«Machen Sie schnell, die Concorde wartet!» Mit diesem Satz könnte ein Roman anfangen. Gesagt hat ihn der britische Musiker Maurice Gibb, der mit der Band Bee Gees weltberühmt geworden ist.
Am 11. Januar 1984 ist der Sänger auf dem Sprung in die USA und benötigt in letzter Minute ein aktuelles Passfoto für seinen Visumantrag. An der Oxford Street 449 im Londoner Geschäftsviertel wird er fündig: Dort betreibt die Familie Sharkey einen «Instant Passport Photo Service», wenige Gehminuten von der US-Botschaft entfernt.
Zehn Minuten brauchen die Sharkeys fürs Fotografieren und Entwickeln eines Passfotos. Damals ein aussergewöhnlich schneller Service: Die Digitalfotografie oder Passfoto-Automaten waren noch nicht erfunden.
Hunderte Stars abgelichtet
Philip Sharkeys Augen leuchten, wenn er diese und viele weitere Geschichten zum Besten gibt. Er hält sein druckfrisches Passfoto-Buch in den Händen und posiert zur Abwechslung selbst für einen Fotografen, kurz vor der Buchvernissage in London.
Sharkey hat über die Jahre Hunderte Stars fotografiert, neben unzähligen «normalen» Reisenden. Ab 1973 arbeitete er im Passfotostudio seiner Familie mit und führte dieses später bis 2019 selbstständig weiter.
-
Bild 1 von 9. Rockstar Mick Jagger lud zur privaten Fotoaudienz am Nachmittag, frisch aus dem Bett. Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 2 von 9. Starkey bei Sharkey: Richard Starkey aka Ringo Starr kommt 1981 auf ein Foto vorbei – eine Riesenehre für den fotografierenden Beatles-Fan. Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 3 von 9. Schauspielerin und Modell Joan Collins, als sie 1988 mal wieder in Sharkeys Fotoladen war: «Ich gehe nirgendwo anders hin für Passfotos.». Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 4 von 9. Philip Sharkeys Sammlung seiner prominenten Fotokunden setzt sich fort: vom jungen Iggy Pop ... Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 5 von 9. ... über Katy Perry ... Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 6 von 9. … Angelina Jolie …. Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 7 von 9. … bis zu Arnold Schwarzenegger (1971). Seinen Ausspruch «I'll be back» löste er nicht ein, es blieb sein einziges Mal im «Instant Passport Photo Service». Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 8 von 9. Schauspiellende Sean Connery indes liess sich nicht lumpen und erschien gleich mehrmals in Sharkeys Fotostudio – hier mit imposantem Schnauz …. Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
-
Bild 9 von 9. … und Jahre später mit ergrautem Vollbart in gepflegtem Pullover und Hemd. Bildquelle: Phaidon / Philip Sharley.
Anfänglich war er ohne viel Herzblut dabei, wie Schulfreundin Louise Vines verrät, die für die Buchvernissage extra aus Amsterdam angereist ist: «Sein Vater hat ihn mit 16 Jahren aus der Schule genommen, weil er nur herumhing. Er musste im Fotostudio arbeiten», sagt sie verschmitzt lachend. Philip Sharkey signiert derweil ein Passfotobuch für sie und verdreht die Augen.
Mal mit Hut, mal im Morgenrock
Heute möchte Philip Sharkey die widerwillig begonnene Fotografenkarriere nicht missen. Er hat viele spannende Menschen kennengelernt – und skurrile Begegnungen gemacht. «Bianca Jagger bestand darauf, mit ihrem breitkrempigen Hut fotografiert zu werden», erzählt Sharkey.
«Mein Onkel Peter warnte sie, die Botschaft würde ein solches Foto nicht akzeptieren. Sie antwortete: Für mich werden sie eine Ausnahme machen. Und tatsächlich: Sie kam damit durch.»
Rockstar Mick Jagger wiederum liess sich im Morgenrock fotografieren, nachmittags um 14 Uhr. Die Jaggers hatten den Fotografen nach Hause bestellt. Und Mick sei wohl erst kurz vorher aufgestanden, schmunzelt Sharkey: «Rock’n’Roll eben …»
In besonderer Erinnerung geblieben ist Philip Sharkey die Begegnung mit Boxlegende Muhammad Ali, am 11. Juni 1974. Ali war unterwegs zu einem Kampf gegen George Foreman im damaligen Zaire. Im Vorbeigehen habe er auf die Bilderwand der prominenten Kunden des Fotostudios gedeutet und gesagt: «Weg damit! Hängt ein grosses Bild von mir auf. Ich bin der Grösste!»
Grössen wie Arnold Schwarzenegger, Angelina Jolie, Tilda Swinton, David Hockney, Jean Connery und viele andere sind Philip Sharkey in Erinnerung geblieben. Die meisten posierten mit Zurückhaltung und waren freundlich im Umgang.
Doch eines einte sie: alle seien in Eile gewesen, um ihren Flug nicht zu verpassen.