Die unkomplizierte Stockente brütet auch mal auf dem Balkon

Die Stockente ist die am weitesten verbreitete Schwimmente der Welt, weil sie ausserordentlich anpassungsfähig ist. Ob auf dem Land oder in der Grossstadt, sie fühlt sich fast überall wohl, wo es Gewässer gibt. Genauso unkompliziert ist sie beim Brüten. Ihre Eier versteckt sie, wo es gerade passt.

Ein Ente im Stand: die Flügel sind gespreizt, die Füsse noch im Wasser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stockenten haben nur wenig Scheu vor Menschen. Sie lassen sich füttern und nisten auch mitten in der Stadt. Imago/Blickwinkel

Die Stockente muss man eigentlich nicht näher vorstellen. Das Männchen mit seinem metallisch-grünen Kopf und dem gelbem Schnabel, das Weibchen unauffällig braungesprenkelt: Es sind alte Bekannte, die man an sehr vielen Gewässern herumschwadern und -watscheln sieht. Nicht nur in der Schweiz, sondern auf allen Kontinenten ist diese am weitesten verbreitete Schwimmente zu Hause.

Ein Kücken in einem Topf mit Stroh, es schaut unter der Gefieder der Mutter hervor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stockenten weichen gerne mal auf ungewöhnliche Brutplätze aus, brüten etwa in einem Topf auf dem Balkon. Imago/Kai Horstmann

Brüten auf Beton und Backstein

Genau das macht sie so bemerkenswert – Stockenten sind äusserst anpassungsfähig. Sie leben mitten in Grossstädten. Auch beim Brüten wagen sie sich immer näher an den Menschen heran. So manch eine werdende Entenmutter versteckt ihre Eier nicht mehr dezent an einer Uferböschung, sondern brütet – um Fressfeinde abzuhalten – auf Beton und Backstein, zum Beispiel auf einem Flachdach oder einen Balkon. Mittlerweile kommt das so regelmässig vor, dass die Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz ein spezielles Merkblatt für den richtigen Umgang mit Entenbruten auf und vor dem Haus erstellt haben.

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«Es zwitschert auf SRF Kultur»

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Vom 18. bis 23. April 2016 widmen sich Radio SRF 2 Kultur und Kultur Online ganz den Vögeln: Wir reisen ins Vogelparadies im Central Park, zu den Zugvögeln im Wattenmeer und stellen den wachsamen Tannenhäher oder den vorlauten Kleiber vor. Zudem gibt es ein Quiz rund um Vögel in Literatur, Kunst und Musik. Zum Webspecial.

Entenfamilie zum See transportieren

Was also ist zu tun, wenn in diesen Frühlingstagen plötzlich eine Ente auf dem eigenen Balkon brütet? Laut Merkblatt gilt: den Vogel zunächst in Ruhe lassen, nicht füttern und ein paar Meter Abstand wahren. Wenn die Küken dann schlüpfen, wissen sie selbst, was zu tun ist.

Schon wenige Stunden nach dem Schlüpfen hüpfen sie an den Balkonrand und lassen sich zu Boden fallen. Weil sie dabei heftig mit den Flügeln schlagen und ihre Schwimmhäute spreizen, überleben sie den Sprung auch aus grosser Höhe fast immer unverletzt. Besser wäre es dennoch, ihnen ein Brett als Rampe hinzustellen, raten Vogelexperten. Und ganz wichtig: Die Entenfamilie muss nun rasch und sicher ans nächste grössere Gewässer gelangen, sonst bekommen die Kleinen nicht genügend Insekten zu fressen.

Fachleute kontaktieren

Wenn ein Balkon also nicht direkt in Seenähe liegt, muss man die Entenmutter einfangen und sie und ihre Jungen in Kisten zum Wasser tragen. Weil das mitunter heikel ist, empfiehlt es sich, dafür Fachleute zu kontaktieren. Wildhüter und Flurpolizei haben Erfahrung mit unkonventionell brütenden Wasservögeln und leisten Hilfe. Damit auch in solchen Fällen gilt: Ente gut, alles gut.

Sendung: Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 22.4.2016, 08:20 Uhr