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Vor WM-Finale Halbzeit XXL: Wenn die Show das Spiel überschattet

Die geplante XXL-Halbzeitshow beim WM-Finale ist eine Frage der Tradition – jener des Gastgeberlands USA, der Fifa-Logik und des Fussballs. Wer gewinnt? Wer zieht den Kürzeren?

Die eigene Mannschaft ist bereits ausgeschieden und bei lediglich zwei verbliebenen Teams und zwei weiteren, die um die «goldene Ananas» (Platz 3) spielen, bleiben die meisten Zuschauer vor allem fürs Spektakel.

Person in gelbem Outfit singt und tanzt auf einer Bühne mit Tänzern im Hintergrund.
Legende: Elf Minuten soll die Halbzeit-Show im Metlife Stadium bei New York dauern und Sport, Musik und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden. Schon vor dem Spiel sollen übrigens Nicole Scherzinger, Robbie Williams und Tom Cruise auftreten. Getty Images/Carl Recine

Das hat sich wohl auch die Fifa gedacht und plant bei dieser WM erstmals eine XXL-Halbzeitshow, bei der gefühlt genauso viele Stars auf dem Rasen stehen wie Spieler. Doch gerade deshalb brodelt es in der Fussballbubble gewaltig.

Eine Frage der Tradition

Coldplay-Frontmann Chris Martin inszeniert die Show. Shakira, Madonna, Justin Bieber, die K-Pop-Band BTS, Burna Boy, der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel und ein New Yorker Grundschulchor werden auftreten.

Mit diesem Aufgebot bedient sich die Fifa einer langen Tradition des Gastgeberlandes USA. Die Halftime-Show beim Super Bowl ist eine Institution – ein kulturelles Ereignis, über das man spricht, egal ob man sich für Football interessiert oder nicht. Bad Bunnys panamerikanisches Statement beim Super Bowl 2026 ist das jüngste Beispiel: Es mag eine Huldigung an die Showbusiness-Kultur der USA sein, weiss SRF-Musikredaktor Gernot Jörgler.

Stattfinden soll das Ganze zum guten Zweck: Die Show soll Spenden für den «Fifa Global Citizen Education Fund» sammeln, der 100 Millionen US-Dollar für den weltweiten Zugang zu Bildung und Fussball bereitstellen will. «Ein guter Anstrich», so Jörgler.

Das Problem: Führt man eine Tradition fort, bricht man mit einer anderen. Ein Spiel dauert 90 Minuten und die Halbzeit 15. Mit Auf- und Abbau könnte die WM-Show gut bis zu einer halben Stunde dauern. Offiziell darf die Halbzeitpause ausschliesslich mit Erlaubnis des Schiedsrichters verlängert werden.

#Hydrationgate

Die Fifa hat in diesem Turnier bereits mehrfach den Zorn der Fans auf sich gezogen. Die neu eingeführte Trinkpause zur Mitte jeder Halbzeit – offiziell zum Schutz der Spieler – wird im Stadion regelmässig von Pfiffen begleitet. Der Spielfluss leidet und die altehrwürdige BBC, jene Sendeanstalt aus dem Mutterland des Fussballs, weigerte sich gar, die Trinkpausen für Werbeblöcke zu nutzen.

Welche Auswirkungen eine verlängerte Halbzeitpause auf die Spieler hat, weiss womöglich Spanien- und Chelsea-Verteidiger Marc Cucurella. Beim Klub-WM-Finale 2025, ebenfalls im MetLife Stadium, dauerte sie 24 Minuten. Klar ist: Muskeltemperatur und Herzfrequenz sinken, was zu Verletzungen nach Wiederbeginn führen könnte.

Klar ist auch: Die Fifa hat durch ihr Höher-schneller-weiter viel Kredit bei den Fans verspielt. Und nach der Affäre rund um die zurückgenommene rote Karte von US-Stürmer Folarin Balogun wurde Gianni Infantino nach seiner Einblendung auf der Stadionkamera zuletzt gnadenlos ausgepfiffen.

Pikanter Präzedenzfall

Was passiert, wenn man sich den Unmut der Fans zuzieht, zeigt ein Beispiel aus Deutschland: Helene Fischers Auftritt beim DFB-Pokalfinale 2014 mutierte zum Pfeifkonzert. Die 15 Minuten wurden ebenfalls überzogen – und es war das vorerst letzte Intermezzo dieser Art.

Zwei Männer in Anzügen, einer hebt die Hand, im Freien.
Legende: Womöglich wird auch US-Präsident Donald Trump unter dem Finalpublikum weilen. Seine Anwesenheit könnte gar zu weiteren Verzögerungen führen. Imago/Ulrich Hufnagel

Angesichts der Ticketpreise und der Soccer-Tradition der USA sind beim Finale wohl eher Event- als Hardcore-Fans zu erwarten, die für ihr Geld etwas geboten bekommen. Es ist schliesslich nur zu unser aller Bestem – für die Spieler, den guten Zweck, die Fans.

