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Klang trifft Licht Was passiert, wenn Musik Kirchenwände zum Leuchten bringt?

Die beiden isländischen Weltstars Ólafur Elíasson und Víkingur Ólafsson spannen am neuen Lucerne Festival «Pulse» für ein multimediales Gesamtkunstwerk zusammen.

Zum Auftakt des neuen Lucerne Festival «Pulse» sind Ólafur Elíasson, der international gefragte Lichtkünstler, und Víkingur Ólafsson, Pianist und Kurator von «Pulse», drei Tage lang zu Gast in einer kleinen Kirche in Meggen bei Luzern.

Person spielt Klavier vor leuchtenden Wänden.
Legende: Der Pianist Víkingur Ólafsson und der Lichtkünstler Olafur Elíasson beschlagnahmen drei Tage lang die berühmte Pius-Kirche in Meggen: Es entsteht ein multimediales Live-Kunstwerk aus Klang und Licht. Manuela Jans/Lucerne Festival/Ari Magg

Ólafur Elíasson, der unter anderem in London, Paris und New York mit seinen Lichtinstallationen Erfolge feiert, reagiert mit seiner Lichtkunst live auf die Musik seines Künstlerfreundes Víkingur Ólafsson. Dieser spielt Bachs Goldberg-Variationen. Mit denen hat er bereits auf einer Welttournee begeistert. Seine Album-Einspielung stürmte die Klassik-Charts.

Klassische Musik – ein Teenager

Víkingur Ólaffson wird «Pulse» drei Jahre lang leiten. Er will Überraschendes zeigen und Begegnungen schaffen. Das Motto seiner ersten Ausgabe «time and space» steht für seine Überzeugung, dass klassische Musik nicht klassisch, sondern modern ist: «Was sind schon 200 oder 300 Jahre? Klassische Musik ist immer noch ein Teenager, sie entwickelt sich laufend weiter», sagt Olafsson im Gespräch vor der Festivaleröffnung.

Veranstaltungshinweis

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Das Lucerne Festival «Pulse» findet vom 8. bis 17. Mai statt.

Diese Modernität zeigt er im Konzertprogramm. Klassische Musik trifft da immer wieder auf zeitgenössische Musik oder Kunst. Zum aufsehenerregenden Eröffnungsprojekt mit Elíasson sagt er: «Begegnungen sind immer Überraschungen. Wenn sich Musik und Licht begegnen, ist es genau so, wie wenn sich Menschen begegnen. Es entsteht etwas Neues».  

Zwei Männer verbeugen sich vor Klavier auf Bühne.
Legende: Ólafsson und Elíasson an der Aufführung der Goldberg-Variationen 1 am 8. Mai in der Puiskirche Meggen. Manuela Jans/Lucerne Festival/Ari Magg

Elíasson bespielt sonst grosse Ausstellungshallen und öffentliche Räume, wie bei seinem «The Weather Project» 2003/04 in der «Tate Gallery» London. In der Turbinenhalle installierte er eine riesige künstliche Sonne.

Dass der gefeierte Starkünstler live in der Piuskirche in Meggen auftritt, ist ein Glücksfall für das neue Festival. Die Architektur der Kirche aus den Sechzigerjahren fasziniert Elíasson schon lange: Sie besteht rundum aus fensterlosen Wänden aus farbig gemasertem, transparentem Marmor. Bei Tag entsteht ein einzigartiges Licht- und Farbspiel.

Der Raum tanzt

Elíasson rückt nicht nur die Musik, sondern auch den Kirchenraum in ein komplett neues Licht. Nach Einbruch der Dunkelheit bestrahlt er beim Konzert die Marmorwände von aussen. Seine Lichtprojektionen mit geometrischen und verfliessenden Mustern erzeugen ein Licht- und Schattenspiel, das ganz auf Ólafssons Spiel und die Strukturen von Bachs 32 Goldberg-Variationen abgestimmt ist. Fast wie in einer Choreografie bringt er den Raum mit seiner Stahlkonstruktion zum Tanzen.

Ólaffson spielt Bachs Werk beeindruckend: fünfundsiebzig Minuten ohne Pause, voller überraschender, farbenreicher Nuancen. Spürbar ist seine emotionale Nähe zu den Goldberg-Variationen. Für ihn sind sie wie ein Lebenszyklus, der jedes Mal von Neuem beginnt. Durch sein packendes Spiel wirkt Bachs Komposition zeitlos und modern.

Sendehinweis

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Radio SRF 2 Kultur sendet einen «Kulturplatz-Talk» zur Zusammenarbeit von Víkingur Ólafsson und Ólafur Eliasson – am 13. Mai um 9:03 Uhr.

Elíassons Lichtinszenierung nimmt genau dies auf. Wie ein optisches Echo auf die Musik breitet sie sich im Raum aus. Manche Visualisierungen waren dabei stimmiger andere weniger. Manches fein und treffend, anderes plakativ. Insgesamt ist in Meggen ein immersives Gesamtkunsterlebnis entstanden. Ob es das braucht, ist fraglich. Am Ende bleibt Bachs zeitlose Musik. Sie kommt auch ganz ohne Bilder aus.

SRF 1, Tagesschau, 9.5.2026, 19:30 Uhr

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