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Nationales Kulturgut Wie die Blasmusik populär wurde

Ob auf Dorfplätzen oder Dampfschiffen: Zur Blasmusik wurde im 19. Jahrhundert nicht nur marschiert, sondern auch fleissig getanzt. Heute sind Blechblasinstrumente quasi überall zu hören, populär wurden sie vor allem dank einer technischen Neuerung.

In der Blasmusik vor rund 200 Jahren gab es klare Regeln: Wer zu spät an eine Probe kam, zahlte eine Busse – ebenso bei «unnötigem Anstimmen» oder gar «unanständigem Blasen in ein Instrument des Nachbarn».

Solche kleinen Geschichten aus dem Musikeralltag sind in vergilbten Notenbüchern und Schriften aus dem frühen 19. Jahrhundert im Klingenden Museum Bern zu finden; sie sind neben historischen Instrumenten wie einem majestätischen Althorn oder einer glänzenden Basstrompete ausgestellt.

Blasmusik war Tanzmusik

«Anno 1811 ist die jezige Musick=Gesellschaft zusammen getretten» – so steht es in einem alten Notenbuch der Rorschacher Blasmusik. Eine Formation, die weit über die Region hinaus Bekanntheit erlangte: Sie spielte zum Tanz ebenso selbstverständlich wie zu feierlichen Märschen.

Historische Blaskapelle mit zwölf Männern und Instrumenten.
Legende: Die Hundwiler Musikgesellschaft um 1886. Die Blasmusik war männlich geprägt – doch: «Es gibt punktuell Belege zu Frauen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Blasmusiken spielten oder diese dirigierten», so Yannick Wey. Die Quellen für diese Zeit seien jedoch rar. Hochschule der Künste Bern

«Das wäre doch heute was – wenn die Dorfmusik zum Tanz aufspielen würde», erzählt Adrian von Steiger begeistert. Er ist Musikwissenschaftler und leitet das Klingende Museum Bern. Gemeinsam mit Yannick Wey und Miryam Giger begibt er sich auf Spurensuche – zurück zu den Anfängen der Blasmusik in der Schweiz.

Erste Vereine in der Schweiz

Blasmusikgruppen entstanden im Sog der Aufbruchstimmung Anfang des 19. Jahrhunderts, als überall im Land neue Vereine gegründet wurden: Turnvereine, Jassrunden – und eben Musikgesellschaften. Sie brachten die Menschen zum Tanzen, spielten Märsche oder auch ein «Ständli».

In der Schweiz verbreitete sich die Blasmusik landesweit und hatte soziale und repräsentative Funktionen: Gruppen spielten an wichtigen Jubiläumsfeiern, politischen Anlässen oder in Kurhotels. Einen überraschenden Fund machte Yannick Wey in Quellen zur Bodensee-Dampfschifffahrt: «Da wurde auf den Schiffen und in den Häfen gespielt.»

«Eine instrumentale Revolution»

Trompete, Horn und Co. zu lernen – das war im 19. Jahrhundert populär. Besonders ab den 1850er-Jahren, als sich Blechblasinstrumente modernisierten und Ventile erhielten.

Gleichzeitig erweiterten neue Klänge das musikalische Spektrum: «Türkische» Perkussionsinstrumenten wie Pauken, Becken und Triangeln kamen in die Schweiz, welche auf die osmanische Militärmusik (die sogenannte «Janitscharenmusik») zurückgehen.

Ausstellungshinweis

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Die Sonderausstellung «Anno 1811» im Klingenden Museum Bern widmet sich den Anfängen der Blasmusik in der Schweiz. Dem Museum liegt eine Sammlung aus Hundwil mit 20 Blas- und Schlaginstrumenten sowie 49 Notenbüchern vor, welches ein SNF-Forschungsprojekt an der Hochschule der Künste Bern untersucht. Die Ausstellung vermittelt daraus erste Forschungsresultate. Sie läuft noch bis März 2027.

Während zuvor Trommeln und Pfeifen den Takt angaben, veränderte sich das Klangbild nun grundlegend: Pauken und Trompeten traten ins Zentrum – kraftvoll, farbig, mitreissend. «Eine instrumentale Revolution», stellt Adrian von Steiger fest.

Ein soziales Phänomen

Bis heute setzen sich die modernisierten Blechbläser mit Ventilen durch – und bis heute ist die Blasmusik ein soziales Phänomen: In der Schweiz gibt es aktuell über 2000 Blasmusikvereine.

«Sie sind bei vielen Anlässen nicht wegzudenken», so Yannick Wey. So ist die Blasmusik in vielen Gemeinschaften, besonders in Dörfern, zentral für den Zusammenhalt – und für Freundschaften, welche sich über Jahrzehnte hinweg entwickeln.

35. Eidgenössisches Musikfest

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Das 35. Eidgenössisches Musikfest findet vom 14. bis 17. Mai 2026 in Biel statt – und gilt mit 25'000 aktiven Musikerinnen und Musikern und mehreren Zehntausenden Besuchenden heute als grösstes Blasmusikfestival weltweit. Die SRG überträgt die Parademusik live.

Das erste Eidgenössische Musikfest ereignete sich 1864 in Solothurn – und wird seither alle fünf Jahre durchgeführt (mit Ausnahme des Pandemie-Jahres 2021).

SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität. 13.5.2026, 8:06 Uhr

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