Ein enger, grauer Betongang führte ab den 1970er-Jahren vom Basler Universitätsspital zu einem nahegelegenen Parkhaus. 1978 beauftragte das Unispital den dänischen Designer und Architekten damit, die über 100 Meter lange Passage zu gestalten. Panton verwandelte sie in ein knallbuntes Farbenspiel: Streifen wechselten sich mit Quadraten ab, auf leuchtendes Rot folgte tiefes Blau.
«Verner Panton hatte eine immersive Reise gestaltet», sagt der Innenarchitekt und Pantonkenner Raphael Höglhammer. Man tauchte ein in das Kunstwerk und wurde gleichzeitig Teil davon – «je nach dem, wie schnell ich gehe, verändert sich die Wahrnehmung des Werks.»
Die bunte Unterführung war bekannt in Basel – auch weil der enge Betonschlauch trotz des bunten Designs bei so manchen Passantinnen und Passanten ein beklemmendes Gefühl hinterliess.
Schützenswertes Original-Werk
Doch 2022 erklärte das Basler Unispital: Die Panton-Passage müsse abgerissen werden, um Platz für einen neuen Klinikbau zu schaffen. Dagegen formierte sich Widerstand: Der Basler Heimatschutz und Designliebhaber verlangten, das Kunstwerk müsse geschützt werden – schliesslich handelte es sich um den einzigen von Panton gestalteten Raum weltweit, der sich noch am Originalort befand.
Sogar eine Online-Petition für den Erhalt der Passage wurde lanciert. Über 1500 Menschen unterzeichneten sie. Vergeblich.
Rekonstruktion: «Darf man das?»
Doch das Unispital liess sich zumindest auf einen Kompromiss ein: Das Werk sollte an einem neuen Ort rekonstruiert werden. «Die interessanteste Frage dabei war: Dürfen wir Pantons Werk überhaupt transformieren?», so Höglhammer, der mit seinem Innenarchitekturbüro Emyl mit der Rekonstruktion beauftragt wurde.
Denn eine Transformation war unumgänglich: Das Originalwerk war fest auf dem Beton angebracht, es zu versetzen war also ausgeschlossen. Eine Gruppe aus Weggefährten und Expertinnen Pantons begleitete das Projekt, um die Frage nach dem «Dürfen» schliesslich bejahen zu können.
Das Wesen des Werks erkennen
«Es ging uns darum, das Wesen des Werks zu verstehen», sagt Raphael Höglhammer. «Ich vergleiche den Gang mit einem Musikstück: es gibt eine Dramaturgie, einen Rhythmus und Melodien, die es für eine Adaption zu entschlüsseln gilt.» Höglhammer und sein Team sezierten das Original-Werk regelrecht: Alte Pläne wurden studiert, die Farben Schicht für Schicht analysiert.
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Bild 1 von 3. Verschwunden – und wieder aufgebaut: Am 3. September 2024 ist der nach Pantons ursprünglichen Plänen gestaltete Gang am neuen Ort eröffnet worden. Bildquelle: Mark Niedermann.
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Bild 2 von 3. Er bildet die in die Hebelstrasse verlegte Verbindung vom Unispital Basel zum City-Parking. Bildquelle: Mark Niedermann.
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Bild 3 von 3. Anders als beim alten Gang: Auch der Boden ist bunt. So war es in Pantons Originalplänen gedacht. Bildquelle: Mark Niedermann.
Die Arbeit hat sich gelohnt. Im Herbst 2024 wurde die Adaption der Panton-Unterführung eröffnet. Zwar zeigt der neue, kürzere Gang nicht die komplette Musterfolge der alten Passage. Dafür wurde die immersive Reise noch weitergetrieben: Im Gegensatz zum Original sind in der Adaption alle vier Wände – also auch der Boden – farbig gestaltet. So hatte es Verner Panton eigentlich auch für sein Original vorgesehen – das nun für immer verschwunden bleibt.