Das Video von Gabi, dem humanoiden KI-Roboter, der zum Mönch geweiht wird, ging um die Welt. Zeitungen und Medienportale von den USA bis nach Indien berichten vom ersten KI-Mönch. Zitieren den Jogye-Orden, der offen mitteilt: Gabi zu weihen, sei eine Marketingaktion.
Der Roboter soll junge Menschen in den Tempel locken – und die Hersteller von KI-Robotern an buddhistische Werte wie Mitgefühl, Weisheit und Verantwortung erinnern. Und er symbolisiere neue Möglichkeiten, wie Menschen und Technologie zusammenleben könnten.
Was bedeuten Roboter-Gelübde?
An der Zeremonie faltet Gabi seine Hände zum Gebet, bekennt sich zum Buddhismus und gelobt, keinem anderen Roboter zu schaden und sparsam mit seiner Batterie umzugehen. Letzteres als robotisches Pendant zum Gebot menschlicher Mönche, asketisch zu leben.
Schon dieses Gelübde wirft Fragen auf. Denn weiss der KI-Roboter, was er da schwört? «Menschen haben ein Gewissen, ethische Standards, die dazu führen, dass sie sich an einen Eid halten», sagt Beth Singler. Die Religionsanthropologin forscht an der Universität Zürich zu KI und Religion. Bei Robotern sei das anders. «Ob sie ethische Grundsätze kennen, ist unklar.»
Wie viel Wert hat also der Eid von KI-Mönch Gabi? Und entwertet seine Weihe nicht das Gelübde und den Lebensweg menschlicher Mönche? Das alles seien legitime Fragen, die nun diskutiert werden müssten, sagt Beth Singler, Co-Leiterin des Forschungsschwerpunkts «Digital Religion(s)».
Genau darum gehe es auch bei diesem «provokativen Moment», wie Beth Singler die Aktion nennt. «Sie soll zum Nachdenken anregen. Darüber, was es heisst, gläubig zu sein. Und wie die Zukunft mit KI aussehen könnte.»
Roboter-Mönch soll junge Gläubige anziehen
Aufmerksamkeit erregen – das ist eines der Ziele der Jogye-Gemeinschaft. Sie ist Teil der grössten buddhistischen Schule in Südkorea. Wie das Christentum in Europa verliert auch der Buddhismus in Südkorea an Bedeutung, besonders bei jungen Menschen. Hier soll Gabi helfen, etwa, indem er sie überhaupt erst einmal in den Tempel lockt.
Dass gerade eine buddhistische Gemeinschaft den ersten KI-Roboter zum Mönch weiht, kommt für Beth Singler nicht überraschend. Sie hält zwar nichts von der These, dass asiatische Religionen per se technikaffiner seien. Aber: «Der Buddhismus ist offener bei der Frage, was eine Person ausmacht – der Frage nach dem Selbst.» So habe der Dalai Lama angedeutet, dass es möglich sein könnte, dass jemand als Roboter inkarniert werde. «Es ist im Buddhismus also denkbar, dass künstliche Intelligenz Teil sein könnte des grossen heiligen Ganzen.»
Religionen sind experimentierfreudig
Dass religiöse Gemeinschaften mit KI und Robotern experimentieren, ist nichts Ungewöhnliches. In der Schweiz hat vor zwei Jahren ein KI-Jesus für Schlagzeilen gesorgt.
In Indien gibt es Roboter, die hinduistische Rituale ausführen. Chatbots geben weltweit Auskunft über religiöse Fragen. Religionen seien schon immer gut darin gewesen, neue Technologien für sich zu nutzen, sagt Religionsanthropologin Beth Singler. Und so ist es nur ein logischer Schritt, dass sie nun auch mit KI experimentieren.