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Der Stand der Dinge bei der Genom-Editierung
Aus Wissenschaftsmagazin vom 11.12.2019.
abspielen. Laufzeit 08:28 Minuten.
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Diskussion um Genom-Editierung «Es spricht einiges dafür, dass es Designerbabys nie geben wird»

Die Forschungswelt ist eine andere, seit es die Genschere Crispr und die Genom-Editierung gibt. Selbst der Eingriff ins Erbgut von ungeborenem Leben ist technisch gesehen ein gutes Stück näher gerückt.

Solche Eingriffe sorgen unter Forschenden für hitzige Diskussionen. Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel war in London bei einem Treffen, wo sich SpitzenforscherInnen auf diesem Gebiet ausgetauscht haben.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsjournalistin bei SRF. Sie ist Biologin und spürt gerne den Fragen nach, die der wissenschaftliche Fortschritt unserer Gesellschaft stellt.

SRF: Wie wurden an diesem Kongress zur Genom-Editierung, Link öffnet in einem neuen Fenster die manipulierten Zwillinge des umstrittenen Forschers He Jiankui beurteilt?

Das Urteil fällt einhellig aus: Dieser Eingriff war unverantwortlich und keine Forschenden sollten diesem Beispiel folgen.

Ein Londoner Forscher sagte, man könne He Jiankui aber auch dankbar sein. Weil so vielleicht anderen Forschenden der Druck genommen wurde. Keiner kann nun mehr der Erste sein – und wer aus Ehrgeiz vorpreschen will, hat einen Anreiz weniger.

Worüber wurde sonst noch diskutiert?

Es wurde auch diskutiert, ob es denn überhaupt Genom-Editierung brauche, um genetisch bedingte Krankheiten aus dem Erbgut zu löschen.

Was wäre die Alternative?

Bei vielen Krankheiten weiss man, wo der Fehler im Erbgut sitzt. Da leuchtet die Idee ein, den Gen-Fehler durch einen Eingriff am Embryo zu beheben.

Fortpflanzungsmediziner argumentieren jedoch, dass fast immer die Mittel der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausreichen. Ein Elternpaar mit einer genetischen Krankheit, das Kinder zeugen will, kann im Reagenzglas Embryonen erzeugen. Diese werden genetisch getestet, der Frau werden dann nur die gesunden einsetzt. Was genau Genom-Editierung darüber hinaus leisten kann, blieb relativ offen.

Je nach dem, wann man eingreift, kann das Ergebnis völlig anders ausfallen.

Wie sicher ist die Technik der Genom-Editierung heute?

Das war die zweite wichtige Diskussion: Welche wissenschaftlichen Fragen müssen noch geklärt werden, damit man guten Gewissens ins Erbgut von Embryonen eingreifen kann? Also möglichst ohne Risiko für die Kinder, die aus den manipulierten Embryos entstehen.

Da ist noch vieles offen. Etwa, wann der beste Zeitpunkt ist, um die Genschere anzusetzen. Bei den Zellen eines Embryo ist ja unglaublich viel los, sie teilen sich schnell. Je nach dem, wann man eingreift, kann das Ergebnis völlig anders ausfallen.

Es kann etwa passieren, dass nur ein paar Zellen editiert werden und andere nicht. Dann entsteht ein ziemlich zufälliges Mosaik aus veränderten und nicht veränderten Zellen.

Was ist Genom-Editierung?

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Genom-Editierung oder Genomchirurgie (Englisch: Genome Editing) ist ein Sammelbegriff für molekularbiologische Techniken zur zielgerichteten Veränderung von DNA. Dabei kann das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen verändert werden, indem die DNA an einer bestimmten Stelle durchtrennt wird. Forscher können so Gene ausschalten oder an der Schnittstelle neue Abschnitte einfügen. Auf diese Weise lässt sich das Erbgut sehr viel einfacher und schneller verändern als bisher.

Man liest immer wieder, dass Genscheren gar nicht schneiden, wo sie schneiden sollten.

Das nennt man «Off Target»-Effekt. Das wird am Ende aber nicht das grösste Problem sein. Sondern Dinge, die sich heute noch gar keiner ausmalt. Die Forschungsgemeinschaft macht darum erst mal langsam.

Lässt sich abschätzen, welche Folgen der Eingriff ins Erbgut von Embryonen für die Betroffenen haben könnte?

Das ist nicht leicht abzuschätzen. Ein Genetik-Experte aus dem Sudan argumentierte, dass man am Ende Genom-Editierung einfach machen muss. Nur so finden wir raus, wohin es führt. Er war überzeugt, dass das auch passieren wird, weil der Mensch Werkzeuge nutzt, die er hat.

Viele befürchten, dass es bald nicht mehr nur um Krankheiten geht, sondern das menschliche Genom auch in Richtung Intelligenz, Sportlichkeit oder Augenfarbe verändert wird. Eine berechtigte Sorge?

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht einiges dafür, dass es so etwas wie Designerbabys nie geben wird. Denn gerade bei den genannten Eigenschaften ist es nicht so einfach, wie bei den genetischen Krankheiten, bei denen man weiss, wo der Fehler im Erbgut steckt.

Das Gespräch führte Christian von Burg.

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