Es ist das Ende einer TV-Ära: Der amerikanische Late-Night-Host Stephen Colbert und womöglich lustigste Trump-Gegner steht heute Nacht das letzte Mal für seine «The Late Show with Stephen Colbert» vor der Kamera.
Der Sender CBS entschied sich 2025 dafür, die Show nach 33 Jahren abzusetzen – offiziell aus finanziellen Gründen. Kritiker vermuten hinter dem Entscheid politisches Kalkül, da Colbert oft und hart gegen US-Präsident Trump schoss. SRF-Moderator und Comedian Stefan Büsser über die TV-Legende und ein womöglich sterbendes Genre.
SRF: Wer ist Stephen Colbert und was macht ihn so beeindruckend?
Stefan Büsser: Er ist einer der Big Five der amerikanischen Late-Night-Hosts. Seine Show auf CBS lohnt sich vor allem für Leute, die politisch interessiert sind und Freude an satirischen Kabarettpointen haben. Viele Comedians in Amerika hauen eher plump auf Donald Trump drauf, weil das schnelle Lacher gibt. Bei Stephen Colbert gab es oft einen intelligenten Spin.
Was ist Ihr Bezug als Talkmaster zu Stephen Colbert?
Ich schaue mir die Shows regelmässig an, vor allem den «Stand-Up-Monologue», weil mich interessiert, wie Late-Night-Shows in Amerika produziert werden.
Ich glaube, die Zeit der US-Late-Night-Shows ist tatsächlich vorbei.
Zum anderen aber auch aus politischen Gründen: Aktuell ist wohl die beste Zeit, Stephen Colbert zu schauen.
CBS hat vor einem Jahr gesagt, sie lassen die Sendung aus finanziellen Gründen auslaufen. Andere vermuten, es liege daran, dass Colbert Trump an den Karren gefahren ist. Wie sehen Sie die Diskussion?
Fakt ist: Die Sendung hat 40 bis 50 Millionen Dollar Verlust pro Jahr gemacht. Wenn du einen so hohen Verlust einfährst, dann muss es irgendwann zu Ende gehen.
Dass man mit dem Entscheid dem Weissen Haus einen Gefallen machen konnte, hat sich für den Sender wunderbar gefügt. Es ist der elegantere Weg, das mit Zahlen zu rechtfertigen.
Was denken Sie: Ist die Zeit der Late-Night-Shows im linearen Fernsehen vorbei?
Ich glaube, die Zeit der Late-Night-Shows im amerikanischen Fernsehen ist tatsächlich vorbei. Das sieht man an den Zahlen: 2018 haben sie noch etwa 450 Millionen an Werbebudgets eingespielt, 2024 sind es noch 220 Millionen. Ohne Werbegelder werden sich die Shows langfristig vom TV verabschieden.
Dass es politische Satire gibt, die sich die Freiheit nimmt, gegen beide Seiten zu schiessen, ist entscheidend.
Oder sie stellen sich um, produzieren im Hochformat oder kürzere Inhalte, die nicht so viel kosten. Am Ende des Tages wird der Inhalt überleben, aber die Form «Late Night» ist wahrscheinlich ein Auslaufmodell.
Wird man auch an der Politsatire festhalten? Ist die so wichtig?
Ich glaube schon. Es gibt nur noch wenig Unabhängiges im US-Fernsehen. Entweder steht man klar positioniert auf der linken Seite, da konnte man zum Beispiel CBS zuordnen. Oder man ist näher bei Fox News und findet alles super, was die Regierung macht, solange es eine republikanische Regierung ist. Es ist jetzt aber nicht so, dass CBS und Stephen Colbert einfach alles gut gefunden haben, was die Regierung Biden gemacht hat. Sie haben auch ihn teilweise sehr hart angegriffen. Dass es politische Satire gibt, die sich die Freiheit nimmt, gegen beide Seiten zu schiessen, ist schon sehr entscheidend.
Das Gespräch führte Anic Lautenschlager für SRF 3.