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Schweizer Autor wird 80 Charles Lewinsky: der Mann mit mindestens drei Karrieren

Kaum ein anderer Schweizer Autor schreibt schon so lange und so erfolgreich wie Charles Lewinsky. Die Genres, die er dabei bedient, könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber es gibt auch Verbindendes: sein Können als Schriftsteller und seine Freude am Schreiben.

Für ihn sei das Schreiben ein Abenteuer, sagte Charles Lewinsky einst in einem Interview zu seinem autobiografischen Roman «Sind Sie das?». Er mache sich keinen Plan, wisse nicht, wohin das Schreibe ihn jeweils führe, sondern folge seinen Figuren. Alles andere sei «Malen nach Zahlen».

Älterer Mann mit Brille und grauem Haar vor dunklem Hintergrund.
Legende: Der vielfältige Charles Lewinsky: Die Sitcom «Fascht e Familie» machte ihn in der Schweiz berühmt – und seine Bücher gelten als Klassiker der modernen deutschsprachigen Literatur. KEYSTONE/Christian Beutler

Natürlich ist «Malen nach Zahlen» ein kerniger Spruch, und Lewinsky ist gut in kernigen Sprüchen. Aber es stimmt schon: Seine Texte sind lebensnahe Geschichten. Technisch sauber – was anders gar nicht geht nach vielen Jahren als Lied- und Sitcom-Texter – spannend und immer überraschend.

Geboren wird Lewinsky in Zürich. Er wächst im jüdisch-orthodoxen Milieu und weitgehend ohne Vater auf. Seine Gymnasialzeit verbringt er in Luzern, wo er als Regieassistent auch seine ersten Schritte am Theater macht. Als Regisseur wechselt er nach Ingolstadt und assistiert schliesslich bei Fritz Kortner in München. Die Begegnung mit dem grossen Theatermann lässt ihn erkennen, dass er als Regisseur allerhöchstens «brauchbar» sein würde. Nie aber genial.

Gewinnende Volkmusik-Lyrics …

Also bricht er auf zu neuen Ufern und landet über Umwege beim Schweizer Fernsehen in der Abteilung Unterhaltung, wo er mitunter auf den Klarinettisten Carlo Brunner trifft. Dieser bittet ihn um einen Text für ein noch zu schreibendes Lied für den anstehenden Grand Prix der Volksmusik. Lewinsky schreibt: «Das chunnt eus spanisch vor» – und gewinnt damit prompt den Wettbewerb.

Mann mit goldener Schallplatte und Preis.
Legende: «Das chunnt eus spanisch vor»: Ende der 1980er-Jahre gewinnt Charles Lewinsky damit den Grand Prix der Volksmusik – und eine goldene Schallplatte. Getty Images/Bruno Torricelli/RDB/ullstein bild

So beginnt Lewinskys erste Karriere. Die als Texter von Volksmusikliedern. 700 Songtexte werden es am Schluss sein und eine höchst inspirierende Zusammenarbeit mit dem Schlagerkomponisten Heinz Gietz, bei dem er das Handwerk von Grund auf lernt. Dann steht schon die zweite Karriere ins Haus. Als Sitcom-Schreiber.

… diverse Sitcom-Geschichte …

Auch da ist wieder das Fernsehen entscheidend, das ihn nach langem Werweissen, ob eine Sitcom in der Schweiz überhaupt funktionieren kann, mit einer beauftragt.

Vier Personen in lässiger Kleidung stehen nebeneinander und lächeln.
Legende: Walter Andreas Müller, Trudi Toth, Martin Schenkel und Hanna Scheuring in der von Charles Lewinsky geschriebenen Schweizer Sitcom «Fascht e Familie». SRF

Lewinsky weiss, dass man in der Schweiz nie fünf Schauspieler findet, die denselben Dialekt sprechen, und man darum in einer Schweizer Sitcom auch keine Familie ins Zentrum setzen kann. Also schreibt er «Fascht e Familie» und hat mit seinem Figurenarsenal rund um Tante Martha und den theaterbesessenen Kellner Hans Material für um die 100 Folgen.

… und produktive Autorenkarriere

Nun verdient Lewinsky endlich genug, um auch Dinge ohne Auftrag zu schreiben, was zur dritten Karriere führt. Zum Romanautor. Und auch da hilft das Fernsehen nochmals tatkräftig mit. Es schafft nämlich genau in dem Moment die Sitcom ab, in dem Lewinsky eine neue plant. Nun hat er also genug Zeit für ein grosses literarisches Projekt. Und schreibt mit «Melnitz» den Roman, mit dem er den Durchbruch als Romanautor schafft.

Das ist nun auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her. Aber die Romane kommen immer noch in schöner Regelmässigkeit. Daneben Musicals und sogar ein Liederabend mit dem von ihm hochverehrten Liedermacher Markus Schönholzer.

Still wird es also noch lange nicht um Charles Lewinsky. Und dafür ist er dankbar. Denn es gibt für ihn nichts, was ihn mehr deprimiert, als ein Projekt zu beenden. Erst wenn er ein neues hat, geht es ihm wieder gut. Möge es ihm also mit vielen weiteren Projekten noch lange gut gehen.

Radio SRF2 Kultur, Kulturplatz-Talk, 14.4.2026, 9:03 Uhr

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