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Was Klimawandel mit Psychologie zu tun hat
Aus Kultur-Aktualität vom 12.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
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Problem Apokalypsenmüdigkeit «Alarmierende Klimaberichte können Hilflosigkeit auslösen»

Der Weltklimarat hat es gerade einmal mehr bestätigt: Die Erde erwärmt sich, die Auswirkungen werden immer deutlicher sicht- und spürbar. Kommen solche Meldungen noch bei uns an, oder sind wir schlechte Nachrichten zum Klimawandel schon so gewohnt, dass wir weghören?

Die Psychologin Verena Kantrowitsch erklärt, wie wir mit solchen Meldungen umgehen und wie man kommunizieren muss, damit auch schlechte Nachrichten gehört werden.

Verena Kantrowitsch

Verena Kantrowitsch

Psychologin

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Verena Kantrowitsch hat Psychologie an der Universität Osnabrück studiert. Sie arbeitet als Psychologin, Beraterin und Kommunikationstrainerin. Kantrowitsch ist Mitglied der Vereinigung «Psychologists for Future».

Besteht die Gefahr, dass man bei so viel alarmierender Berichterstattung zum Klima resigniert und denkt: Ich kann sowieso nichts mehr verändern?

Diese Gefahr gibt es. Ein norwegischer Umweltpsychologe hat einmal von der sogenannten «Apokalypsenmüdigkeit» gesprochen. Man denkt: «Es ist schon so lange fünf vor zwölf, es ist doch bisher immer gut gegangen.» Dann kommt man zum Schluss: Vielleicht ist es ja doch gar nicht so schlimm.

Man hat daraus abgeleitet, dass man mehr oder noch drastischer über den Klimawandel berichten muss. Das stimmt zwar, aber es kommt eben drauf an, wie wir kommunizieren.

Drastik allein bringt nichts?

Genau. Wenn ich nur negatives Wissen habe, aber keine Idee, was ich tun kann, kann das in einer Hilflosigkeit enden, die mich erstarren lässt.

Braucht es also konkrete Anleitungen zum Klimawandel, die man umsetzen kann?

Wir brauchen mehr positive Beispiele. Denn jetzt ist ein sehr grosser und schwieriger Schritt nötig: Dass wir viele Dinge in unserem Alltag anders sehen und auch anders leben.

Momentan leben wir in einem Alltag, der eine klimaschädliche Option des Verhaltens zum Standard macht – sowohl in der Mobilität als auch bei der Energie. Im Augenblick sind Dinge Standard, die klimaschädlich sind – zum Beispiel Benzin, Diesel oder Kohle. Wir müssen einen Alltag anstreben, der klimafreundliches Verhalten zum Standard macht.

Es kann sehr motivierend sein zu merken, dass es Dinge gibt, die sowohl für meine, als auch für die planetare Gesundheit gut sind.

Wie müsste man drastische Botschaften wie den aktuellen Bericht des Weltklimarats kommunizieren, damit die Leute nicht weghören?

Ich habe ein Motto, das ich «Pessimismus in der Analyse, Optimismus in der Strategie» nenne. Das bedeutet: Wir sollen nicht schönreden, was passiert. Es geht schliesslich um unseren Lebensraum und darum, ob wir in Zukunft als Menschen hier leben können.

Aber es ist eben auch möglich, Nachhaltigkeit Teil unseres Alltags werden zu lassen und so etwas zu verbessern. Kurz: Negative Meldungen analytisch zur Kenntnis nehmen, und dann Strategien für die Lösung aufzeigen.

Beim Klimawandel kann der Eindruck entstehen, dass es sich um eine langfristige Entwicklung handelt, die mich nicht betrifft. Wie schafft man es, dass die Menschen das Gefühl bekommen: Das geht mich was an?

