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David Geffen Galleries Peter Zumthor pflanzt L.A. ein Museum der Superlative ins Herz

In Los Angeles eröffnet ein spektakulärer Museumsneubau des Schweizer Stararchitekten. Der schwebende Betonbau übertrifft alle Erwartungen.

Alle waren sie da: die ganze Prominenz aus Hollywood. Von Schauspielgrössen wie Tom Hanks über Sängerin Alicia Keys und Model-Mama Heidi Klum bis zum Ex-Google-CEO Eric Schmidt. Niemand wollte sich das einmalige Erlebnis entgehen lassen, bei der Eröffnung des grössten Museums in Los Angeles dabei zu sein. Auch wenn der Name «Soom-thor» immer wieder Schulterzucken auslöste. «Who?»

Älterer Mann in schwarzem Mantel, draussen stehend.
Legende: Der Schweizer Architekt Peter Zumthor an der Eröffnungsgala des von ihm entworfenen Museumsneubaus in LA am 16. April 2026. Keystone / Richard Shotwell / Invision / AP

Doch er war da und der eigentliche Star des Abends: Architekt Peter Zumthor. Er hat den Bau entworfen, der die Gemüter der Angelinos in den vergangenen Jahren bewegte. Ein neues Museum auf einem einzigen Stockwerk in zehn Metern Höhe, das sich in alle Richtungen amöbenartig ausbreitet. Man könnte es auch einen «Blob» nennen, ohne Vorder- und Rückseite, einfach einen sich ausdehnenden Pilz, so wie die Stadt selbst, die sich in alle Richtungen immer weiter vergrössert.

Niemand hatte ihm das zugetraut, dem Architekten aus den Bündner Bergen, der das grösste Museum der Westküste bauen sollte: das Los Angeles County Museum of Art (LACMA). Obwohl mit dem Pritzker Prize geehrt und mit einigen renommierten Museumsbauten im Portfolio, überstieg die schiere Grösse des Museums seine bisherigen Bauten um ein Vielfaches.

Etwas bauen, das bleibt

Zumthor galt bisher als Boutique-Architekt, der kleine Juwelen baute, detailversessen, materialverliebt und mit einer Autorenhandschrift, die den Meister erkennen liess. Die Metropole Los Angeles ist so ziemlich das Gegenteil von alledem: oberflächlich, ungenau, Massenware.

Moderne Architektur mit geschwungenem Dach, umgeben von Bäumen und Stadtlandschaft.
Legende: Der schwebende «Blob»: Schwerelos scheint Zumthors LACMA-Bau über LA zu «hovern». Keystone / AP Photo / Damian Dovarganes

Und da steht es nun, das Bauwerk. Zumthor betont bei der Eröffnung immer wieder, er habe etwas bauen wollen, das steht, das bleibt, das Bestand hat in einer Stadt der Vergänglichkeit. Und so hat er einen Betonbau entworfen, massiv, geschwungen, auf mehreren Sockeln in der Höhe stehend. Es schwebt und ist doch fest im Boden verankert, soweit das im seismischen Krisengebiet Los Angeles geht.

Lichtdurchflutete Wandelgänge

Das Museum besteht aus zwei grossen Platten, dazwischen ein Fensterband, welches das Gebäude auf allen Seiten abschliesst. Museumsdirektor Michael Govan wollte einen Bau auf einer Ebene mit viel Licht. Bekommen hat er eine 360-Grad-Panoramasicht mit überhängender Betondecke, die etwas Schatten vor der südkalifornischen Sonne bringt.

Menschen blicken aus einem modernen Gebäude auf die Stadt.
Legende: Unter der Sonne Kaliforniens: Zumthor verwendet Pigmentbeton, der seinen LACMA-Bau leuchten lässt. Getty Images / Allen J. Schaben

Im Inneren halten die Galerieräume den Bau zusammen. Das Publikum wandelt entlang der Fenster (es gibt auch durchlässige Vorhänge), um sich die grossen Kunstobjekte anzusehen. Braucht es mehr Intimität oder weniger Licht, rückt man immer weiter ins Innere, bis sich ganz intime Räume auftun, die fast dunkel sind, wo nur die Farben der Wände noch etwas Licht hineinbringen.

