Schweizer Sinfonieorchester Basels Musik spielt auf einem Friedhof

Unter dem Musiksaal des Basler Stadtcasinos befindet sich ein Friedhof. Im Rahmen der laufenden Umbauarbeiten kamen dort 260 Skelette zum Vorschein.

Baustelle des neuen Konzertsaals Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unter der Baustelle liegt ein Friedhof, wie sich während der Bauarbeiten herausstellte. ZVG / Casino-Gesellschaft Basel

Auch ein Alleskönner braucht einen Ort, um sein Können zu zeigen. Gerade dieser fehlt dem Sinfonieorchester Basel aber zurzeit. Der Musiksaal im Basler Stadtcasino, Baujahr 1876, bekommt eine neue Hülle, ist für den Konzertbetrieb gesperrt.

Er wird erweitert, modernen Bedürfnissen punkto Technik und Platz angepasst. Architekten sind – wen wundert’s in Basel – das Büro Herzog & de Meuron.

Das Sinfonieorchester Basel ist ein Alleskönner

Ein Alleskönner – das ist das Sinfonieorchester Basel in der Tat. Es spielt nicht nur das angestammte sinfonische Repertoire, zunehmend mit Blick in die Spätromantik. Es nutzt die vorübergehenden Ausweichspielstätten für eine kreative Programmgestaltung.

Im Theater Basel spielt es theatralisch angehauchte Musik, etwa Hector Berlioz’ «Roméo et Juliette». Oder selten zu hörende Bühnenmusiken wie die des französischen Komponisten Gabriel Fauré. Dies führt zu einer entsprechenden CD-Aufnahme, womit sich das Orchester im gesättigten Markt schlau positioniert.

Kommt während dieser Umbauzeit dazu: gross besetzte Musik im Münster und im Musical Theater. Daneben überzieht das Orchester mit einzelnen Mitgliedern die Stadt geradezu flächendeckend mit Kammermusikkonzerten.

Rechnet man noch seine Funktion als Opernorchester dazu, so kann man getrost von einem Alleskönner sprechen.

Basels Musik spielt auf einem Friedhof

Aber eben: der Musiksaal. Seit Sommer 2016 steht er leer. Es wurden Teile abgerissen, der Saal von seinem Nachbarsbau getrennt, dem später hinzugekommenen Stadtcasino. Sodann hat die archäologische Bodenforschung sieben Meter tief gebuddelt neben dem Saal, denn er steht auf historischem Gelände.

Mönche des einstigen Barfüsserklosters sind unter dem geplanten Anbau begraben, «Irre, Tob- und Trunksüchtige» des nachmalig dort stehenden Spitals. Insgesamt 260 Skelette. Basels Musik spielt auf einem Friedhof.

Die archäologischen Grabungen sind jetzt abgeschlossen. Die aktuellen Arbeiten betreffen das Fundament des Erweiterungsbaus. Lüftung, technische Räume, Garderoben für Musiker und Publikum.

Darüber wird ein eleganter Anbau entstehen, ganz im Stil des ursprünglichen Musiksaal-Architekten Jakob Stehlin-Burckhardt (1826 – 1894).

Historismus im Zentrum von Basel. Ein viel moderneres Projekt der verstorbenen Architektin Zaha Hadid war 2007 vom Basler Stimmvolk abgelehnt worden.

Eine tolle Akustik soll der neue Musiksaal haben

Im Herbst 2019 soll der Musiksaal wiedereröffnet werden. Kenner vergleichen ihn mit dem Wiener Musikverein, dem Amsterdamer Concertgebouw mit ihren hochgelobten Akustiken. Die Umbaukosten werden auf 77 Millionen Franken beziffert. Je hälftig kommt das Geld von der Stadt, sowie von der Casino-Gesellschaft und Sponsoren.

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Weiterführende Informationen

Hier finden Sie alles über den aktuellen Stand der Ausgrabungsarbeiten und über den Stand des geplanten Erweiterungsbaus.

Was die Finanzen wie auch den zeitlichen Ablauf betrifft, sei man «im Plan», lässt die Casino-Gesellschaft gegenüber SRF verlauten.

Mit einem Blick auf die diesen Januar eröffnete Hamburger Elbphilharmonie (ebenfalls ein Umbau von Herzog & de Meuron), deren Kosten explodiert waren, sind das beruhigende Worte.

Der Alleskönner Sinfonieorchester Basel darf also beruhigt auf September 2019 blicken, das Datum des feierlichen Wiedereinzugs.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 01.09.2017, 8.20 Uhr.