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Schweizer Sinfonieorchester Eine Kirche und ein Kursaal fürs Berner Sinfonieorchester

Das Kulturcasino Bern ist eine Baustelle und das Berner Sinfonieorchester braucht eine neue Heimat. Unkonventionelle Lösungen sind gefragt.

Fensterfront des Kursaals mit Blick auf die Stadt
Legende: Provisorium mit Stil: Im Kursaal findet das Berner Sinfonieorchester vorübergehend eine Heimat. Kursaal Bern

Wo findet sich in Bern ein zentraler und grosser Konzertsaal für 1200 Menschen und 100 bis 120 Musikerinnen und Musiker?

Und – noch wichtiger – wo findet man einen guten Proberaum? Hell, freundlich, nicht am Stadtrand, aber doch in einer ruhigen Umgebung, mit ordentlicher Akustik, wo eben diese 100 bis 120 Musizierenden Platz haben? Denn die meiste Zeit ihrer Arbeit verbringen Musikerinnen und Musiker schliesslich dort: im Proberaum.

Eine Kirche zur Miete

Zufall oder nicht? Die Stiftung Diaconis besitzt seit Längerem eine kaum mehr benutzte Kirche neben dem Salem-Spital. Ende der 1940er-Jahre stellten die beiden Architekten Hans Bracher und Willy Frey quer in den Aarehang ein Gebäude mit einer auffallenden, von schmalen Holzstäben durchbrochenen Fensterfront. Hier war Platz für die Andachten und Gottesdienste der damals 400 Diakonissinnen.

Heute sind es noch 38 Frauen, die in der Gemeinschaft leben – und die ihre Gebete fortan in einer kleineren Kapelle verrichten werden. Denn die Stiftung Diaconis hat dem Orchester die Kirche zur Miete angeboten.

Ein inspirierender Ort

Es brauchte noch ein paar bauliche Massnahmen wie eine Heizung, sanitäre Anlagen und eine Verbesserung der Akustik. Aber schliesslich ist aus dem einstigen Gotteshaus eine wahre Perle geworden.

«Wir können hier gut und ungestört proben», sagt ein Musiker des Orchesters, «und in den Pausen können wir in schöner Umgebung Kaffee trinken.» Chefdirigent Mario Venzago ist ebenfalls begeistert, hier an diesem inspirierenden Ort arbeiten zu können.

Kursaal Bern als Konzertort

Auch mit dem neuen provisorischen Konzertort, dem Kursaal Bern, zeigt das Orchester keine Berührungsängste. In den Kursaal gingen Bernerinnen und Berner einst, wenn sie Minigolf spielen wollten.

Später dann, weil die grossen politischen Kongresse dort stattfanden und heute, wenn geboxt wird oder wenn die Chippendales den Berner Modis den Kopf zu verdrehen versuchen.

Egal, werden sich die Verantwortlichen des Orchesters gesagt haben. Denn sein «unklassisches» Image macht der Saal mit dem wett, was er sonst bietet.

Da wäre seine gute Lage und der sensationelle Ausblick von der Terrasse auf die Stadt. Dann aber auch der schöne Raum mit den markant geschwungenen Treppen auf den Balkon hinauf. Und eine Architektur, die von allen Plätzen aus eine gleich gute Sicht auf die Bühne ermöglicht.

Kursaal Bern, Publikum und Balkon
Legende: Am Wochenende eröffnete das Berner Sinfonieorchester im Kursaal Bern die neue Saison mit Bruckners 7. Sinfonie. SRF/Gabriela Kaegi

Nur die Akustik war wenig berauschend. Aber mit den heutigen technischen Mitteln und den richtigen Sound-Designern liess sich ein zwar trockener, aber dennoch richtig guter Raumklang herstellen. «Viel besser als erwartet», so der Tenor von Musikern und Publikum.

Aus der Not eine Tugend

Damit das Provisorium nicht zu einer Notlösung wird und sich das Publikum möglichst schnell am neuen Ort daheim fühlt, wird auch der grosszügige Eingangsbereich ausgiebig bespielt.

Decke des Kursaals
Legende: Unter dieser Decke finden die «Late Night Concerts» statt. SRF/Gabriela Kaegi

Dafür hat man die «Late Night Concerts» erfunden. Zuschauerinnen und Zuschauer können nach dem Konzert noch etwas verweilen, ins Gespräch kommen, vielleicht sich über Gehörtes und Erlebtes austauschen. Dazu spielt eine hochkarätige Jazzband gerade so laut, dass man sich angenehm unterhalten kann. Am ersten Abend hat es bestens funktioniert.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 5.9.2017, 7.20 Uhr

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