Früh entwickelte sie das erste wissenschaftliche Wolkenmodell und prägte mit Herbert Riehl die Hot‑Tower‑Hypothese: mächtige Gewittertürme in den Tropen wirken wie Motoren und liefern Energie für Passatwinde und die grossräumige Luftzirkulation. Auch die Hurrikan-Forschung prägte sie massgeblich. Später wechselte sie zur NASA. Dort half sie unter anderem, Tropenregen und Wolken vom All aus zu messen.
Ihre wichtige Rolle in der Forschung zeigt sich auch in Auszeichnungen: Sie erhielt die höchste Ehrung der Amerikanischen Meteorologischen Gesellschaft, die Carl‑Gustaf‑Rossby‑Medaille und wurde Mitglied der National «Academy of Engineering».
Schweizer Pionierin – ein Jahr früher
Charlotte Urfer‑Henneberger promovierte bereits am 11. Mai 1948 an der Universität Basel in Meteorologie, also ein Jahr vor Simpson. Sie gilt als die erste Schweizer Meteorologin. Sie arbeitete bei der damaligen Meteorologischen Zentralanstalt und an der Flugwetterwarte Genf. Doch dann kam die Bremse: Damals durfte die Bundesverwaltung verheiratete Frauen nicht weiter anstellen. So verlor sie 1950 durch die Heirat ihre Stelle.
Sie forschte später weiter, unter anderem am Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, über Temperatur und Wind im Dischmatal bei Davos und beschäftigte sich später intensiv mit langjährigen Messreihen der Temperaturen und der Sonnenscheindauer in Basel. Ihre Arbeiten werden bis heute zitiert.
Der lange Weg zur Sichtbarkeit
Der Blick in die Geschichte unterstreicht, wie selten solche Karrieren lange waren: In der Meteorologischen Zeitschrift waren zwischen 1909 und 1928 nur rund zwei Prozent der Autorennamen weiblich. Erst ab den 1970er‑Jahren stiegen die Absolventinnenzahlen merklich. Und auch wenn sich die Unterschiede immer mehr ausgleichen, auch heute sind Meteorologinnen in Wetterbüros häufig noch in der Unterzahl.