Im Dezember 1955 erschien das Kinder- und Jugendbuch «Mein Name ist Eugen» und wurde – den kritischen Stimmen von Lehrern zu Trotz – zum Dauerbrenner: 2005 folgte die erfolgreiche Verfilmung, 2016 sogar ein Musical.
Die vier Lausbuben Eugen, Wrigley, Bäschteli und Eduard lassen auf ihrem Streifzug durch die halbe Schweiz keinen Streich aus. Ganz zum Ärger der Erwachsenen – im Buch und in der realen Welt.
Die Sache mit der Erziehung
An der Grenze von Schund und Kitsch befinde sich «Mein Name ist Eugen», so zumindest steht es in einem Artikel der Schweizerischen Lehrerzeitung aus dem Jahr 1956. Besonders schlimm: Das Buch untergrabe die Autorität der Erwachsenen.
In Leserbriefen, die Autor Klaus Schädelin zu seinem Buch erhielt, hiess es, er solle sich schämen. «Also, so will ich mich jetzt schämen. Aber es haben halt doch einige Leser lachen müssen», entgegnete der Berner Pfarrer den kritischen Stimmen gelassen.
Schädelin stellte sich mit seinem «Eugen» ganz bewusst gegen die moralisierende Tendenz damaliger Kinderbücher. Und das aus ganz persönlichen Gründen: In der Schule hatte er unter strengen Regeln gelitten und Angstzustände entwickelt. Deswegen las er fröhliche Bücher, von denen es aber nur wenige gab. Also habe er selbst eines geschrieben, antwortete er im Interview.
Bücher schreiben ist viel zu anstrengend
Auch die eigenen Kinder waren in lockeren Verhältnissen grossgeworden. Über das Familienleben erzählte Schädelin: «Wir bekamen zwei Mädchen und einen Buben, und weil wir vergassen sie zu erziehen, ist es mit ihnen gut gekommen.»
Der Mann hinter dem «Eugen»
Trotz des überraschenden Erfolgs von «Mein Name ist Eugen» blieb es das einzige Buch des Berner Pfarrers. Warum? In einem Selbstinterview erklärte Schädelin, Bücher schreiben sei viel zu anstrengend. «Am Eugen haben ich 1955 drei Wochen geschuftet. Und dann war ich müde. Nie mehr, sagte ich mir, und das war gut so, denn was nachher gekommen wäre, das wäre noch schlechter geworden.»
Schädelin behielt in all seinen Tätigkeiten die Freude und den Humor. Als Autor, als Familienvater, als Pfarrer, als Satiriker und als Politiker.
Im Jänner müesse mir ufpasse, das mir nid ging no 1984 schribe. Aber das Jahr sötte mir süüferli defür afah sorge, das es de no es 1986 cha gäh.
Ganze 16 Jahre lang leitete er die Fürsorge- und Gesundheitsdirektion des Berner Gemeinderats. Mit einem scharfen Blick für die Realität, aber auch mit einem Augenzwinkern blickt er auf die Zeit zurück: «Ich hatte ein grosses Büro und konnte alle Briefe diktieren und hätte es sehr schön gehabt, wenn es nicht so viel Trauriges gäbe in einer Stadt.»
Mit Humor durchs Leben
Für die Satire-Sendung «Zytlupe» auf DRS 1 wirkte Schädelin zwei Jahre lang, kurz bevor er 1987 verstarb. Sein gemütliches Berndeutsch verlieh auch ernsten Inhalten ein charmant-witziges Kleid: «Im Jänner müesse mir ufpasse, das mir nid ging no 1984 schribe. Aber das Jahr sötte mir süüferli defür afah sorge, das es de no es 1986 cha gäh.»
Über 40 Jahre später ist dieser Gedanke immer noch aktuell. Schädelin mahnte humorvoll, Umwelt und Mitmenschen zu achten. Das zeigt sich auch in seiner empathischen Geschichte rund um den Lausbuben Eugen, mit der er Jung und Alt bis heute zum Lachen bringt.