Peter von Matt wird 80 «Er hat die besten Bücher über die Schweiz geschrieben»

Peter von Matt feiert seinen 80. Geburtstag. Der Verleger, der ihn «entdeckte», erklärt das literarische Wirken des Schweizer Intellektuellen.

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Bildlegende: Wenn Peter von Matt sich zu Wort meldet, horchen alle auf – der Schweizer Germanist wird am 20. Mai 80 Jahre alt. srf/Lukas Maeder

SRF: Peter von Matts erstes Buch «Liebesverrat: Die Treulosen in der Literatur» erschien 1989 im Hanser Verlag. Wie wurden Sie damals als deutscher Verleger auf den Schweizer Germanisten aufmerksam?

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Zur Person

Zur Person

Keystone

Michael Krüger wurde 1943 geboren. Er ist Autor, Verleger und Übersetzer. Ab 1968 war er Lektor beim Hanser Verlag und von 1995 bis 2013 Geschäftsführer.

Michael Krüger: Ich kannte seinen Namen aus der Zeitung und seine Arbeiten aus Fachzeitschriften. Von Anfang an bewunderte ich diese unglaubliche Breite der Lektüre.

Er hat die unglaubliche Fähigkeit, weitverzweigte Literaturen zusammen zu bringen, und ein geradezu anthropologisches Interesse an der Literatur.

Ich kenne keinen anderen Germanisten, der immer davon überzeugt war, dass die Literatur nach wie vor das wichtigste Auskunftsinstrument über den Menschen ist.

Gibt es etwas, von dem Sie sagen würden, das sei Peter von Matts grosse Stärke?

Er ist ein politischer Mensch. Ich finde, er hat mit die besten Bücher über die Schweiz geschrieben. Die Einführung in seinem Band «Die tintenblauen Eidgenossen» ist ein Meisterwerk: Von Matt schreibt über Bilderkult und Bildersturm und darüber, wie man die literarische und die politische Schweiz zusammendenken kann.

Die 60 Seiten Einleitung in seinem Buch über Poesie sind ein Meisterwerk über Inspiration. Über diesen zündenden Funken, über das Nichtplanbare im Menschen. Das sind alles Überlegungen, die weit über ihren Gegenstand hinausgehen und unsere Generation geprägt haben.

«  In Deutschland lieben wir klugen Mensche, die unsere Sprache sprechen. »

Peter von Matt behandelt die unterschiedlichsten Themen. Zum Beispiel den Kuss in der Literatur, die Poesie oder die Schweiz. Gibt es trotzdem so etwas wie einen roten Faden durch sein Werk?

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Von und mit Peter von Matt

«Beim Hafenkran geht es um ein Ereignis» (SRF Kultur, 11.4.14)

Bedrängte Schweiz (SRF 1, NZZ Standpunkte, 16.6.17)

Die Bücher und das Buch – ein Gespräch (Radio SRF 2 Kultur, Perspektiven, 9.3.14)

Der «unprofessorale» Professor (SRF Kultur, 25.5.13)

«Schreiben ist Knochenarbeit» (SRF 1, Glanz und Gloria, 12.11.12)

Sein roter Faden ist, was wir in der Literatur lesen können. Und wie wir es lesen können. Ganz gleich, ob es hohe, mittlere oder tiefe Literatur ist.

Es sind Äusserungsformen eines Systems. Peter von Matt versucht, dieses System so genau wie möglich zu analysieren. Es versteht sich von selbst, dass er dabei weit über die Literatur hinauskommt.

In der Schweiz ist Peter von Matt sehr präsent; auch in aktuellen Gesellschaftsdebatten. Wie ist sein Stellenwert in Deutschland? Nimmt man ihn dort auch als grossen Intellektuellen wahr?

Ja. Alle seine Bücher wurden hier ausführlich besprochen. In Deutschland lieben wir kluge Menschen, die unsere Sprache sprechen. Ich sage das extra zweideutig. Wir lieben, wenn jemand ausserhalb von Deutschland ist und so viel über die deutsche Literatur weiss wie ein Peter von Matt.

Wir lieben, wenn jemand über die Schweiz schreibt und auch uns mitmeint. Wir lieben diese essayistisch poetischen Denker, die sich sehr wohl zuhause auskennen, aber dann mit ihren Büchern weit über die Grenzen fliegen. Peter von Matt ist ein Grenzüberflieger im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Gespräch führte Michael Luisier.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 19.5.2017, 8.20 Uhr