Es ist dunkel und kalt, als sich mehr als hundert Menschen in Concord im US-Bundesstaat New Hampshire zu einer Mahnwache treffen. Sie kommen, um Renée Nicole Good zu gedenken.
Am Ende der Mahnwache spricht Robert Hirschfeld, Bischof der Episkopalen Kirche in New Hampshire. Seine Rede findet viel Beachtung, in Sozialen Medien ebenso wie in der US-amerikanischen Berichterstattung.
Er spricht von einem neuen Zeitalter des Martyriums und ruft seine Amtskollegen sowie das Publikum auf, ihr Leben in Ordnung zu bringen, ein Testament zu schreiben: «Denn vielleicht ist es nicht mehr die Zeit der Worte, sondern dass wir uns mit unseren Körper zwischen die Mächtigen dieser Welt und die Verletzlichsten stellen».
Seit einem Jahr zerren ICE-Agenten vermehrt Menschen aus Autos, dringen in Schulen oder Spitäler ein. Sie sollen die von Donald Trump im Wahlkampf versprochenen «Massenabschiebungen» umsetzen. Renée Good wollte diese Aktivitäten von ICE beobachten und Nachbarn schützen. Dabei wurde sie in ihrem Auto von einem ICE-Beamten erschossen.
Der Tod von Renée Good und die Reaktionen der Trump-Administration werfen grundlegende Fragen auf, etwa weil das US-Justizministerium die tödlichen Schüsse des ICE-Beamten nicht näher untersuchen will.
«Wir müssen vorbereitet sein»
Für Robert Hirschfeld ist Renée Good, selbst Christin und dreifache Mutter, eine neue Märtyrerin. «Viele in den USA sind überzeugt, ein guter Christ gehe sonntags in den Gottesdienst. Und das ist etwas wunderbares», sagt Bischof Hirschfeld. Aber das Evangelium sage auch: «Wir sollen unsere Nächsten lieben, egal von wo sie kommen und wer sie sind. Dieser Dienst kann uns manchmal in Gefahr bringen – das wollte ich bei der Mahnwache reflektieren.»
Er hoffe, dass es nicht nötig sein wird, andere mit dem eigenen Leben zu schützen. «Aber ich denke, wir müssen uns darauf vorbereiten und parat sein».
Der Bischof erhält viel Zuspruch für seine Rede, auch von Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben. «Ich kenne viele Atheistinnen und Atheisten. Auch sie glauben an Liebe, an das Gute im Menschen oder an Gerechtigkeit.» Das würde Verbindungen schaffen zwischen seinem Glauben und moralischen Überzeugungen Nicht-Gläubiger.
Memento mori
Was es bedeuten würde, auch als Ehemann und Vater, sich gegebenenfalls mit dem eigenen Leben für andere einzusetzen? «Es ist nicht einfach», gibt der 65-Jährige zu. «Ich bete viel und brauche Ermutigung durch andere. Ich möchte nicht sterben, ich liebe mein Leben.»
Ihm sei allerdings bewusst, dass er ohnehin eines Tages sterben werde. «Und wenn ich gerufen werde, mich aus Liebe für andere Gefahren zu stellen, muss ich bereit sein.» Der Bischof spielt damit auch auf den altbekannten Spruch «Memento mori» an: Bedenke, dass du sterben musst. «Darüber spreche ich schon lange, aber im aktuellen Kontext bekommt es eine neue Bedeutung.»
Zu diesem Kontext gehört etwa auch, dass Präsident Trump in den letzten Tagen immer wieder mit dem Aufstandsgesetz drohte. Es ist aus dem Jahr 1807 und würde ihm erlauben, militärisch gegen Protestierende vorzugehen.