Seit 1959 werden jährlich die prestigeträchtigen Grammy Awards an Künstler, Produzentinnen und Songwriter verteilt. Die pompöse Zeremonie liefert immer reichlich Stoff zur Diskussion. Während in manchen Jahren Industrie-interne Streitigkeiten dominieren, zeigte sich die US-amerikanische Musikszene in diesem Jahr politisch als (fast) geschlossene Front – gegen Trumps Präsidentschaft und insbesondere gegen seine Migrationspolitik. Drei Eindrücke.
Politische Statements & «ICE out»-Pins
Star des Abends war der puerto-ricanische Musiker Bad Bunny, der unter anderem die Königskategorie «Album of the Year» gewann, zum ersten Mal in der Geschichte der Grammys mit einem vollkommen spanischsprachigen Album. Was schon viele vor und nach ihm sagten, brachte er in seiner Dankesrede zu tosendem Applaus gut auf den Punkt: «ICE out», also: «ICE raus».
Auch visuell waren Artists von Billie Eilish bis Joni Mitchell durch diese Worte vereint. An so manchen Krägen glänzten am Sonntagabend weisse «ICE out»-Pins – eine klare Botschaft gegen die US-amerikanische Zollbehörde, die in den letzten Monaten mit Razzien und der Tötung von zwei Menschen im Bundesstaat Minnesota für Proteste und Kritik gesorgt hat.
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Bild 1 von 4. Klares Statement: Sängergin Billie Eilish trug einen «ICE out»-Anstecker auf dem roten Teppich bei den 68. Grammy Awards in Los Angeles. Bildquelle: IMAGO / ZUMA Press Wire.
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Bild 2 von 4. Justin Bieber und Hailey Bieber – beide sonst nicht unbedingt für deutliche politische Statements bekannt – trugen den «ICE out»-Pin. Bildquelle: IMAGO / ZUMA Press Wire.
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Bild 3 von 4. Auch R&B-Sängerin Kehlani trägt einen Button mit der Aufforderung «ICE raus» ... Bildquelle: Getty Images / Neilson Barnard.
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Bild 4 von 4. ... ebenso wie Amy Allen, Grammy-Gewinnerin in der Kategorie – «Songwriter des Jahres (ohne Klassik)». Bildquelle: REUTERS / Mike Blake.
Nicki Minajs auffälliges Fernbleiben
Für eine Szene, die im Land verstreut und unter dem Jahr viel in der Welt unterwegs ist, sind die Grammys wohl auch eine Art Klassentreffen. Wer nicht dabei war dieses Jahr: die trinidadische Rapperin Nicki Minaj.
Sie hat sich in den letzten Monaten mit kontroversen Statements über trans Kinder und mit Lob für Donald Trump dem aktuellen Regime angenähert und für viel Kritik gesorgt. Als bisheriger Höhepunkt ihrer konservativen Wendung gilt ihr Auftritt am MAGA-Event «AmericaFest» im Dezember.
Es überrascht also vielleicht nicht, dass der Grammy-Saal in Gelächter und Applaus ausbrach, als Host Trevor Noah schon nur Minjas Fernbleiben von der Zeremonie feststellte – und danach noch über ihr Anfreunden mit Trump witzelte.
Jesse Welles für die Hoffnung
Ein Mann mit langen Haaren, Holzfällerhemd und Gitarre steht mitten im Gehölz: So sieht der 33-jährige Singer-Songwriter Jesse Welles aus, wenn er in seinen Videos online Protestlieder singt. Der Musiker aus dem US-Staat Arkansas wurde 2024 mit seinen authentischen Folk-Songs bekannt und erreichte in den sozialen Medien Millionen von Menschen.
In hochaktuellen, expliziten Texten kritisiert er etwa die US-Intervention in Venezuela, das Gesundheitssystem oder die Migrationspolitik des aktuellen Regimes und tritt damit in die reiche Tradition von amerikanischen Protestliedern ein. Dieses Jahr wurde Welles für vier Grammys nominiert und sprach auf dem roten Teppich über die Aufgabe von Artists, hoffnungsvoll zu bleiben. Trotz ausbleibendem Sieg hat seine steigende Beliebtheit – besonders unter jungen Menschen – Symbolwirkung.