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Livemusik in der Krise Schweizer Festivals und Clubs sind am Limit – wie geht’s weiter?

Der Sommer lockt – und Festivals sind begehrt wie selten zuvor. Und doch kämpfen Veranstalter Jahr für Jahr, besonders die kleinen. Grund dafür sind steigende Kosten und strukturelle Probleme. Eine Umverteilung, wie sie in Grossbritannien neu stattfindet, würde Abhilfe schaffen.

Innerhalb von 19 Minuten war das diesjährige Paléo Festival in Nyon mit 210'000 Tickets ausverkauft, auch das Gurtenfestival und Open Air St. Gallen erreichten in den letzten Jahren Spitzenwerte. Auf den ersten Blick scheint es der Festivallandschaft gut zu gehen – doch der Schein trügt.

Fragile Strukturen

An kleinen bis mittelgrossen Festivals spielen sich Bands in die Herzen des Publikums – sei es am Hill Chill Festival in Basel, am Festival des Arcs in Baden oder am Les Georges in Fribourg; hier beginnen sie häufig ihre Karrieren, bevor es auf die Hauptbühne am Gurtenfestival geht. Doch diese Basis der Livemusik gerät ins Wanken.

«Die kleinen Festivals sind derzeit die vulnerabelsten in unserem Mitgliedsspektrum», sagt Fabian Mösch von PETZI, dem Verband Schweizer Musikclubs und Festivals.

Grund dafür sind fragile Strukturen: Die Arbeit ist oft ehrenamtlich, die Kosten für Infrastruktur, Technik und Gagen steigen, der Nachwuchs blieb durch Corona aus. Ein Hitzesommer oder Hagelschauer obendrauf kann das Fass zum Überlaufen bringen.  

Musikclubs unter Druck

«Festivals sind ein Hochrisiko-Geschäft», stellt auch Christof Huber fest, Leiter des Open Airs St. Gallen. Hier sind die Gesamtkosten im letzten Jahr von 9 auf 13 Millionen angestiegen. Als Vorsitzender der europäischen Festivalgemeinschaft Yourope beobachtet er eine «Ausdünnung» in der Festivallandschaft.

Die Teuerung setzt nicht nur Festivals zu, sondern auch Musikclubs. Während die Fixkosten steigen, gehen Bareinnahmen vielerorts um 30 bis 40 Prozent zurück. Das Publikum gibt dort weniger Geld aus, sei es aufgrund geringerem Alkoholbedarf oder schmälerem Budget. «Bei einem Eigenfinanzierungsbedarf von 80 Prozent, was auf viele Musikclubs zutrifft, ist das existenziell», so Fabian Mösch.

Dass Musiklokale ihr künstlerisches Programm wesentlich durch Bareinnahmen finanzieren, geht auf ihre Anfänge in den 1980er- und 1990er-Jahren zurück. Strukturelle Förderung durch die öffentliche Hand, wie sie bei anderen Kulturhäusern vorhanden ist, fällt hier geringer aus. So machen staatliche Beiträge derzeit 0 bis 30 Prozent des Gesamtbudgets der über 200 Schweizer Festivals und Clubs aus, die PETZI vertritt.

Vorbild in Grossbritannien

Umso gespannter blickt die hiesige Musikbranche auf internationale Lösungsansätze und nach Grossbritannien, wo gerade neue Ideen umgesetzt werden. Der Musikbranchenverband LIVE hat dort mit dem Fonds «Trust» ein Modell lanciert, das die Basis der Livemusik gezielt stärkt. Bei Grossveranstaltungen fliessen 1 Pfund pro Ticket an kleine Veranstalter, den sogenannten «Grassroots»-Musiksektor. Eine Umverteilung also.

«Grosse und kleine Veranstaltende sind Teil desselben Ökosystems – es braucht beide», so Fabian Mösch. Denn die grossen Bühnen leben letztlich von dem, was im Kleinen entsteht: Es sind die kleinen Orte, wo Neues wächst und regionales Musikschaffen gestärkt wird. «Junge Bands brauchen die Clubs, um ihre Karriere zu lancieren», betont auch Christof Huber.

Klar ist: Um als Festival oder Musikclub heute in der Schweiz zu überleben, braucht es neue Ansätze. Dabei drängt sich die Frage, wie strukturelle Stabilität geschaffen werden kann, ins Zentrum.

Radio SRF 3, 25.6.2026, 11:10 Uhr

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