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So endet die Welt gemäss Hollywood
Aus Kultur Webvideos vom 06.02.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 35 Sekunden.
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Untergangsszenarien im Film Im Kino ist die Apokalypse nicht mehr totzukriegen

Zerstörte Welt von «Mad Max» bis «Moonfall»: Aus der Johannes-Offenbarung hat sich die Apokalypse als ultimatives Desaster ins Kino geschmuggelt.

Kürzlich zerstörte der Netflix-Hit «Don’t Look Up!» die Erde mit einem Kometen. Nun bedroht Roland Emmerich unsere Welt mit dem Mondabsturz in «Moonfall». Der angekündigte Weltuntergang sei einfach ideal für dramatische Geschichten, meint der «Master of Desaster» Roland Emmerich.

In seinem «Independence Day» von 1996 wehrte sich die Menschheit erfolgreich gegen die Vernichtung durch Ausserirdische. Acht Jahre später präsentierte er mit «The Day after Tomorrow» die Erde als apokalyptische Eiswüste.

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Filmredaktor Enno Reins über Moonfall
aus Audio Aktuell SRF 3 vom 03.02.2022.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 28 Sekunden.

Helden oder Feiglinge, Väter und Mütter, Kinder und Verliebte: Sie alle können in einem Weltuntergangsszenario besonders wirkungsvoll agieren. Alles was bald enden könnte, wird emotional verstärkt.

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Aus dem Archiv: Premiere von «The Day after Tomorrow»
Aus 10 vor 10 vom 28.05.2004.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 32 Sekunden.

Überleben nach der Katastrophe

Moderne Klassiker mit Charlton Heston wie «The Omega Man» von 1971 oder «Planet of the Apes» von 1968 sind allerdings vorwiegend postapokalyptisch, sie spielen nach der Katastrophe in einer Welt, in der das Überleben nur noch wenigen Kämpfernaturen gelingt.

Affen als Krieger verkleidet im Film Planet der Affen.
Legende: Postapokalyptischer Klassiker mit Fortsetzungen: «Planet of the Apes» von 1968. 20TH CENTURY FOX

Dass diese postapokalyptischen Filme deutlich zahl- und variantenreicher sind als die Untergangsszenarien, liegt nicht zuletzt daran, dass sie, wenn sie nicht gerade in Städten spielen, relativ günstig zu inszenieren sind.

In der Wüste und im Wald

So spielen die genre-definierenden «Mad Max»-Filme vorwiegend in der Wüste, «Hell» (2011) vom Schweizer Tim Fehlbaum im postapokalyptisch-sonnengebleichten, sprich: überbelichteten Mitteleuropa. Und all die vielen Zombie-Filme bis zur Erfolgsserie «The Walking Dead» vorwiegend in der Landschaft und im Wald.

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Aus dem Archiv: Premiere von Tim Fehlbaums Debütfilm «Hell»
Aus Glanz & Gloria vom 19.10.2011.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten.

Dabei sind gerade die Zombie-Filme näher an der biblischen Apokalypse als fast alle anderen einschlägigen Kino-Katastrophen. Entsprechen doch die lebenden Leichen dem Bild des jüngsten Gerichts der Johannes-Apokalypse, wo die Toten aus den Gräbern steigen, um gerichtet zu werden.

Diffuse Ängste bedienen

Dennoch beruft sich das Kino nur selten direkt auf die Bibel, wenn man von den vor allem in den USA beliebten einschlägigen Filmen absieht. Es genügt schliesslich, die von Religionen und Kirchen über Jahrhunderte aufgebauten Drohkulissen abzurufen, um gezielt diffuse Ängste zu bedienen.

Horrorfilme wie «The Exorcist» oder «The Omen» tun das explizit, mit der Beschwörung der Hölle und des Teufels.

Kriegsszene aus einem Film mit Booten, Explosion und Rauch in der Nacht.
Legende: Trägt den Weltuntergang im Titel: Francis Ford Coppolas Vietnam-Kriegsdrama «Apocalypse Now» von 1979. IMAGO / Allstar

Herr über Leben und Tod

Doch in den meisten apokalyptischen und postapokalyptischen Filmen finden sich die religionsgeprägten Figuren eher verklausuliert. Als messianische Retter-Typen, die sich für die Restmenschheit opfern. Oder als bedrohliche Sektenprediger, welche die Vernunft der wenigen Überlebenden in finstere Verschwörungskanäle zerren.

Und dann gibt es noch die kombinierten Varianten, in denen sich Menschen frevelhaft zu Göttern machen. Zwei von denen tragen die Apokalypse gar im Titel: Mel Gibsons mesoamerikanisches, blutiges Maya-Spektakel «Apocalypto» von 2006. Und Francis Ford Coppolas Vietnam-Kriegsdrama «Apocalypse Now» von 1979.

Im Coppola-Klassiker hat sich Colonel Kurtz (Marlon Brando) im Dschungelwahnsinn zum gottgleichen Herrn über Leben und Tod aufgeschwungen – und muss nun vom zögerlich messianischen Willard (Martin Sheen) getötet werden.

Gerade weil das Kino sich so gut eignet, um Welten zu erschaffen, ist es auch perfekt darin, sie zu zerstören.

Kinostart «Moonfall»: 3.02.2022

Die erwähnten Weltuntergangsfilme

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Legende: «Moonfall»: Der neuste Katastrophen-Opus von Roland Emmerich. Ascot Elite Entertainment Group

Radio SRF 2 Kultur, Perspektiven, 30.1.2022, 8:30 Uhr

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