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Alltäglicher Rassismus – sind wir so tolerant, wie wir meinen?
Aus Kontext vom 15.05.2019.
abspielen. Laufzeit 56:20 Minuten.
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Rassismus im Alltag Kämpferin gegen den versteckten Rassismus

Die britische Journalistin Reni Eddo-Lodge zeigt mit ihrem Buch, dass Rassismus in jedem von uns steckt.

Als Reni Eddo Lodge als kleines Kind vor dem Fernseher sass, fragte sie eines Tages neugierig ihre Mutter: «Wann werde ich endlich auch weiss?»

Denn in allen Filmen waren die Weissen stets die Guten. Die Schwarzen symbolisierten das Böse.

«Dieses Beispiel zeigt, wie die einen in unserer Kultur bestätigt werden. Und die andern schmerzhaft lernen, dass sie halt nicht zur guten Norm gehören», sagt Eddo-Lodge.

«White Privileges»

Weisse und Schwarze können sich nie als Ebenbürtige begegnen, solange die Weissen von Privilegien – den «White Privileges» – profitieren würden, so die Meinung der Journalistin. Auf diesen wunden Punkt hält die 29-jährige Britin ihren Finger.

Buchhinweis

Reni Eddo-Lodge: «Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche», Klett-Cotta 2019

Es sei höchste Zeit, dass Weisse erkennen: Diese Vorteile sind ihnen nur deshalb vergönnt, weil Nicht-Weisse die Nachteile tragen müssen – und zwar in allen Bereichen.

Vom Schulunterricht über den Wohnungsmarkt und Arbeitsalltag bis hin zum Gesundheitswesen und Politik-und Justizsystem.

Struktureller Rassismus

«Struktureller Rassismus» nennt dies Reni Eddo-Lodge in ihrem Buch. Sie führt etliche Studien und Ereignisse an, die solche «White Privileges» untermauern.

Sie erzählt zum Beispiel vom Fall eines elfjährigen schwarzen Kindes, das sich zur Zulassungsprüfung an eine bessere Sekundarschule anmeldet. Sein Lehrer gibt ihm schlechte Noten.

Als aber ein Lehrer die Examensarbeiten korrigiert, der das Kind nicht kennt – also nicht weiss, ob es schwarz oder weiss ist – schafft es den Übertritt problemlos.

Kopfschütteln und Abwehr

Reni Eddo-Lodge hat darüber immer wieder die Diskussion gesucht mit Weissen, hat Argumente vorgebracht und Beweise angeführt, ist dabei aber meist auf Kopfschütteln und Abwehr gestossen. Man wollte in den privilegierten Kreisen strukturellen Rassismus und seine Symptome schlicht nicht wahrhaben.

Im Juni 2014 platzte der Journalistin der Kragen. Ihrer Wut machte sie in einem mittlerweile legendären Blog-Artikel Luft: «Why I’m no longer talking to white people about race», Link öffnet in einem neuen Fenster: «Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche».

Drei Jahre später kam der Text, ergänzt mit weiteren Beiträgen zum Thema, auch in Buchform heraus. Reni Eddo-Lodge gewann mit «Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche» 2018 den renommierten «British Book Award».

Verlogenheit der Weissen

Der provokative Titel zielt vor allem auf jene verlogenen Weissen, die sich gemäss Reni Eddo-Lodge «selber als liberal, progressiv und links orientiert verstehen» und sich im Alltag trotzdem rassisstisch verhalten.

Es brauche wenig Mut, an einer Demo gegen Rechtspopulisten mitzumarschieren, wenn man dann wieder ins normale Leben zurückkehre, «wo die Kinder getrennte Schulen besuchen und eine schwarze Putzfrau das Haus reinigt.»

Viel schwieriger sei es dagegen, «sich endlich einmal ehrlich Rechenschaft darüber abzulegen, dass sie vielleicht selber Komplizen sind in einem rassistischen System.»

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