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Dokfilm über Modehaus «Akris – Fashion With A Heritage»: Glanz auf der Oberfläche

Das Ostschweizer Modehaus Akris präsentiert sich zum ersten Mal in einer Dokumentation des deutschen Regisseurs Reiner Holzemer. Der Film gibt einen seltenen Einblick in eine glanzvolle Welt – und zeigt dabei vor allem, wie kontrolliert dieser Glanz entsteht.

Es hagelt Blitzlichtgewitter, als die Fashion Show im prunkvollen Pariser Palais de Tokyo beginnt. Models in eleganten Stoffen gleiten über den Laufsteg, Bewegungen wirken bis ins Detail einstudiert. Alles ist auf Wirkung angelegt, auf diese Selbstverständlichkeit, die in der Modebranche nie zufällig ist. Es ist der Auftakt zum 100-jährigen Jubiläum des St. Galler Modehauses Akris. 

Die Mode von Akris sei zeitlos, sagt Creative Director Albert Kriemler im Off, aber auch modern und «always into the picture». Es ist ein Satz, der so klingt, als liesse sich Zeit anhalten – oder zumindest kontrollieren. Sie würden Kleider produzieren, die bestehen und zugleich im Moment richtig sind. Doch wie zeitlos ist Akris' Mode wirklich?

Überraschende Nähe

Der Film bleibt nah an Kriemler, vielleicht näher, als man es aus dieser Branche gewohnt ist. Er begleitet ihn zwischen St. Gallen, Paris und New York, durch Sitzungen, Modeschauen und Backstage-Momente. Der Mann, der entwirft und organisiert, wirkt in dieser glamourösen Umgebung jedoch überhaupt nicht wie ein Modemogul, sondern wie jemand, der sich geschickt und kontrolliert durch eine Welt begibt, in der Perfektion alles ist.

Die Nähe ist kein Zufall. Sie ist das Versprechen des Films – und zugleich integraler Teil seiner Erzählung. Denn es ist auch die Geschichte eines Familienunternehmens, das sich selbst als Ausnahme begreift: über Generationen gewachsen, geprägt von Kontinuität statt von schnellen Wechseln, trotz aller Hypes.

Kriemler spricht von seiner Grossmutter, gelernte Schürzenmacherin und Gründerin, oder von seinem Vater, der das Haus in den Luxusmarkt führte. Es sind Erzählungen, die weniger Brüche als Linien sichtbar machen.

Seltene Einblicke

Was der Film nebst den grossen Bühnen zeigt, wirkt unspektakulär – und ist gerade deshalb aufschlussreich: Stoffe werden in der Produktion auf ihre Qualität geprüft, Skizzen zur neusten Kollektion entstehen, das Detail entscheidet. Mode erscheint als ein Prozess, in dem man Kriemler bei der Entstehung der Kollektion und seinen Überlegungen zum Jubiläum folgt.

Der Creative Director und sein Team wirken dabei nie wirklich angestrengt. Alles scheint festgelegt, sorgfältig kuratiert. Gerade diese Mühelosigkeit wirkt stellenweise fast zu perfekt – als hätte der Prozess selbst bereits eine Form angenommen, die nichts Unperfektes mehr zulässt. Gerade daraus entsteht jene Form von Eleganz, die später so mühelos wirkt – und genau hier setzt der Film an, ohne sie je wirklich zu irritieren.

Glanz ohne Reibung

Der Einblick, den der Film gewährt, ist ein privilegierter, aber kein offener. Man darf sehen, was gezeigt wird. Und man spürt, dass es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden. Darin liegt die Ambivalenz dieses Films. Er macht die leisen Abläufe hinter einer Kollektion sichtbar und übernimmt gleichzeitig dieselbe Logik, indem er sorgfältig filtert, was er zeigt und was nicht.

Mode erscheint als präzises Handwerk – und als Erzählung über sich selbst. Wer sich für diese Prozesse interessiert, wird viel entdecken. Wer mehr wissen will über das, was jenseits dieser kontrollierten Oberfläche liegt, muss genauer hinschauen. Nicht alles, was in diesem Film sichtbar wird, ist auch wirklich zu sehen.

SRF1, Sternstunde Kunst, 14.5.2026, 12:00 Uhr

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