Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Urlaub und Romantik Warum Ferien für Paare oft zum Stresstest werden

In den Sommerferien verbringen viele Paare plötzlich mehr Zeit zusammen als im Alltag. Für manche wird die gemeinsame Auszeit deshalb auch zum Stresstest. Psychologin und Familienbegleiterin Stephanie Karrer erklärt, warum Konflikte in den Ferien sichtbarer werden und was dagegen helfen kann.

Stephanie Karrer

Psychologin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Stephanie Karrer ist Psychologin und Familienbegleiterin. Nach Stationen als Buchhändlerin, Coach und Jugendarbeiterin studierte sie angewandte Psychologie an der ZHAW. Heute arbeitet sie als Psychotherapeutin in Ausbildung und beschäftigt sich schwerpunktmässig mit Bindung, Beziehungen und psychischer Gesundheit.

SRF: Warum können Paare in den Ferien häufiger aneinander geraten?

Stephanie Karrer: Weil man plötzlich viel Zeit miteinander verbringt. Im Alltag wird vieles einfach bewältigt. In den Ferien merkt man dann vielleicht: Eigentlich haben wir gar nicht mehr so viel zu reden. Oder gewisse Dinge nerven mich mehr, als ich dachte.

Warum wird aus Vorfreude manchmal Druck?

Man hat vielleicht lange gearbeitet, Geld ausgegeben und denkt: Jetzt muss es perfekt werden. Wenn es das dann nicht ist, entsteht schnell Frust.

Wie schafft man es, gelassener in die Ferien zu gehen?

Vor allem mit realistischen Erwartungen. Man muss nicht nach zwei Wochen Ferien komplett entspannt zurückkommen. Vielleicht streitet man sich auch mal oder hat weniger Lust aufeinander als erwartet. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Beziehung schlecht läuft.

Es kann sehr sinnvoll sein, auch einmal etwas allein zu unternehmen.
Autor: Stephanie Karrer Psychologin

Kann zu viel gemeinsame Zeit in den Ferien auch schwierig werden?

Ja. In den Ferien hat man plötzlich viel Zeit miteinander und merkt vielleicht Dinge stärker, die im Alltag untergehen. Dabei hilft es oft gerade, nicht ständig aufeinanderzukleben. Es kann sehr sinnvoll sein, auch einmal etwas allein zu unternehmen.

Sie sagen auch: Beziehungen müssen nicht perfekt sein.

Genau. Beziehungen dürfen langweilig oder anstrengend sein. Viele glauben, man müsse nur den richtigen Menschen finden und dann laufe alles von alleine. Das stimmt einfach nicht.

Beziehungen stärken: Was helfen kann

Box aufklappen Box zuklappen
  • Dinge ansprechen
    Missverständnisse entstehen oft, weil Erwartungen unausgesprochen bleiben.
  • Nicht nur romantische Beziehungen pflegen
    Auch Freundschaften brauchen Zeit und Aufmerksamkeit.
  • Klar kommunizieren
    Wer sich zurückzieht oder schlecht im Antworten ist, könne das offen sagen, anstatt Menschen rätseln zu lassen.
  • Nicht auf perfekte Gespräche warten
    Wichtiger als perfekte Formulierungen sei, Dinge überhaupt anzusprechen.
  • Akzeptieren, dass sich Freundschaften verändern
    Nicht jede Freundschaft muss immer gleich intensiv sein. Beziehungen dürften sich im Lauf des Lebens verändern.

Was unterschätzen viele an Beziehungen?

Dass man wahnsinnig viel reden muss.

Sie sprechen auch oft über den Druck, den soziale Medien auslösen.

Wir zeigen einander häufig die schönen Seiten unseres Lebens. Die schwierigen, chaotischen oder anstrengenden Momente sieht man viel seltener. Dann hat man schnell das Gefühl, bei allen anderen funktioniere das Leben oder die Beziehung besser.

Was wäre für Sie eine gelungene gemeinsame Auszeit?

Nicht unbedingt eine, in der alles perfekt läuft. Sondern eine, in der beide Personen ihre Bedürfnisse wahrnehmen und ansprechen können. Und eine, in der neben all den Erwartungen auch etwas Leichtigkeit Platz hat.

Das Gespräch führte Judith Wernli.

Radio SRF 3, Focus, 6.7.2026, 20:00 Uhr

Meistgelesene Artikel