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Grammys politisch wie selten Grammy Awards 2026: US-Musikszene protestiert gegen Trump

Seit 1959 werden jährlich die prestigeträchtigen Grammy Awards an Künstler, Produzentinnen und Songwriter verteilt. Die pompöse Zeremonie liefert immer reichlich Stoff zur Diskussion. Während in manchen Jahren Industrie-interne Streitigkeiten dominieren, zeigte sich die US-amerikanische Musikszene in diesem Jahr politisch als (fast) geschlossene Front – gegen Trumps Präsidentschaft und insbesondere gegen seine Migrationspolitik. Drei Eindrücke.

Politische Statements & «ICE out»-Pins

Star des Abends war der puerto-ricanische Musiker Bad Bunny, der unter anderem die Königskategorie «Album of the Year» gewann, zum ersten Mal in der Geschichte der Grammys mit einem vollkommen spanischsprachigen Album. Was schon viele vor und nach ihm sagten, brachte er in seiner Dankesrede zu tosendem Applaus gut auf den Punkt: «ICE out», also: «ICE raus».

Auch visuell waren Artists von Billie Eilish bis Joni Mitchell durch diese Worte vereint. An so manchen Krägen glänzten am Sonntagabend weisse «ICE out»-Pins – eine klare Botschaft gegen die US-amerikanische Zollbehörde, die in den letzten Monaten mit Razzien und der Tötung von zwei Menschen im Bundesstaat Minnesota für Proteste und Kritik gesorgt hat.

Nicki Minajs auffälliges Fernbleiben

Für eine Szene, die im Land verstreut und unter dem Jahr viel in der Welt unterwegs ist, sind die Grammys wohl auch eine Art Klassentreffen. Wer nicht dabei war dieses Jahr: die trinidadische Rapperin Nicki Minaj.

Sie hat sich in den letzten Monaten mit kontroversen Statements über trans Kinder und mit Lob für Donald Trump dem aktuellen Regime angenähert und für viel Kritik gesorgt. Als bisheriger Höhepunkt ihrer konservativen Wendung gilt ihr Auftritt am MAGA-Event «AmericaFest» im Dezember.

Zwei Frauen auf einer Bühne bei einer Podiumsdiskussion mit Mikrofonen.
Legende: AmericaFest 2025: Neben Erika Kirk (links) tritt bei der Veranstaltung der konservativen Organisation Turning Point auch Nicki Minaj als Special Guest auf. IMAGO / ZUMA Press Wire

Es überrascht also vielleicht nicht, dass der Grammy-Saal in Gelächter und Applaus ausbrach, als Host Trevor Noah schon nur Minjas Fernbleiben von der Zeremonie feststellte – und danach noch über ihr Anfreunden mit Trump witzelte.

Jesse Welles für die Hoffnung

Ein Mann mit langen Haaren, Holzfällerhemd und Gitarre steht mitten im Gehölz: So sieht der 33-jährige Singer-Songwriter Jesse Welles aus, wenn er in seinen Videos online Protestlieder singt. Der Musiker aus dem US-Staat Arkansas wurde 2024 mit seinen authentischen Folk-Songs bekannt und erreichte in den sozialen Medien Millionen von Menschen.

Person mit langen Haaren und Anzug vor geometrischem Hintergrund.
Legende: Der Sänger Jesse Welles: Sein Song «Join ICE» ist einer der ersten expliziten Protestsongs gegen das Vorgehen der ICE-Einsatzkräfte in den USA. IMAGO / ZUMA Press Wire

In hochaktuellen, expliziten Texten kritisiert er etwa die US-Intervention in Venezuela, das Gesundheitssystem oder die Migrationspolitik des aktuellen Regimes und tritt damit in die reiche Tradition von amerikanischen Protestliedern ein. Dieses Jahr wurde Welles für vier Grammys nominiert und sprach auf dem roten Teppich über die Aufgabe von Artists, hoffnungsvoll zu bleiben. Trotz ausbleibendem Sieg hat seine steigende Beliebtheit – besonders unter jungen Menschen – Symbolwirkung.

Musikschaffende zeigen sich solidarisch

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Auch jenseits der Grammy Awards beziehen Musikerinnen und Musiker in den USA deutlich Position zu aktuellen politischen Entwicklungen in den USA.

Der kanadisch-amerikanische Sänger Neil Young schenkt allen Einwohnern von Grönland seinen kompletten Musikkatalog aus Protest gegen Trumps Andeutungen, die Insel einzunehmen.

Und die weltberühmte Band Bon Iver veröffentlicht eine Live-Version ihres Songs «Naeem» um die Einnahmen davon an eine Non-Profit-Organisation zu spenden, die migrantische Menschen in Minnesota juristisch unterstützt. Bon Iver-Frontmann Justin Vernon trug an den Grammys nebst seinem «ICE out»-Pin noch eine Trillerpfeife am Kragen – zu Ehren der Juristinnen und Aktivisten, die vor Ort Menschen unterstützen würden, wie er auf dem roten Teppich erklärt. Trillerpfeifen werden verwendet, um Nachbarn vor ICE-Razzien zu warnen.

Rocklegende Bruce Springsteen veröffentlichte am 28. Januar ein Protestlied mit dem Titel «Streets of Minneapolis» und hielt im Text nichts zurück: «Oh unser Minneapolis, ich höre deine Stimme; Durch den blutigen Nebel singen/weinen; Wir werden uns an die Namen der Menschen erinnern; Die auf den Strassen von Minneapolis starben».

Radio SRF 4 News, 2.2.2026, 4:00 Uhr

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