Und wer gewinnt am Ende wirklich? Immer noch Spanien oder Argentinien.

Einschätzung von SRF-Musikredaktor Gernot Jörgler

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SRF: Was bezweckt die Fifa mit der neuen Halbzeit-Show im Finalspiel?

Gernot Jörgler: Die Fifa möchte damit ein jüngeres Publikum erreichen, das sich von Popmusik und Popstars angezogen fühlt. Diese gehören zum Lebenslauf und dienen der Selbstidentifizierung. Definitiv will man Leute für den Fussball gewinnen, die sich bis jetzt nicht gross dafür interessiert haben. Zudem sind solche Superstars gute Zugpferde für noch mehr mediale Präsenz, die auch in den sozialen Medien viral geht. Und ganz sicher lässt sich so noch besser Werbezeit verkaufen.

Orientiert sich die Fifa bewusst am Super Bowl des Gastgeberlandes USA?

Dass das WM-Final in den USA stattfindet, hat sicher zur Einführung der Halftime-Show beigetragen. Die Super-Bowl-Halbzeitshows wurden von Jahr zu Jahr immer gigantischer und pompöser. Mittlerweile haben die Super-Bowl-Auftritte einen Status erreicht, den alle Künstler in ihrer Vita aufweisen möchten. Für die amerikanischen Sportfans sind solche Shows eine Selbstverständlichkeit, für alle anderen Nationen sind sie eher gewöhnungsbedürftig. Wohlwollend kann man argumentieren, dass die Fifa dem Gastgeberland damit eine Würdigung seiner heimischen Showbusiness-Kultur erweist.

Warum hat man Chris Martin die Show inszenieren lassen?

Die genauen Hintergründe kenne ich nicht. Aber Chris Martin gilt als allseits populärer Sänger. Er hat keine Skandale, keine Ecken und Kanten und ist ein sympathischer Botschafter. Mit seiner familientauglichen Band Coldplay feiert er auf dem ganzen Globus Erfolge, vor allem auch Live-Erfolge. Er weiss, was es heisst, in einem vollen Fussballstadion zu spielen. Und er hat einen anerkannten Namen in der Musik- und Showbusiness-Szene. Wenn Chris Martin ruft, kommen sie alle, die Superstars. Würden Donald Trump oder Gianni Infantino rufen, käme niemand.

Madonna, Shakira, Burna Boy, Justin Bieber, BTS – was sagt uns dieses Line-up? Wofür stehen diese Künstlerinnen und Künstler?

Das Line-up verrät, dass die Fifa zusammen mit Global Citizen darauf geachtet hat, dass sie Vertreter aller Himmelsrichtungen im Boot haben. Was auch Sinn macht, denn schliesslich heisst das Turnier «Weltmeisterschaft». Madonna als globaler Superstar, Shakira für Südamerika, Burna Boy als Nigerianer für Afrika, Justin Bieber für Nordamerika und Co-Gastgeber Kanada, die K-Pop-Band BTS für den asiatischen Markt und der Engländer Chris Martin für Europa.

Was bezweckt man damit, dass man den Event unter die Schirmherrschaft einer NGO stellt, die sich gegen Armut einsetzt?

Der Fifa wird immer vorgeworfen, eine geldgierige Maschine zu sein, die ihre Macht ausnutzt und mit dem Ruf kämpft, dass sie vor Korruption nicht geschützt ist. Eine NGO voranzustellen als Botschafterin dieser Halftime-Show, poliert das ramponierte Image der Fifa. Es ist nicht nur eine Schirmherrschaft, sondern auch ein Schutzmantel.

Ist eine Halbzeit-Show in dieser Grössenordnung eine einmalige Besonderheit, die zum Austragungsland USA gehört? Oder werden wir das künftig bei jedem grossen Fussballturnier sehen?

Falls die US-Halbzeitshow kein Desaster wird, befürchte ich, dass es in Zukunft wiederholt solche Shows gibt, weil man damit auch Geld generieren kann (mit Fernsehübertragungsrechten), und sei es auch für einen karitativen Zweck. Die Frage ist, wie lange solche Halbzeitshows gehen. Laut Regelwerk 15 Minuten. Das «International Football Association Board» überwacht die Fussballregeln. Es muss einverstanden sein, dass Halbzeit-Shows auch länger als 15 Minuten gehen dürfen.

Sendehinweis

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SRF2 überträgt das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien am 19. Juli 2026 live ab 19 Uhr.

Radio SRF4 News, 17.7.2026, 13:55 Uhr;liea

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