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Versöhnliche Töne? Der Papst und die Homosexualität
Aus Kultur-Aktualität vom 23.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
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Kirche und Homosexualität Schwuler Seelsorger: «So schnell wird sich nichts ändern»

Papst Franziskus sorgt für Wirbel: Im Dokumentarfilm «Francesco», der am Mittwoch in Rom vorgestellt wurde, sagte er: Auch Homosexuelle hätten ein Recht, in einer Familie zu leben. Sie seien Kinder Gottes, es brauche ein Gesetz für nicht-eheliche Lebensformen.

Ist das nun ein Bekenntnis zur Homo-Ehe? Antonius Enz vom Vorstand des Vereins Schwule Seelsorger Schweiz (Adamim) bleibt skeptisch.

Antonius Enz

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Antonius Enz ist im Vorstand des Vereins Schwule Seelsorger Schweiz.

SRF: Wird in der römisch-katholischen Kirche die gleichgeschlechtliche Ehe bald erlaubt sein?

Antonius Enz: Das ist das Wunschdenken einiger Leute. Der Papst hat gezeigt, dass er um die Bedürfnisse der Basis weiss. Aber das war eine persönliche Aussage.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kurie mitziehen wird. Ich gehe davon aus, sie wird ihn bremsen oder korrigieren. Das wird intern sicher grosse Diskussionen nach sich ziehen.

Wecken die Worte bei Ihnen trotzdem ein bisschen Hoffnung?

Nur in diesem Sinne: Er hat es mal angesprochen. Das war ja die Aussage eines hohen Würdenträgers. Was sicher ist: Sein Nachfolger wird es etwas einfacher haben, sich mit dem Thema zu beschäftigen oder es nochmals zu erwähnen. Weil es schon jemanden gab, der es gesagt hat.

Das war eine persönliche Aussage, die nicht mit der Kurie abgesprochen war.

Ein hoher Würdenträger? Das ist ein bisschen untertrieben. Es war immerhin der Papst. Hat das jetzt nicht mehr Gewicht?

Der Papst ist tatsächlich ein hoher Würdenträger. Aber wie gesagt: Das war eine persönliche Aussage, die nicht mit der Kurie abgesprochen war. Von daher wird sich so schnell nichts ändern.

Wird diese Aussage des Papstes einen Einfluss auf homosexuelle Seelsorger haben – hier in der Schweiz zum Beispiel?

Kaum. Die homosexuellen Seelsorger sind gebildet. Sie kennen ihr Umfeld und die Verordnungen des Vatikans. Die meisten dürften sich gefreut haben, dass das Thema angesprochen worden ist. Aber wir bleiben realistisch: So schnell wird da nichts auf die Beine gestellt.

In der Schweiz diskutiert das Parlament auf politischer Ebene über die Ehe für alle. Werden die Worte des Papstes die politische Debatte in der Schweiz beeinflussen?

Kaum. Die meisten Parlamentarier sind zu weit weg, die träumen von der Trennung zwischen Kirche und Staat. Die wenigen, die sich in Bern mit dem christlichem Gedankengut auseinandersetzen, würde ich als konservativ bezeichnen.

Ich kann ich mir deshalb nicht vorstellen, dass das bei uns in der Schweiz einen Einfluss hat. Ich glaube nicht mal, dass das überhaupt je an einem Rednerpult erwähnt werden wird.

Das Gespräch führte Kathrin Üeltschi.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 23.20.2020, 7:06 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Kunz  (Roland Kunz)
    Die wahre Baustelle von Franziskus wäre die Abschaffung des Zölibats. Oder haben kath. Priester kein Anrecht auf Familie. Immerhin hat das Zölibat, im Gegensatz zur Infragestellung der Homosexualität, keinerlei biblische Grundlagen. Petrus hatte eine Schwiegermutter, war folglich verheiratet. Zudem würde die im kath. Klerus grassierende Pädophilie damit am besten bekämpft. Es zeigt, wie dieser säkular ausgerichtete «Oberhirte» durch Anbiederung von den tatsächlichen Problemen abzulenken weiss.
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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Die Kirche versucht langsam, langsam (!) nachzuvollziehen, was in der "bösen" Welt schon längstens im Gange ist - die ethische Einstellung der Menschen in Sachen Homosexualität orientiert sich schon seit Jahrzehnten an der Wissenschaft (Evolution) und wir dadurch menschlich. Man warte nicht auf die Kirche, bis sie das Gute in der Welt mit Ach und Krach nachvollziehen kann. Man überlasse nicht den ethischen Verhinderten das Sagen !
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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Warten auf die Kirche ? Das heisst warten auf ihr Eingeständnis, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Oder auf das Eingeständnis der Kirche dass sie über Jahrhunderte die Juden verunglimpft hat oder dass Homosexuelle gesunde Menschen sind, wie andere auch. Oder, dass Krankheiten keine Strafe Gottes sind oder Einsicht in die seelischen Schädigungen
    (Höllenangst, Verdammnis) die die Kirche einer ganzen Generation (vorkonziliar) angetan hat. Redlichkeit, Vernunft sucht man vergebens in der K..
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