Eintönig war es bei ihm nie. Als unter seinen Landsleuten die Farben Beige und Braun den Ton angaben, brachte der Däne Verner Panton (1926–1998) die volle Pracht der Farben aufs Tapet. «Man sitzt bequemer auf einer Farbe, die man mag», soll er mal gesagt haben. Die Lieblingsfarbe des Manns mit Flair für ganz viel Farbe war Blau.
Im Februar wäre Panton 100 Jahre alt geworden – zum Geburtstag widmet das Vitra Design Museum dem Designer und Architekten eine umfassende Retrospektive im Schaudepot. Sie beleuchtet das vielfältige Schaffen des Architekten und Designers, der als Freigeist Designgeschichte schrieb und Wohnen als Vision verstand.
Hingucker ohne Hinterbeine
Sein Drang, seine Fantasien in Realität umzusetzen, brachte ihn früh in die Schweiz. 1963 zog der Däne mit seiner Familie nach Basel, weil er mit Vitra in Weil am Rhein endlich einen Hersteller fand, der bereit war, seinen gewagten Entwurf zu produzieren: einen Stuhl ohne Hinterbeine, einen sogenannten Freischwinger, ganz aus Plastik gefertigt.
Der Panton Chair, der 1967 auf den Markt kam, ist bis heute eine Designikone. Wie auch die Flowerpot-Pendelleuchte: zwei Halbkugeln zu einer Lampe geformt. Ein Highlight der Designgeschichte, inspiriert vom Vibe der Swinging Sixties. Die Aufbruchstimmung von damals findet sich in Pantons Entwürfen immer wieder.
Visionäre Wohnlandschaften
Einzelstücke, die Designgeschichte schrieben, sind im Vitra Design Museum beherbergt: Möbel, Prototypen, Modelle sowie mehr als 40'000 Dokumente von Panton, darunter auch über 20'000 Pläne und Zeichnungen, die nun im Schaudepot ausgestellt sind.
Im Fokus der Ausstellung mit dem Titel «Form, Farbe, Raum» steht aber das ganzheitliche Denken des Dänen. Verner Panton kreierte ganze Räume, visionäre Wohnlandschaften. Er konzipierte sie bis ins Detail, von der Textilie bis zur Tapete.
Das Herzstück der Ausstellung ist ein Blickfang, der wirkt, als wäre er nicht von dieser Welt: die «Fantasy Landscape». Ein Nachbau einer Wohnlandschaft, die Verner Panton 1970 für die Kölner Möbelmesse «Visiona 2» kreierte. Eine Wohn- und Wohlfühlhöhle mit fliessenden Formen und in poppigen Farben: wie von Panton gewohnt.
Ein Entwurf, der visionär und auch gewagt war. «Der Hauptzweck meiner Arbeit ist es, Menschen dazu herauszufordern, ihre Fantasie einzusetzen», sagte Verner Panton einst. Seine Vorstellungen, wie man wohnen könnte, forderten Menschen und ihre Wohngewohnheiten heraus. Und Überforderten sie auch.
Design mit Spassfaktor
Prägend in Pantons Schaffen ist auch das spielerische Element. Möbel sollten nicht nur benutzt, sondern belebt werden. Wohnen wurde bei ihm zum Erlebnis. Eine Schaukel als Sitzgelegenheit für Erwachsene – warum auch nicht!
Verner Panton, der auch als Lebemann galt, schuf auch Partyräume. Diese waren so gestaltet, dass die Gäste sich nicht langweilten. Festgenagelt auf einem Stuhl auf einer Fete verweilen: nicht bei ihm. Fläzen, rumlümmeln, in Bewegung bleiben – das war der Mood, der seine Räume, die meist auch modular waren, prägte.
Verner Pantons Ziel war es, die Fantasie anzuregen und die Konformität zu durchbrechen. Den Bruch mit dem Herkömmlichen: Den sieht man sofort in der Ausstellung. Die Prise Lockerheit, die Pantons Designwelt innewohnte, spürt man auch. Und das Gefühl und die Lust auf mehr Farbe nimmt man auch mit nach Hause.