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Kunsthaus Zürich Schwarze Präsenz in Grossformat: Kerry James Marshalls Bildwelt

Knallbunte Gemälde mit ausschliesslich Schwarzen Menschen: Das Kunsthaus Zürich ehrt US-Künstler Kerry James Marshall mit einer Retrospektive.

Der Mann auf dem Gemälde versinkt förmlich im Schwarz des Hintergrunds. Er ist pechschwarz gemalt, nur seine Augäpfel und Zähne stechen leuchtend weiss aus dem Bild hervor. Erst wenn man nähertritt, bemerkt man Abstufungen im Schwarz und erkennt den nackten Körper des Mannes.

«The Invisible Man», also «Der unsichtbare Mann» heisst das Gemälde von 1986. Das kann man wörtlich nehmen – schliesslich werden Schwarze Menschen bis heute marginalisiert und von der Gesellschaft oft genug «unsichtbar gemacht».

Kerry James Marshall stellt in seinen Gemälden nur Schwarze Menschen dar. Er malt sie nicht in Brauntönen, sondern pechschwarz. Will er mit seinen Bildern also einen Gegenentwurf schaffen zu einer Kunstwelt, die immer noch stark von Weissen dominiert ist?

Kuratorin Cathérine Hug widerspricht: «Auf die Besucherinnen und Besucher wirkt es vielleicht so, als sollte hier etwas korrigiert werden. Tatsächlich will Kerry James Marshall einfach das thematisieren, was ihm naheliegt. Er ist selbst Schwarz. Das ist seine Story.»

Riesige Bilder, kuriose Details

So zeigt Kerry James Marshall immer wieder Alltagsszenen: Schwarze Menschen, die sich im Park erholen, ein tanzendes Paar, Kinder im Garten einer Wohnsiedlung. All das in monumentaler Grösse – seine Gemälde sind oft dreieinhalb oder vier Meter lang. Marshall spielt darin mit unterschiedlichen Stilen: So mischen sich zwischen seine realistisch gemalten Szenen comicartige Blumen oder beschriebene Spruchbänder. Abstrakte Formen stehen neben exakt gemalten Details.

Das verleiht seinen Bildern eine grosse Anziehungskraft – auch weil sie den Entdeckergeist der Betrachtenden wecken. Denn wer genau hinschaut, kann auf den riesigen Bildern jede Menge interessanter Einzelheiten ausmachen. Auf dem Gemälde eines Barbershops etwa erkennt man im Hintergrund unter anderem: diverse Tuben und Dosen mit Pomade, eine Rolle geblümtes Küchenkrepppapier und einen kuriosen Kalender, der geziert wird von der medizinischen Abbildung eines Uterus'.

Ein Historienmaler der Gegenwart

«Diese wimmelbildartigen Kompositionen sind ein Angebot an die Betrachtenden – man muss nicht alles kennen, um es zu verstehen», sagt Kuratorin Cathérine Hug. Vielmehr könne sich jeder das herauspicken, was einen interessiere.

Teil dieses malerischen «Angebots» sind immer wieder auch politische Verweise: Kerry James Marshall wurde 1955 geboren und hat schon als Kind Ausschreitungen zwischen Angehörigen der sozialistischen Black Panther Party und der Polizei miterlebt.

In seinen Gemälden thematisiert er nicht nur den transatlantischen Sklavenhandel, er widmet sich auch immer wieder der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung: Er verweist auf Martin Luther King, Malcolm X und die Black Power-Bewegung. Kuratorin Cathérine Hug erklärt diese Themenwahl so: «Er sieht sich selbst als einen Historienmaler der Gegenwart. Mit seinen Gemälden möchte er Geschichten erzählen, die für die Gesellschaft auch in 10, 100 oder 300 Jahren relevant sind.»

Das ist ein hehres Ziel. Doch Kerry James Marschalls Gemälde sind so einzigartig, dass man nur hoffen kann, dass sie tatsächlich die Zeiten überdauern werden.

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «Kerry James Marshall: The Histories/Geschichte(n)» ist eine Kooperation mit der Royal Academy of Arts in London und dem Musée d’Art Moderne de Paris. Sie ist noch bis am 16. August im Kunsthaus Zürich zu sehen.

 

SRF 1, Tagesschau, 27.2.2026, 19:30 Uhr

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