Zum Inhalt springen

Header

Audio
Papst macht sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaft stark
Aus Rendez-vous vom 22.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Inhalt

Kirche und Homosexualität Der Papst reicht den «Kindern Gottes» die Hand – die Kirche auch?

Kein Beben, aber ein Signal: Die Äusserungen des Papstes gegenüber Homosexuellen stossen auf positives Echo.

Homosexuelle sind Kinder Gottes, sie haben das Recht auf eine Familie. (…) Wir müssen ein Gesetz für zivile Partnerschaften schaffen – denn sie haben auch das Recht, rechtlich abgesichert zu sein.
Autor: Papst Franziskus

Die Worte von Papst Franziskus im Dokumentarfilm «Francesco» lassen aufhorchen. Das katholische Kirchenoberhaupt spricht sich darin dafür aus, dass gleichgeschlechtliche Paare rechtlich anerkannt werden sollen.

Der Vatikan tut sich traditionell schwer im Umgang mit homosexuellen Gläubigen. Manifestiert sich nun eine Abkehr der bisherigen Haltung der katholischen Kirche? «Es ist eine bemerkenswerte Aussage», sagt Norbert Bischofberger, Religionsexperte bei SRF.

Franziskus' «Privatmeinung»?

Doch es gelte, zwischen der offiziellen Linie der Kirche und Franziskus’ Äusserungen in einem Film zu unterscheiden. «Eigentlich ist es die Privatmeinung von Jorge Mario Bergoglio», sagt Bischofberger.

Als Papst hat der Mann aber durchaus Einfluss auf die theologischen Debatten im Innern des Vatikans. «Franziskus setzt Signale. Wenn er eine solche Aussage in einem offiziellen lehramtlichen Dokument oder bei einer Kirchenversammlung machen würde, müssten wir sie aber höher werten.»

Pink Cross: «Papst spricht sich für unsere Liebe aus»

Pink Cross: «Papst spricht sich für unsere Liebe aus»
Legende:Keystone

Roman Hegglin, Geschäftsleiter der Schwulenorganisation Pink Cross, ist erfreut über die Aussage des Papstes. «Er hat sich sehr klar für die eingetragene Partnerschaft und damit auch für unsere Liebe ausgesprochen.»

Überrascht hat Hegglin die Wortmeldung des Papstes nicht – denn schon schon als Erzbischof von Buenos Aires habe Jorge Mario Bergoglio vergleichbare Äusserungen gemacht. «Wenn er so etwas als Papst sagt, hat es aber viel grössere Wirkung – auch in Ländern, die noch nicht so weit sind.»

Und auch wenn das Interview des Papstes konkret nichts ändert: Für homosexuelle Gläubige sei es ungemein wichtig zu hören, dass es okay sei, wie man sein Leben lebe und auch nichts verstecken müsse.

«Es ist aber nicht das Ende der Fahnenstange», sagt Hegglin. Denn in der heutigen Zeit würde Pink Cross erwarten, dass der Papst nicht nur für die eingetragene Partnerschaft, sondern auch für die «Ehe für alle» einstehe.

Schon 2013 äusserte sich Franziskus positiv gegenüber homosexuellen Menschen. Auf einem Flug von Brasilien zurück nach Rom sagte er vor Journalisten: «Wer bin ich, um Schwule zu verurteilen?»

Das habe aber mehr oder weniger der offiziellen Haltung der römisch-katholischen Kirche entsprochen, so der Religionsexperte von SRF: «Homosexuelle Menschen werden abgelehnt. Sie werden aber nicht verurteilt.» Und im Katechismus werde Homosexualität nach wie vor als «unordentlich» oder gar als Sünde bezeichnet.

Die römisch-katholische Kirche hat in ihrer Geschichte stark zur Diskriminierung von homosexuellen Menschen beigetragen.
Autor: Norbert BischofbergerReligionsexperte bei Radio und Fernsehen SRF

Zuletzt gilt es, die Verlautbarung des Papstes richtig einzuordnen: Franziskus sprach sich im Interview lediglich für die eingetragene Partnerschaft aus, und nicht etwa für die «Homo-Ehe» – und schon gar nicht für die gleichgeschlechtliche Ehe im Rahmen der römisch-katholischen Kirche.

