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Zum 100. Geburtstag «Boop-boop-a-doop!» Warum wir Marilyn bewusst auch hören sollten

Glamour, Sexappeal und ein tragisches Lebensende: Dafür steht Marilyn Monroe bis heute. Als Sängerin wird sie dagegen oft unterschätzt. Zu Unrecht.

Als würde sie immer über die Welt staunen. Monroes kindliche Sprechstimme passt zu ihrem Image der sexy Kindfrau – und war sorgfältig einstudiert. Auch ihre Gesangsstimme war zart. Die Stimmgewalt ihrer Freundin Ella Fitzgerald fehlte ihr. Doch gerade in ihrem gehauchten Stil zeigt sich ihr Können: Marilyn Monroe (1926–1962) war eine charmante Geschichtenerzählerin mit feinem Rhythmusgefühl.

Frau in einem glitzernden Kleid singt auf einer Bühne mit Vorhängen und Lichtern.
Legende: Marilyn Monroe war mehr als nur eine Schauspielerin mit ein paar Songs im Repertoire. Getty Images/Richard Miller

«Man kann natürlich sagen, sie hat kein grosses Stimmvolumen. Aber darauf kommt es gar nicht an», sagt Kulturjournalist Manfred Papst. Für ihn kann Monroes Musik «ganz allein für sich stehen, wegen ihrer Fähigkeit, in ihrem Gesang Geschichten zu erzählen». Was ihr technisch fehlte, kompensierte sie mit Ausdruck.

Sinnlichkeit und Doppelbödigkeit

Besonders deutlich wird das in der Filmkomödie «Some Like It Hot» von 1959. Im Song «Running Wild» zeige sich «die ganze Marilyn in a nutshell», sagt Papst: «wir hören die Dynamik, die Phrasierung, das Samtige, Schmeichelnde. Und am Schluss zeigt sie, dass sie auch Gas geben kann.»

Eine der Schlüsselstellen des Films: Monroe auf der Bühne, gehüllt in ein raffiniertes Nichts. Nur von dir will ich geliebt werden: Als Sugar Kane haucht Monroe diese Zeilen so sinnlich, dass alle dahinschmelzen und sich persönlich angesprochen fühlen. Allerdings geht es in dieser Komödie um Betrug und berechnende Verführung.

Diese Doppelbödigkeit habe Monroe bewusst eingesetzt, sagt Papst. Im Vergleich zu eher biederen Stars wie Doris Day überschreite sie deutlich gesellschaftliche Grenzen. Auch ihr berühmtes «Boop-boop-a-doop» lässt verschiedene Lesarten zu: Babysprache im Lolita-Stil? Oder eine Hommage an den Scatgesang des Jazz?

Jazzfan und Perfektionistin

Hinter ihrer lasziven Fassade verbirgt sich eine disziplinierte Künstlerin. «Man darf nie unterschätzen, was für eine gewissenhafte Arbeiterin sie war», sagt Papst. Ein Gesangslehrer habe sie angewiesen, eine Platte von Ella Fitzgerald 100-mal zu hören. Wie genau sie der Jazzsängerin zugehört hat, hört man immer wieder in Monroes Rhythmusgefühl und ihrem Gespür für feine Nuancen.

Die Freundschaft der beiden Frauen wurde später legendär. Zu Beginn von Ella Fitzgeralds Karriere hatte Marilyn der jüngeren Sängerin einen Wochenauftritt in einem renommierten Club ermöglicht: Monroe stellte in Aussicht, jeden Abend im Publikum zu sitzen, wenn sie Ella programmierten – was Wirkung zeigte. Und Fitzgeralds Karriere ins Rollen brachte.

Gruppe von Menschen, die zusammen in einem Raum sitzen und sich unterhalten.
Legende: Besties: Ella Fitzgerald und Marilyn Monroe in Hollywood. (19.11.1954) Getty Images/Bettmann

Eigener Gesangsstil mit Tiefgang

Nur gerade mal 36 Gesangsaufnahmen gibt es von Marilyn Monroe. Alle stammen sie aus Filmen und manchmal ist nicht geklärt, ob sie wirklich selbst singt. In den unmissverständlichen Fällen wird aber deutlich: Marilyn Monroe hat als Sängerin einen klaren eigenen Stil entwickelt.

Kritiker bemängelten oft ihre begrenzte Stimme. Doch gerade darin lag ihre Stärke: Sie kannte ihre Grenzen und setzte ihre Mittel gezielt ein. Marilyn Monroe war keine grosse Sängerin im klassischen Sinn. Aber eine aussergewöhnliche Interpretin mit einer Tiefe, die bis heute unterschätzt wird.

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Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 1.6.2026, 7:06 Uhr

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