Luzerner Sinfonieorchester Saftige Schnitzel statt Sparkeule

Letztes Jahr stand das Luzerner Sinfonieorchester vor dem Aus – doch dann kam die Wende: Unter dem neuen Namen «Residenzorchester KKL Luzern» arbeitet das Orchester daran, unverzichtbar zu werden.

Modernes Gebäude steht an einem See. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grosse Strahlkraft: Mit dem KKL steht dem Luzerner Sinfonieorchester ein erstklassiger Konzertsaal zur Verfügung. Keystone

Bereits das Premierenkonzert dieser Saison hatte es in sich: Wagners Siegfried-Idyll, Beethovens 4. Klavierkonzert und die 4. Sinfonie. Lauter saftige Repertoire-Schnitzel. Chefdirigent James Gaffigan betonte zwar in seinen Eröffnungsworten, man könne nicht jeden Tag Schnitzel essen, und er arbeite weiter daran, auch moderne Farben ins Repertoire zu holen.

Aber sie schmecken halt schon besonders gut, die berühmten Repertoirestücke von der Klassik über die Romantik bis hin zur klassischen Moderne. Das Luzerner Sinfonieorchester präsentiert sie gern und schmackhaft.

Das vermeintliche Ende

Dabei schien es letztes Jahr so, als seien die Tage des ältesten Schweizer Sinfonieorchesters gezählt. Die Sparkeule der öffentlichen Hand traf viele Kulturträger im Kanton, auch das Luzerner Sinfonieorchester.

Es sollte über eine halbe Million Franken sparen. Eine weitere Steigerung der Eigenfinanzierung, die mit 65 Prozent bei einem schweizerischen Spitzenwert liegt, schien illusorisch.

Viel Solidarität, viel Einnahmen

Voller Sorge lancierte das Orchester im letzten Herbst die Online-Petition «Wir sagen JA zum Orchester». Und das Wunder geschah: Die Stadt- wie auch die Landbevölkerung stellte sich mit beispiellosen Solidaritätsbekundungen hinter ihr Orchester. Tausende Unterstützer trugen sich ein.

Zudem konnte Intendant Numa Bischof weitere private Gelder akquirieren. Für die neue Saison gewann man 100 zusätzliche Abonnenten und bei den Ticketverkäufen kam es zu Rekordumsätzen. Last but not least, schlug die staatliche Sparkeule dann doch nicht mit voller Wucht zu: Nun muss nur etwa die Hälfte dessen gespart werden, was geplant war.

Der Neuanfang

Ein Glück. Ein Glück auch, dass das Orchester, das sich nun offiziell «Residenzorchester KKL Luzern» nennen darf, den besten Konzertsaal der Schweiz zur Verfügung hat. Was wiederum bedeutet, dass Gastdirigenten der oberen Liga sehr daran interessiert sind, nach Luzern zu kommen.

Das führt dazu, dass dieses Orchester, das einst der unscheinbare kleine Bruder des prächtigen Lucerne Festival Orchestra war, aus dessen Schatten hervortritt. Es beweist sich als agiler Klangkörper, der grosse Tourneen absolviert. Aber zuallererst ist es ein Orchester, das sich dem Luzerner Publikum verpflichtet fühlt und diesem ein opulentes Repertoire auf einem hohen Niveau präsentiert.

Ein weiterer Baustein

Der Kampf ums Geld wird nicht aufhören, aber das Orchester arbeitet weiter daran, sich unverzichtbar zu machen. Ein wesentlicher Baustein dafür wird auch das eigene Probenhaus sein, das bis 2019 auf dem Südpol-Areal in Kriens entsteht.

Zwei Drittel der Kosten sind durch private Geldgeber bereits gedeckt. Ein Ort fürs Proben, für Begegnungen und für Education-Programme, der das Orchester und sein Publikum weiter zusammenschweissen wird.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 21.10.2017, 8.20 Uhr

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