Franziskus’ Äusserung sei ein Zeichen der Hoffnung, schliesst Bischofberger. «Aber vergessen wir nicht, dass die römisch-katholische Kirche in ihrer Geschichte stark zur Diskriminierung von homosexuellen Menschen beigetragen hat.» Und an der offiziellen Lehre ändere sich vorderhand nichts.

Der Newspodcast von Radio SRF

Der Newspodcast von Radio SRF

Die News und das Besondere. Wir erklären, was es sich über die Schlagzeilen hinaus zu wissen lohnt. Zusammen gehen wir gut informiert in den Feierabend – jeden Wochentag um 16 Uhr. SRF News Plus+ ist der Newspodcast von Radio SRF zu den aktuellen Themen aus Politik und Wirtschaft, national und international.

Rendez-vous vom 22.10.2020, 12:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Papst und Co, täten gut daran, endlich "hinter den eigenen Toren, Gewissen" zu kehren, betreffend "Pädophilie"! Homosexualität hat nichts mit "Pädophilie" zu tun, welche allerdings längst mit viel härteren Strafen belegt werden müsste!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Denise Casagrande: Tun sie ja auch! Trotzdem darf der Papst doch gleichzeitig einen Schritt in Richtung der Homosexuellen tun. Sie haben vermutlich auch nicht nur ein Thema im Leben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Der Papst reicht den «Kindern Gottes» die Hand – soso... und ich, ich bin nicht homo... bin ich deshalb ein Kind von was?
    Ach sooo... ich gehe ab und zu mit meiner religioesen Frau an eine Predigt.. da sagte Pastor Mokoena.. und deutete auf mich.. Du bist Gott.. also ICH bin Gott.. ! Er hat auch auf andere gedeutet... nicht nur auf mich..
    Uebrigens ich habe einige homo Freunde, ich finde es einfach laecherlich was fuer Aussagen die Kirche macht.. Trump ist nicht der Einzige...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Franz NANNI: Vermutlich verstehen die meisten Ihren Kommentar nicht. Finden Sie es jetzt gut, dass der Papst sich gegenüber Homosexuellen öffnet oder nicht? Möglicherweise ist es problematisch, den Papst mit Pastor Mokoena in der Sonntagsmesse zu vergleichen. Pastor Mokoena kennt seine Schäfchen vermutlich persönlich und kann sie direkt ansprechen. Der Papst ist Vorsteher einer globalen Institution. Da muss man die Dinge ein wenig diplomatischer ausdrücken. Eben gerade nicht so wie Trump.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Franz NANNI  (Aetti)
      Hallo Herr Leu, Ihre Vermutung ist vermutlich richtig... ich bin ja auch fuer Anerkennung aber doch nicht soo..
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Franz NANNI: Wie denn? Der Papst ist nicht irgendwer. Er steht einer total heterogenen Gemeinschaft vor. Gerade in Afrika ist Homosexualität teilweise sogar strafbar und die lokalen Gesellschaften wollen das sogar so. Nicht alle sind bereits soweit wie die aufgeklärten Europäer und Amerikaner.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Mark Stalden  (Mark)
    Im Jahr 2020 immer noch über Homosexualität zu diskutieren müssen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Ist nur losgisch. Für die katholische Kirche kreist die Erde seit den 90er Jahren um die Sonne. So lange hat es gedauert bis die das Heliozentrische Weltbild offiiell anrkannt haben (kein Witz!). Die Anerkennung der Homosexualit dürfte demnach ca im Jahr 2520 erfolgen. Viellicht aber auch erst später.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andreas Müller: So wie es aussieht ist das nicht mehr nötig. Noch vor dem Jahr 2520, wird uns der Klimawandel das Leben schwer machen. Auch da soll es immer noch Leute geben, die die dessen wissenschaftlichen Evidenz abstreiten. Der Papst gehört nicht zu diesen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen