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Kulturszene Von Festivals bis Stadien: Warum Livemusik immer teurer wird

Tickets zu Höchstpreisen, rückläufige Sponsorenzahlen und steigende Gagen: Die Livemusik befindet sich im Wandel – auch in der Schweiz. Kunstschaffende und Fachpersonen hinterfragen einen zunehmend komplexen Markt.

Ein Konzert zu besuchen kostet im Durchschnitt immer mehr. Das gilt nicht nur für grosse internationale Stadiontourneen oder Auftritte von Weltstars – auch in der Schweiz werden Musikveranstaltungen zunehmend kostspieliger.

Es geht nicht mehr nur um die Musik.
Autor: Ellis Cavallini Radiomoderatorin RSI

Dabei spielen gleich mehrere Faktoren eine Rolle: steigende Gagen für Kunstschaffende, immer höhere technische Kosten und der Rückgang von Sponsoringgeldern. «Ich habe Angst, dass wir ins 19. Jahrhundert zurückfallen», befürchtet Jacky Marti, Gründer von Estival Jazz, gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI. «Damals war Musik elitär: In die bürgerlichen Salons kamen die Wohlhabenden. Musik sollte aber verbinden, von allen geteilt werden.»

Wenn Livemusik zum Geschäft wird

In den letzten Jahren hat sich die Musikbranche radikal verändert. Früher diente ein Konzert vor allem dazu, eine neue Platte zu bewerben. Mit dem Einbrechen der Plattenverkäufe ist die Livemusik zur Haupteinnahmequelle der Industrie geworden. «Es ist keine Laune der Künstler», sagt Marti weiter. «Die Kosten für Technik, Logistik und Promotion sind gestiegen. Alles kostet viel mehr.»

Rockband mit Sängern und Gitarristen auf der Bühne.
Legende: Sinplus, ein Alternative-Rock-Duo aus Locarno, während des Halbfinales des Eurovision Song Contest 2012. Archivbild Keystone

Nicht nur die Preise ändern sich, sondern auch die Konzeption der Liveshows. Ellis Cavallini, Radiomoderatorin bei RSI, erklärt: «Vor zehn Jahren hast du für 15 Franken einen Act in einem Club gesehen. Heute gehst du ins Stadion und dich erwartet eine riesige Show. Es geht nicht mehr nur um die Musik.»

Kein Raum für Neues

Jacky Marti hatte fast fünfzig Jahre lang die künstlerische Leitung des Estival Jazz inne. Nun warnt er: Wenn eine Veranstaltung unbedingt hohe Verkaufszahlen erreichen müsse, bestehe die Gefahr, dass man sich eher auf kommerziell sichere Künstlerinnen und Künstler konzentriere. Für innovative oder experimentelle Ansätze bleibe dann weniger Platz.

Der Bericht von RSI mit deutschen Untertiteln

Doch daraus könnten sich gleich zwei Risiken herauskristallisieren: Einerseits könne sich das Publikum, vor allem junge Leute, nicht mehr unzählige Konzerte pro Jahr leisten, andererseits drohe ein Einbruch des kulturellen Angebots – mit weniger Raum für aufstrebende Künstlerinnen und Künstler.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konzertwelt – insbesondere die Livemusik – eine Phase starker Veränderung durchläuft. Die Herausforderung wird in Zukunft darin bestehen, ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Nachhaltigkeit, Qualität des Angebots und Zugänglichkeit für das Publikum zu finden. 

RSI Prima Ora, 7.5.2026, 18 Uhr; wilh

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