewissen Komfort gönnen?

Ja, man ist ja nicht ständig in den Ferien. Da will man sich etwas gönnen und ist eher bereit, die negativen Auswirkungen in Kauf zu nehmen.

Abfedern kann man diese Auswirkungen mit sogenannten CO₂-Kompensationszahlungen. Was halten Sie davon?

Seriöse Organisationen sprechen von einem Klimaschutzbeitrag, weil «Kompensation» suggerieren könnte, dass keine Emissionen entstehen, was natürlich falsch ist. Die Idee ist aber, dass man für die verursachten Emissionen einen Beitrag leistet, mit dem Klimaschutzprojekte unterstützt werden.

Meines Wissens gibt es keine verlässlichen Zahlen, die einen kontraproduktiven Effekt der CO₂-Kompensationszahlungen belegen würden.

Ja, diese Beiträge sind umstritten, teilweise gab es berechtigte Kritik. Es gibt aber Organisationen, die das seriös und nach anerkannten Standards machen. Darauf sollte man achten, wenn man sich für einen Klimaschutzbeitrag entscheidet.

Besteht nicht die Gefahr, dass wir noch mehr fliegen, weil wir es ja quasi wiedergutmachen können?

Das sehe ich weniger. Dies unter anderem deshalb, weil insbesondere Personen solche Beiträge bezahlen, die sowieso auf das Thema sensibilisiert sind. Meines Wissens gibt es keine verlässlichen Zahlen, die einen solch kontraproduktiven Effekt belegen würden.

Kommen wir weg vom Fliegen. Wie kann ich meine Ferien vor Ort nachhaltig gestalten?

Bei der Wahl der Unterkunft oder bei den Aktivitäten können Sie beispielsweise darauf achten, dass Sie möglichst lokale Anbieter berücksichtigen. So kommt ein Grossteil der Wertschöpfung auch bei der lokalen Bevölkerung an. Bei grossen internationalen Hotelketten beispielsweise können bis zu 80 Prozent der Einnahmen ins Ausland gehen.

Bei kleineren, privat geführten Hotels bleibt sehr viel mehr Geld im Ferienort. Die Wahl der Unterkunft wirkt sich aber auch auf die Umwelt aus. Es gilt die Faustregel: Je kleiner und einfacher die Unterkunft, desto kleiner auch der ökologische Fussabdruck.

Das Gespräch führte Stefan Wüthrich.

Diskutieren Sie mit:

Radio SRF 1, Espresso, 04.06.2026, 8:10 Uhr;liea

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