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Glosse zu «Deep Plane Lifting» John Travolta lässt sogar seine Tochter alt aussehen!

Der Hollywoodstar präsentierte in Cannes seine erste Regiearbeit. Eigentlicher Hingucker aber war sein Gesichts-Remake. Eine Nahaufnahme – natürlich mit einem Augenzwinkern.

Mann mit Brille, schwarzem Hemd und schwarzem Berret
Legende: Wundersam verjüngt an der Côte d’Azur: John Travolta kam mit seinem Regiedebüt «Propeller One-Way Night Coach» nach Cannes. Keystone/Scott A Garfitt/Invision/AP

Stefan Gubser

Kulturredaktor

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Stefan Gubser macht Online-Journalismus, seit es das Internet gibt. Früher befragte der gelernte Germanist berühmte Schauspieler. Heute wird er gerne mit einem verwechselt. Nur des Namens wegen!

Jetzt aber die müden Augen aufgesperrt! Es geht Ihnen möglicherweise ja auch so, dass wir uns längst an die pandemisch gewordenen Schlauchbootlippen der Schönen und Schwerreichen gewöhnt haben. An all die gelifteten Gesichter im Serienmodus, an das stille Handwerk der Schönheitschirurgen, die an der makellosen Oberfläche des Menschen arbeiten – sorgfältig, subtil, und doch mit der Präzision eines Bildhauers, der sich nie mit dem Rohmaterial abfindet.

Man denke an die mondgesichtige Madonna aus dem Jahre 2023, an den nachgebesserten Mickey Rourke oder die Verwandlung Marke Donatella Versace.

Wenn Sie jetzt quaken: Das ist Bodyshaming! – dann sei Ihnen meine Hühnerbrust entgegengestreckt, mit der ich mir gelegentlich selbst hart ins Gesicht, pardon: ins Gericht gehe. Es passiert gerade etwas Interessantes im Einsehen mit dem Aussehen: Die Ästhetik des Alterns, das Faltern und Fettgewebe, wird weiterhin nicht akzeptiert. Sie wird aber neu verhandelt: als Operation am offenen Herzstück, das unser Gesicht nun einmal ist. Und in Frankreich wird uns gerade bewiesen: Man kann sich auch auf jung bürsten – und dabei beinahe verdächtig gut aussehen.

Es ist da ein bisschen so, als würde man ein Gesicht nicht straffen, sondern es einmal komplett neu aufhängen – nur mit optimierter Statik.

John Travolta hat das dieser Tage in Cannes vorgeführt, wo er mit seinem Regiedebüt «Propeller One-Way Night Coach» aufkreuzte, das erstaunlich wenig Gesprächsstoff lieferte – weil der eigentliche Film längst Travoltas Gesichts-Remake war. Drahtbrille, Baskenmütze, mikromillimetergenau getrimmter, nachtschwarz angemalter Siebentagesonnenbart: ein Styling wie aus der Maske eines Mannes, der weiss, dass jeder Kamerablick heute eine Altersdiagnose ist.

Eine Frau und ein Mann lächeln.
Legende: Ella Bleu Travolta und ihr Vater John Travolta: Sie 26, er fast dreimal so alt (72): Es gleicht einem Wunder! Keystone/EPA/Sebastien Nogier

Und dann dieser Kopf. Disco-Travolta, in den 1980ern die Ikone des gepflegten Hüftschwungs, später dank Tarantino-Makeover auch zum Kritiker-Darling geworden, stand da nicht nur gut gealtert – sondern irritierend verjüngt. So verjüngt, dass selbst Tochter Ella Bleu neben ihm alt aussah. Dabei ist SIE doch erst 26.

Der Begriff, der über dieser neuen Gesichtspolitik schwebt, die Travolta da zur Schau stellte, heisst «Deep Plane Lifting»; es ist dies die neue Königsdisziplin der plastischen Chirurgie, bei der nicht mehr nur die Haut gezogen wird, sondern die tieferen Gesichtsschichten mit neu sortiert werden. Es ist da dem Vernehmen nach ein bisschen so, als würde man ein Gesicht nicht straffen, sondern es einmal komplett neu aufhängen – nur mit optimierter Statik. Das Ergebnis: kein «gestrafft», sondern ein «neu ausgerichtet»: weniger Faltenkorrektur, mehr Schwerkraftverhandlung.

«Plane» – bei Travolta macht das durchaus Sinn. Der Mann, nicht zum ersten Mal in seinem Künstlerleben körperlich totalsaniert, hatte immer schon einen Flugzeugfimmel und eine schwere Schwäche für Fliegeruhren. Da stand er also in Cannes, und es wirkte, als hätte er die Zeit nicht zurückgedreht. Und was auch nicht zu übersehen war: Die Zeit von Deep Plane Lifting ist gerade erst angebrochen.

Radio SRF 4, 16.5.2026, 7:00 Uhr

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