Ein Leben ohne Freunde? Es wäre trist. Oder wie Barney Stinson in «How I Met Your Mother» sagt: «Was auch immer du tust, ist nicht legendär. Nur wenn Freunde da sind, um es zu sehen.» Am 30. Juli, dem Internationalen Tag der Freundschaft, werden diese zelebriert.
Die Journalistin und Autorin Kerstin Schweighöfer hat ihre beste Freundin verloren. Ihr Tod war der Auslöser, ein Buch über Freundschaft zu schreiben.
SRF: Hat der Tod Ihrer Freundin Ihnen erst richtig klar gemacht, was diese Freundschaft wert war?
Kerstin Schweighöfer: Bestimmt! Ich war mir immer bewusst, dass es eine besondere Freundschaft war. Wir sind 30 Jahre durch dick und dünn gegangen. Aber erst als ich ihren Tod miterleben musste und sie auch in den Tod begleiten durfte – es ist ja auch ein Geschenk, wenn du bewusst Abschied nehmen kannst –, wusste ich, wie kostbar diese Freundschaft war.
Was kann Freundschaft, was eine klassische Liebesbeziehung nicht kann?
Heutzutage, wo immer mehr Liebesbeziehungen in die Brüche gehen und jede dritte Ehe geschieden wird, die unverheirateten Paare nicht mitgezählt, kann Freundschaft die einzige Konstante im Leben sein. Manchmal ist es auch so, dass Freundschaft das ist, was von einem langen Leben übrigbleibt.
Freundschaften sind oft stabiler als Liebesbeziehungen.
Eine meiner Protagonistinnen im Buch bringt es auf den Punkt: «Die Männer gehen, die Freundinnen bleiben.» Freundschaften sind oft stabiler als Liebesbeziehungen.
Gibt's eine Zauberformel für eine gute Freundschaft?
Es gibt sicher Merkmale. Zum einen ist da die Abwesenheit von Neid. Man gönnt der Freundin oder dem Freund das, was sie erreicht hat. Man ist stolz darauf. Die zweite Eigenschaft ist das Bedürfnis, Freunde zu schützen. Man stellt sich hinter sie, wenn die ganze Welt gegen sie ist.
Selbst wenn du die perfekte Liebesbeziehung hast, gibt es immer Sachen, die du lieber mit Freundinnen besprechen willst.
Was eine Freundschaft auch erleichtert, ist dieselbe Weltanschauung, gleiche Normen und Werte. Wenn für dich Ehrlichkeit, Loyalität und Verlässlichkeit gleichermassen wichtig sind, ist das ein gutes Fundament für eine Freundschaft.
Liebesbeziehungen und Familie haben in unserer Gesellschaft einen grossen Stellenwert. Hat die Freundschaft das Ansehen, das sie verdient?
Freundschaft als treibende Kraft, die wahnsinnig viel erreichen kann, wird unterschätzt. Ich bin mit der Idee aufgewachsen, dass die Familie das Allerwichtigste ist. Dann kommt erst nichts. Es sind aber Freunde, die unerlässlich sind für ein erfülltes Leben. Selbst wenn du die perfekte Liebesbeziehung hast, gibt es immer Sachen, die du lieber mit Freundinnen besprechen willst. Freundschaften machen ein Leben reicher.
Es gilt das Gartenprinzip: Wenn man nicht sät, kein Unkraut jätet, stirbt die Freundschaft
Untersuchungen zeigen auch, dass es für die Gesundheit gut ist, Freunde zu haben. Weil die Anwesenheit von Freunden dazu führen kann, dass der Blutdruck oder der Herzschlag sinkt, dass Wunden schneller genesen, dass das Immunsystem gestärkt wird, dass Berge buchstäblich niedriger erscheinen. Wenn du einen Freund an deiner Seite weisst, kannst du Probleme leichter lösen. Nicht umsonst lautet ein Zitat des irischen Dramatikers George Bernard Shaw: «Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte.» Etwas zynisch vielleicht, aber Fakt ist: Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht.
Sollten wir Freundschaften mehr pflegen?
Bestimmt! Wie bei Liebesbeziehungen gilt das Gartenprinzip: Wenn man nicht sät, kein Unkraut jätet, verwässert die Freundschaft und stirbt. Es ist ganz wichtig, Freundschaften zu pflegen.
Das Gespräch führte Danja Nüesch.