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Bad Bunny triumphiert Proteste an Grammy Awards gegen ICE

  • Der US-Rapper Bad Bunny hat mit «DeBÍ TiRAR MáS FOToS» den Grammy für das beste Album gewonnen.
  • Billie Eilish gewann mit «Wildflower» in der Kategorie «Song des Jahres».
  • Beide Sieger äusserten sich auch politisch und kritisierten die US-Einwanderungsbehörde ICE.
  • Moderator Trevor Noah verteilte Seitenhiebe an Präsident Trump – dieser reagierte wütend.

Bad Bunnys «DeBÍ TiRAR MáS FOToS» ist das erste rein spanischsprachige Album, das einen Grammy gewinnt. Der aus Puerto Rico stammende 31 Jahre alte Sänger tritt am kommenden Wochenende auch bei der Halbzeitshow des Super Bowl auf.

Auf «DeBÍ TiRAR MáS FOToS» mischt Bad Bunny moderne Beats mit traditionellen puerto-ricanischen Musikstilen. Das Album ist eine Hommage an seine Heimat Puerto Rico, es geht um Themen wie kulturelle Identität oder Kolonialismus. Es ist sein sechstes Solo-Studioalbum, mit dem er in den USA und mehreren anderen Ländern auf Platz eins der Charts gelandet ist.

Kritik an der US-Einwanderungsbehörde ICE

Der 31-Jährige, der bei den Grammys mehrfach ausgezeichnet wurde, kritisierte auf der Bühne die US-Einwanderungsbehörde ICE. «Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!», so der 31-Jährige. Die Gäste im Saal reagierten mit Standing Ovations, Jubel und langem Applaus.

«Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Ausserirdischen, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner», fuhr er fort.

Die Siegerinnen und Sieger der wichtigsten Kategorien

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  • Album des Jahres: «Debi Tirar Mas Fotos» von Bad Bunny
  • Song des Jahres: «Wildflower» von Billie Eilish
  • Beste Aufnahme des Jahres: «Luther» von Kendrik Lamar und SZA
  • Beste Newcomerin: Olivia Dean
  • Beste Pop-Solodarbietung: Lola Young mit «Messy»
  • Beste Pop-Darbietung eines Duos / einer Gruppe: Defying Gravity von Cynthia Erivo und Ariana Grande
  • Bestes Pop-Album: «Mayhem» von Lady Gaga
  • Bestes Musikvideo: «Anxiety» von Doechii
  • Bestes Rap-Album: Kendrick Lamar mit «GNX»
  • Bestes Country-Album: «Ain't in it for my health» von Zach Top
  • Bestes Latin-Pop-Album: «Cancionera» von Natalia Lafourcade

Auch Billie Eilish, die den Grammy für den Song des Jahres gewann, wurde deutlich. «So dankbar ich auch bin, ich habe ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, etwas anderes zu sagen als: Niemand ist illegal auf gestohlenem Land», sagte die 24-Jährige und erhielt dafür Jubel und Applaus aus dem Publikum.

«Es ist wirklich schwer zu wissen, was man jetzt sagen und tun soll», fuhr die US-Amerikanerin fort. «Ich bin voller Hoffnung in diesem Raum und habe das Gefühl, dass wir einfach weiterkämpfen, unsere Stimme erheben und protestieren müssen. Unsere Stimmen sind wirklich wichtig, und die Menschen sind wichtig. ‹Fuck ICE› ist alles, was ich sagen möchte.»

Wütender Trump

US-Präsident Donald Trump zeigte sich auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social verärgert über die Veranstaltung. Die Musikpreis-Verleihung sei «Müll» und «praktisch nicht anschaubar» schimpfte er.

Moderator Trevor Noah drohte er sogar mit einer Klage. Noah hatte bei der Gala gespottet, dass Trump Grönland haben wolle, weil die Privatinsel von Jeffrey Epstein nicht mehr verfügbar sei. «Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen». Er sei aber nie auf der Privatinsel von Epstein gewesen, schrieb Trump. Deswegen werde er Noah nun verklagen. «Mach dich bereit, Noah, ich werde mit dir einiges an Spass haben.»

Sind die Grammys noch relevant?

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Jedes Jahr wird viel über die Grammys und deren Platz in der Musikwelt diskutiert. Dabei hagelt es auch Kritik: Die Grammys seien nicht divers genug, nur ein Insider-«Beliebtheits-Wettbewerb» und keine wahrheitsgetreue Abbildung der Musiklandschaft – besonders in einem Zeitalter, in dem jede und jeder via Social Media ein Publikum erreichen kann. Auch die sinkenden Zuschauerzahlen der Grammys würden auf ihre schwindende Relevanz hinweisen.

Doch sie halten sich hartnäckig: Einen Grammy zu gewinnen, ist immer noch ein prestigeträchtiges Qualitätssiegel. Es kann zu Aufmerksamkeit von Producers und Plattenfirmen, Kollaborationen mit Marken oder anderen Artists, mehr Konzertmöglichkeiten usw. führen (übrigens auch in den kleineren Kategorien). Was meist hinter für uns verschlossenen Türen abläuft, prägt die US-amerikanische Musiklandschaft und schlussendlich auch das, was bei uns in der Schweiz am Radio läuft. 

Ein jüngeres Beispiel wäre Billie Eilish, die 2020 mit nur 18 Jahren für ihr Debutalbum gleich fünf Grammys gewann, darunter alle vier «grossen» Kategorien. Natürlich war Billie Eilish schon davor unter vielen Jungen bekannt, doch dieser unglaubliche Sieg katapultierte sie ins globale Rampenlicht und hat zweifellos zu ihrem heutigen Status als Weltstar beigetragen.

Preis für den Dalai Lama

Die Grammys wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen. Rund 13'000 Mitglieder der Recording Academy entscheiden über die Preisträger. Die meisten Trophäen gewann der Rapper Kendrick Lamar. Er war mit den meisten Nominierungen in die Gala gegangen und konnte schliesslich fünf von neun in Preise verwandeln.

Einige Prominente feierten ihre Grammy-Premiere: So gewann der Dalai Lama seinen ersten Grammy für sein Hörbuch «Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama».

Auch Regisseur Steven Spielberg bekam erstmals einen Grammy, als Produzent für den «Besten Musikfilm» mit «Music for John Williams». Der 79-Jährige ist nun einer der wenigen sogenannten EGOT-Preisträger, also ein Künstler, der alle vier wichtigen US-Unterhaltungspreise gewonnen hat – Emmy, Grammy, Oscar und Tony.

SRF 4 News, 02.02.2026, 04:00 Uhr ; 

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