Diskussionskultur im Netz Montagabend ist Prime Time für Wut und Frust

Unser Netzthema des Tages: Nicht schlechte Eigenschaften eines Menschen machen ihn zum Troll, sagt eine neue Studie. Sondern die Umstände.

Kleiner Mann vor riesiger Tastatur mit gigantischen Fingerkuppen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hasskommentare im Netz können eine gewaltige Wirkung haben. Keystone

Worum geht’s?

Die Stanford und Cornell University hat gerade eine Studie zu Wut- und Hasskommentaren veröffentlicht. Sie kommt zum Ergebnis: Jeder von uns ist verführbar, sich fulminant im Ton zu vergreifen.

Warum ist’s wichtig?

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Screenshot

Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

Bislang nahm man an, Themen würden Menschen reizen, sich vehement im Ton zu vergreifen. Die neue Untersuchung weist nach, dass Menschen, die frustriert und wütend in einem Forum landen, dieses als Ventil benutzen.

Ausser Wut ist Stress ein wichtiger Faktor. Menschen, die unter Druck stehen, benutzen in Foren die Gelegenheit, Frust abzubauen. Besonders der Montagabend sei Prime Time für Wut und Frust.

Nach dem Wochenende starten Viele wieder durch und ärgern sich nach dem kurzen Unterbruch wohl besonders. Dies belegt die Studie der Stanford University. Dort wurde eine Gruppe, die keinem Stress ausgesetzt war und eine, die bewusst unter selbigen gesetzt wurde, untersucht. Die Resultate waren dementsprechend: In den Foren der Gestressten verlief die Diskussion weitaus wütender als ohne Stress.

Die stimmungsmässige Situation der Probanden erwies sich als entscheidender für deren Diskussionskultur als zum Beispiel deren Bildungsstand.

Der Beginn einer Diskussion ist ein weiterer wichtiger Faktor für deren weiterer Verlauf. Trifft man stressfrei auf eine besonnene Diskussion, geht es zumeist so weiter. Haben bereits fünf vor einem selbst wütend kommentiert, geht die destruktive Spirale weiter abwärts.

Ausser dem Verhalten der beiden Gruppen wurden Millionen Voten von Usern untersucht. Auch in der Breite bestätigt sich: Die Bewertung der Inhalte hängt massgeblich von Stimmung, Timing und Umgebung ab.

Lernen kann man daraus: Nie etwas schreiben, was man nicht jemandem auch ins Gesicht sagen würde. Und: Nicht sofort abschicken, sondern Zeit vergehen lassen und nochmal lesen, bevor man es veröffentlicht.