Was die meisten Leute interessant finden, sind Dinge, die ihr eigenes Leben und ihre eigene Gesundheit betreffen. Hier sollte man ansetzen, indem man zum Beispiel über klimabewusste und gesunde Ernährung spricht – eine Win-Win-Situation. Es kann sehr motivierend sein zu merken, dass es Dinge gibt, die sowohl für meine, als auch für die planetare Gesundheit gut sind.

Das Gespräch führte Irene Grüter.

Kultur aktuell, Radio SRF 2 Kultur, 12.8.21, 8.06 Uhr;

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102 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    Natürlich gibt es eine Kilmaerwärmung. - Nach der ESA (European Space
    Agency) sind wir erdgeschichtlich gesehen in einem Eiszeitalter. In der
    langen Klimageschichte war das Warmklima das vorherrschende Klima, sozusagen
    der „Normalzustand“ der Erde. Dieser Normalzustand mit Temperaturen um 20
    bis 25 Grad Celsius zeichnete sich mit bis zu 10 Grad höheren
    Erdmitteltemperaturen aus.
    (http://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Klimageschichte_1_Leben_im_Eiszeitalter).
  • Kommentar von Rolf Steffen  (R.St)
    Ich vermute das die meisten die hier schreiben den Artikel  gar nicht oder nur zum Teil gelesen haben.
    Dieser Artikel ist auch ein Aufruf, Vorschläge zu unterbreiten  was man Unternehmen muss um diese Negativspirale zu stoppen.
    Der Aufruf wir brauchen neue Politiker oder wir brauchen neue Wähler zeigt doch schon, das den meisten hier, dass ganze am Ar... vorbei geht Hauptsache die Linken oder dir Rechten sind die bösen oder waren es doch die Grünen oder die von der Mitte.
    1. Antwort von Benjamin Reiter  (Bensch)
      Es könnte so viel und so schnell geschehen. Der fruchtbare Nährboden fehlt grossflächig. Wir halten gesellschaftlich an Altbackem fest. Ein allererster erster Schritt wäre unser Scheitern ehrlich zu konfrontieren. Die Politik ist zu ineffizient und zu machtbessesen. Das Wirtschaftssystem ist zu gierig und zu machtbessesen. Hilfreiches, wie Nächstenliebe, Ehrfurcht vor der Natur, Ehrlichkeit, Authentizität und unsere Rolle im Universum finden wir nicht in der Wissenschaft oder der Technik.
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      R.Steffen, u.wo sind Ihre wirksamen Vorschläge? Bin Realistin u.der Meinung, es gibt keine. XXL-Stahlkolosse in der Landschaft, Verbauung der letzten Fliessgewässer, Elektroautos, Photovoltaik, rasant abgeholzte/-gefackelte Urwälder, 100 neue Kohlekraftwerke bis 2030 zB in CHN, Zumüllung der Flüsse, Seen, Meere, Übernutzung u.Vergiftung der Böden, Gewässer u.Grundwasser, Ausrottung sämtlicher Mitgeschöpfe usf. Das alles mit links u.ohne grosse Überlegung von fast 8Mia Menschen bei 100Mio/J mehr.
    3. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Benjamin Reiter, "Ein allererster erster Schritt wäre unser Scheitern ehrlich zu konfrontieren" Sie haben recht, der fruchtbare Nährboden fehlt, der fehlt seit unserer Entstehung, weil sich der Mensch idR nicht als Teil der Natur fühlt, er ist wohl ein Evolutionsflop.
  • Kommentar von Benjamin Reiter  (Bensch)
    Ein alamierender Bericht hier, verblendende Werbung da, blutige Kriege dort, anbeten von VIP's davorn, ein Greifen nach weiteren Planeten dahinten - Fackt ist: die Menschheit ist diesem Planeten nicht besonders würdig. (...) Die Apokalypse stört doch einfach beim Fussballschauen, E-Shopping, Wandern und Trading. Den Selbstbetrug den wir uns gesellschaftlich antun ist seit jeher systemisch und politisch in Ordnung. Wie sonst wären wir hier angelangt?