Ivorische Chocolatiers Wie das Land des Kakaos den Genuss von Schokolade entdeckt

Die Elfenbeinküste beliefert die ganze Welt mit Kakaobohnen. Wie Schokolade schmeckt, wissen aber viele Ivorer nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kakaobauern aus der Elfenbeinküste exportieren ihre Ware weltweit, doch Schokolade wird hier bisher vorwiegend aus dem Ausland importiert.
  • Junge ivorische Chocolatiers wollen das ändern: sie gründen Start-Ups und Labels, um ihre einheimisch produzierte Schokolade zu verkaufen.
  • Das lokale Schokoladengeschäft kommt auch den rund 800'000 Kakaobauern und ihren Familien zugute, die oft an der Armutsgrenze leben.

Schokolade, made in Abidjan

Ein bittersüsser Duft zieht durch die Schokoladenküche von Dana Mroueh, im Herzen der quirligen Metropole Abidjan. In der Mühle knacken die Kakaobohnen, am Nebentisch wird dickflüssige Schokolade in Plastikformen gegossen. Die 28-Jährige gehört zu den jüngsten Chocolatiers der Elfenbeinküste.

«Es ist schon fast kriminell», sagt Dana Mroueh, während sie gehackte Cashewnüsse über eine Tafel Schokolade streut. «Die ganze Welt isst Schokolade dank der Elfenbeinküste. Doch im Land der grössten Kakaoproduzenten wissen viele Leute noch nicht einmal, wie Schokolade schmeckt.»

Bereit für das Weihnachtsgeschäft

Seit 7 Monaten stellt Dana Mroueh unter dem Label «mon choco» Schokolade her. Die Kakaobohnen verarbeitet sie roh, nicht geröstet. Das erhalte das intensive Aroma. «Wir machen viele Verkostungen. Da sehen wir sofort, ob es den Leuten schmeckt», erklärt sie.

In der Werkstatt von Axel Emmanuel stapeln sich bereits die Pralinenschachteln und abgezählten Schokoladentafeln für das Weihnachtsgeschäft. Der 33-Jährige hat seinen Beruf als Banker an den Nagel gehängt und vor einem Jahr mit zwei Freunden ein Start-up gegründet.

Gerade ist er dabei, die preiswerteste Schokoladentafel Afrikas auf den Markt zu bringen: 50 Gramm für 46 Cent.

Schokoladenbrunnen in einem Lokal Abjdjan. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wirtschaftsaufschwung sei Dank: Die Mittelschicht in Abidjan leistet sich immer mehr Schokolade. Susan Bavier

Mit Kochbanane aufgepeppt

«Wir haben die Kakaobohnen hier vor der Haustür. Das macht die Produktion billiger und Schokolade für viele erschwinglich. Zudem passen wir den Geschmack an. Die Leute mögen es würzig. Unser Bestseller ist Schokolade mit Ingwer und Kochbanane.»

Im ersten Jahr hat Axel Emmanuel mit seiner Marke «Instant chocolat» vier Tonnen Schokolade verkauft und mehrere ivorische Unternehmerpreise gewonnen. Die Nachfrage steigt, auch aus dem Ausland. Jetzt muss sein Team den nächsten Schritt wagen: «Wir müssen unbedingt in moderne Maschinen investieren, um die Produktion zu steigern.»

Verkauf von Kakaobohnen in der Elfenbeinküste. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das braune Gold der Elfenbeinküste: 43 Prozent der weltweiten Kakaoernte werden hier erwirtschaftet. Susan Bavier

Schokolade als Chance für die Kakaobauern

Den Chocolatiers geht es jedoch nicht nur um die Ivorer als Konsumenten. Sie sehen in der Süsswarenproduktion vor allem eine Chance, das Leben der Kakaobauern zu verbessern. 800'000 Farmer und ihre Familien erwirtschaften die Kakaoexporte der Elfenbeinküste. Viele leben an der Armutsgrenze.

Suzanne Kabbani stellt seit zehn Jahren Schokolade in Abidjan her, von der Bohne bis zur fertigen Pralinenkreation. Sie geht regelmässig auf die Plantagen und hilft den Bauern, die Qualität der Kakaobohnen zu verbessern. Und dafür zahle sie auch gern mehr als den Weltmarktpreis.

Handwerk der Frauen

In ihrer Werkstatt arbeiten 25 Frauen. Früher schufteten sie auf den Plantagen ihrer Väter, als Kindermädchen oder Putzfrauen. Jetzt haben sie ein Handwerk gelernt und wissen, wie aus Kakaobohnen Schokolade wird.

«Wenn wir der Welt zeigen, dass wir Schokolade in hoher Qualität herstellen können, helfen wir den Bauern am meisten.» Suzanne Kabbani schaut in ihrem Geschäft auf die Wand mit dem überlebensgrossen Porträt von Félix Houphouët-Boigny.

Der erste Präsident der Elfenbeinküste mahnte schon in den 1970er-Jahren, das Land müsse seine Rohwaren selbst verarbeiten, um weiter zu kommen. «Dieser Moment ist jetzt wohl endlich da», sagt Suzanne Kabbani.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 23.12.2016, 16:50 Uhr