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Das Leben mit voller Wucht – der Literaturclub
Aus Literaturclub vom 29.06.2021.
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Literaturtipps zum Mitnehmen Anna Rosenwasser: «Diskriminierung macht mich müde»

Doppelt so gay, wie sie aussieht. Und halb so jüdisch, wie sie klingt: So beschreibt sich Anna Rosenwasser selbst. Die Aktivistin und Kolumnistin engagiert sich gegen Homophobie und Diskriminierung von Queers in der Schweiz. Auch beim Lesen setzt sie auf queere Literatur.

Anna Rosenwasser

Anna Rosenwasser

Journalistin und Aktivistin

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Anna Rosenwasser (*1990) ist Journalistin, Kolumnistin und Aktivistin. Sie vertritt feministische und queere Anliegen in der Öffentlichkeit. Als bisexuelle Frau engagiert sie sich in der LOS (Lesbenorganisation Schweiz). Anna Rosenwasser lebt in Zürich.

SRF: Gibt es so etwas wie Ihr liebstes Buch?

Anna Rosenwasser: Immer wieder ein Neues. Momentan ist es «Drei Kameradinnen», das ich im Literaturclub verteidigt habe. Aber natürlich gibt’s auch liebste Bücher, von denen ich seit Jahren schwärme. «Wie wir begehren» von Carolin Emcke ist so eines.

Ihr bevorzugter Leseort? Und wann lesen Sie überhaupt?

Für mein Lesen – und meine Gesundheit – sind handyfreie Tage und Wochen enorm wichtig. Dann lese ich am liebsten in Parks, Cafés und Betten. Im Alltag lese ich oft einfach in der einzigen sonnigen Ecke meiner Zürcher Mini-Wohnung.

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Gespräch mit Queer-Aktivistin Anna Rosenwasser
Aus Gredig direkt vom 17.05.2021.
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Mehrere Bücher gleichzeitig oder eins nach dem anderen?

Gleichzeitig. Nur schon, um je nach Laune zu Schund oder Komplexität zu greifen – oder zu komplexem Schund. Queere Liebesgeschichten verschlinge ich als Hörbuch. Sachbücher eigenen sich als E-Books, weil ich da mehr oder minder gut markieren kann. Ich lese aber auch immer ein Buch in gedruckter Form; eines, das besonders hübsch ist oder mir anderweitig am Herzen liegt. Also meistens drei Bücher gleichzeitig.

Ein Buch, das Ihnen die Liebe zum Lesen eröffnet hat…?

«Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär» von Walter Moers hat mich als Teenagerin völlig eingenommen. Nur vor den Illustrationen fürchtete ich mich etwas. Vereinzelte sind recht gfürchig!

‹Sex Ed› der britischen Feministin Ruby Rare hat meine Perspektiven auf Sexualität erweitert.

Ein gutes Buch, um in queere Lebenswelten einzutauchen?

«Sissy. A Coming of Gender Story» von Jacob Tobia hinterfragt auf eine sehr verletzliche und augenzwinkernde Weise, warum wir noch immer nur an Mann und Frau glauben.

Ein Buch, das Ihr Denken beeinflusst hat?

Zuletzt «Sex Ed» der britischen Feministin Ruby Rare. Das liebevoll illustrierte Buch hat meine Perspektiven auf Sexualität erweitert.

Ein Buch, bei dem Sie laut lachen mussten…?

Zählen Comics? Falls ja, bei der queeren Reihe «Heartstopper» von Alice Oseman hab ich im gefühlten Fünfminutentakt entzückte und amüsierte Geräusche gemacht! Der Anglizismus sei mir verziehen: Der Comic ist mega wholesome.

Audio
Anna Rosenwasser: «Jedes Outing macht Mut!»
59:07 min, aus Focus vom 08.02.2021.
abspielen. Laufzeit 59:07 Minuten.

Eine «Leseleiche»: ein Buch, das Sie einfach niemals beenden?

Ich kämpfe mich nur sehr langsam durch «Yalla, Feminismus!» von Reyhan Şahin alias Dr. Bitch Ray, die über Frauenfeindlichkeit im Hip Hop und Islamfeindlichkeit anhand der Kopftuchdebatte schreibt. Mich machen diese Formen von Diskriminierungen einfach so müde, dass ich mir das Privileg rausnehme, mich zwischenzeitlich immer wieder vom Thema zu erholen.