Innenansicht mit grossen Fenstern, Blick auf Palmen und blauen Himmel.
Legende: Licht und Dunkel: Trotz umlaufender Fenster verdunkelt sich der LACMA-Neubau Richtung Hausmitte zusehend. IMAGO / ZUMA Press

Denn nicht alles ist grau in diesem doch sehr starken Statement aus Beton. Zumthors Rettung waren Farben aus der Schweiz. Denn nur dort fand er die feinen Pigmente, die den Beton sichtbar lassen würden und genug leuchteten. In diesen Räumen spürt man die berühmte Atmosphäre, die Zumthors Bauten so bekannt gemacht haben.

Der taktile Architekt

Da ist das Bad in Vals, dessen Valser Gneis die Besucher für ewig in den Räumen verweilen lässt. Da ist die Kirche in Sumvitg – aus Holz und Schindeln gebaut – die diese Ruhe ausstrahlt. Da ist die Kapelle in der Eifel, wo das Innere ausgeräuchert wurde, sodass die Wände ein Gefühl des Sakralen vermitteln. Und da ist das Kolumba-Museum, wo er das neue Gebäude auf die alten Ruinen baute.

Zumthor ist der Taktile unter den Architekten. Seine Türen, seine Handläufe – alles meist handgefertigt. Er will, dass man das Gebäude spürt, wenn man es betritt. Dafür wurde Zumthor von Museumsdirektor Michael Govan persönlich ausgewählt. Am Anfang stand kein Wettbewerb, sondern ein Auftrag.

Die Zusammenarbeit begann schon vor 20 Jahren, als Govan nach Los Angeles berufen wurde und nur hinging, als er Zumthors Zusage hatte, dass er ihm ein Museum bauen würde. Die Idee: ein Museum, das auf einer Ebene stattfindet, wo alles gleichberechtigt ausgestellt werden kann.

Weltkunstgeschichte auf einem Stockwerk

Das LACMA ist ein enzyklopädisches Museum, vergleichbar mit dem Metropolitan Museum oder dem Louvre, wenn auch längst nicht so bedeutend. Die Schätze reichen von chinesischem Porzellan über indigene Teppichkunst und Möbel des Jugendstils bis hin zur westlichen Gegenwartskunst.

Bisher wurde klar nach Regionen unterteilt, neu sollte sich alles mischen, man würde sich inspirieren lassen von der Kunst und so von einer Weltregion zur anderen wandeln. Die Weltkunstgeschichte auf einem Stockwerk. Ein gewagtes Experiment und eine neue Museumserfahrung.

Zwei Männer in Anzügen vor einem modernen Gebäude.
Legende: Peter Zumthor mit Michael Govan an der Eröffnungsgala im LACMA – nur mit dem Schweizer Architekten wollte der Kunsthistoriker Museumsgeschichte schreiben. Getty Images / Amy Sussman

Zumthor nannte seinen ersten Entwurf «Black Flower», in Anlehnung an die nahegelegenen Asphaltseen, die bis heute wichtige Fossil-Fundstellen sind. Die Ausdehnung seines Gebäudes ging den Nachbarn aber dann doch zu weit, weshalb er es zurückstutzen musste.

Bald blieb dem LACMA nichts anderes übrig, als das gesamte Gebäude über die Verkehrsachse des Wilshire Boulevards zu ziehen. Jetzt war es keine Blume mehr, sondern spannte sich wie eine Brücke auf die andere Strassenseite. Auch das führte zu Kritik: Ein Museum sei keine Brücke, dieser rohe Betonbau kein Infrastrukturprojekt, und das viele Licht schade den Kunstwerken.

Doch wer durch das Museum läuft, geniesst diese Blickachsen über die Strasse zum anderen Ende des Gebäudes. Auch wenn die Kuratoren mit dem Licht kämpfen werden, ein amerikanisches Museum, das nicht durch unerträgliches Kunstlicht verschandelt wird, ist eine Wohltat.

Mit Zumthor durch die Räume zu gehen, ist ein Vergnügen: Er sieht die Fehler, die Risse und die Besonderheiten seines fertigen Baus und wie die Farben ihre Leuchtkraft erhalten haben. Mit dem Tennisschläger in der Hand lässt er sich nach draussen begleiten, denn der 82-jährige Architekt will nach dem ersten grossen Rummel noch ein paar Bälle spielen.

SRF 1, Tagesschau, 19.4.2026, 19:30 Uhr; wilh

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