Advent, Festtage und Silvester sind vorüber – es wurde wieder gebacken, gefeiert, geschlemmt, gekauft und geschenkt. Die Bäuche sind voll, die Batterien leer, im Portemonnaie herrscht Ebbe: willkommen im Januarloch!
Der Ausdruck, der heute vor allem ein monetäres und stimmungsmässiges Tief nach Weihnachten bezeichnet, kommt ursprünglich aus der alpinen Tourismusindustrie: Zwischen Weihnachtsgeschäft und Sportferien blieben viele Wintersportorte leer – Hotels und Restaurants waren im Januar schlecht ausgelastet, der Tourismusbranche fehlten die Einnahmen.
Anfänge in den 1940er-Jahren
Welcher sprachschöpferische Tourismusdirektor den Ausdruck «Januarloch» erdacht hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Fakt ist, dass das Januarloch ab Ende der 1940er-Jahre in Schweizer Zeitungen und Zeitschriften auftaucht. So schreibt etwa die NZZ am 23. Februar 1951: «Der Absturz nach den Feiertagen gehört zu den gewohnten Erscheinungen der Wintersporthotellerie, machte sich aber umso empfindlicher bemerkbar, als dieses sogenannte Januarloch sich seit einigen Jahren mehr und mehr über den ganzen Monat hin ausdehnt.»
Schon früh wird der Begriff vom Tourismus auf die angespannten privaten Finanzen von Herr und Frau Schweizer nach dem weihnächtlichen Megakonsum ausgeweitet. Auch der damit verbundene Konsumrückgang im Januar wird schon in den 1950er-Jahren als «Januarloch» bezeichnet.
Allerdings ist man sich nicht einig, ob es dieses in der Geschäftswelt vielbejammerte Konsum-Januarloch wirklich gibt. So schreibt «Mr. Money» Carl M. Holliger im Januar 1973 in der Schweizer Illustrierten von einem «Fabelwesen»: «Das Märchen vom schlechten Geschäft am Jahresanfang stimmt einfach nicht.» Der Konsum liege im Januar zwar unter jenem des Spitzenmonats Dezember, aber kaum unter dem Jahresmittelwert.
Trotzdem schreiben Schweizer Medien bis ins 21. Jahrhundert immer wieder von einem angeblichen Januarloch in der Konsumgüterbranche. Das hat möglicherweise weniger mit einem geschäftlichen und mehr mit einem journalistischen Januarloch zu tun, ähnlich dem Sommerloch: Gerade am Anfang des Monats pausiert der politische Betrieb, und auch veranstaltungsmässig passiert weniger als davor und danach – da kommt ein Thema wie das Januarloch gerade recht.
Heute klingeln im Januar die Kassen
Bis heute ist das Januarloch vor allem in der Schweiz bekannt. Ausserhalb hat sich der Begriff nur in Österreich festsetzen können – als «Jännerloch». Dort wird der Ausdruck hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Wintertourismus verwendet.
Zumindest in der Schweizer Tourismusbranche kann von einem Januarloch nicht mehr die Rede sein – längst übertreffen die Umsätze und Übernachtungszahlen im Januar jene des Dezembers. Dies auch, weil Hoteldirektorinnen und Touristiker gezielt Veranstaltungen im Januar ansetzen, um zwischen Weihnachten und Sportferien Gäste anzuziehen – ähnlich, wie das auch in der Nebensaison gemacht wird.
Das geschäftliche Januarloch gehört also der Geschichte an. So versteht man seit einigen Jahren unter «Januarloch» eher ein stimmungsmässiges Tief nach der vollgepackten Advents- und Weihnachtszeit. Auch dafür hält die Tourismusbranche bestimmt passende Entspannungs- und Wohlfühlpakete in ruhiger Bergumgebung bereit.