Sobald Kinder Teil meines Lebens sind, lese ich ihnen aus «Julian ist eine Meerjungfrau» vor.

Ein Buch, das Sie gerne verschenken?

«Der Ursprung der Welt» von Liv Strömqvist. Ich finde, jede Person sollte diesen lehrreichen und sehr lustigen Comic gelesen haben.

Ein Buch, das Sie gerne Kindern vorlesen?

Meinen erwachsenen Lieblingsmenschen lese ich sehr gerne Gedichte von Mascha Kaléko vor, am liebsten aus meiner heiligen Ausgabe von «Das lyrische Stenogrammheft». Sobald Kinder Teil meines Lebens sind, freue ich mich darauf, ihnen aus «Julian ist eine Meerjungfrau» von Jessica Love vorzulesen.

Ein Buch, dem Sie mehr Lesende wünschen?

«Exit Racism» von Tupoka Ogette ist ein zugängliches, geduldiges und lehrreiches Buch, das uns alle vorwärtsbringen kann.

Das Gespräch führte Markus Tischer.

Sendung: SRF 1, Literaturclub, 19.6.2021, 22:25 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    @SRF Kultur Editor: gratuliere zu diesem vernünftigen Entscheid! Sollte die Redaktion häufiger machen. Danke.
  • Kommentar von Peter Fankhauser  (PFA)
    Anna ist extrem queer im Denken, nicht nur im Fühlen.
    Ich kann das leider nicht nachvollziehen.
    1. Antwort von Andreas Grünkraut  (Grünkraut)
      Es ist halt ermüdend ständig alle Miteinbeziehen zu wollen und Gerechtigkeit walten lassen zu wollen, wenn ständig andere mit Scheuklappen im Gesicht durchs Leben laufen und dann sagen, man könne dies und jenes nicht nachvollziehen.

      Menschen sollen aufblühen in welcher Form auch immer sie das wollen und sie sollten dabei dieselben Rechte und Pflichten haben und von der Gesellschaft akzeptiert werden wie jeder andere.

      Das man dies nicht nachvollziehen kann, kann ICH nicht nachvollziehen.
  • Kommentar von Serge Künzli  (Serge Künzli)
    «Diskriminierung macht mich müde» Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Wie wärs dann mal mit einem anderen Thema? Nicht die Diskriminierung macht müde, sondern die Einseitigkeit des Blickes in die Welt hinaus...
    1. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Sowas kann nur von einem weissen, heterosexuellem Mann kommen. Hab ich recht?
      Ein bisschen mehr Empathie würde ihnen sicher gut stehen ;-) vielleicht sind sie selber mal darauf angewiesen, wer weiss.
    2. Antwort von Andreas Grünkraut  (Grünkraut)
      @Künzli

      Das klingt sehr arg nach "mir passiert es nicht also gibts das auch nicht".

      Diskriminierung passiert ständig und überall und man muss ständig dagegen ankämpfen weil es ansonsten viel zu schnell zur Normalität wird. Jemand der sich davor verschliesst ist genau so mitschuldig wie Täter selbst, weil sie die Tat geschehen lassen und einfach wegsehen.

      Sehr ironisch wie sie eine Einseitigen Blick in die Welt vorwerfen während Sie selbst exakt dies tun.
    3. Antwort von Serge Künzli  (Serge Künzli)
      @Franziska Stäheli (Franziska Stäheli) Apropos Empathie: Bitte verzichten sie auf Beleidigungen.
    4. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Wenn ich beleidigend wäre, währe ich nicht durch die Netiqutte gekommen. Oder?
    5. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Ich finde, Serge Künzli hat schlicht und einfach Recht mit seiner Aussage (von 10.56)

      Und viele, die hier die (allgmeneinen) Beiträge und Postings über die Zeit so mitlesen, wissen, dass dem so ist

      Chapeau, Herr Künzli :-)
    6. Antwort von SRF Kultur editor
      Und damit schliessen wir die allgemeinen Betrachtungen über LGBTQI+. Sie dürfen sich aber gerne weiterhin mit den Lesetipps von Anna Rosenwasser auseinandersetzen.