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Gewitter im Klimawandel Superzellen werden häufiger und intensiver

Superzellen sind die gefährlichsten Gewittertypen und treten in Europa häufiger auf, als bisher angenommen. Eine neue Studie liefert erstmals eine europaweite Klimatologie davon und zeigt, wie sich diese Stürme im Klimawandel verändern. Wir haben mit einer der beiden Hauptautor:innen der Studie, Monika Feldmann gesprochen.

Monika Feldmann

Klimaforscherin

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Dr. Monika Feldmann arbeitet in der Klimafolgenforschung am Geographischen Institut und Oeschger Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern. Ihre Forschung konzentriert sich auf schwere Gewitter – von kurzfristigen Warnsystemen bis hin zu langfristigen Klimaprojektionen.

SRF Meteo: Frau Feldmann, Sie haben zusammen mit Forschenden der Universität Bern und ETH Zürich erstmals eine europaweite Superzellen-Klimatologie erstellt. Was hat Sie überrascht?

Monika Feldmann: Mit rund 700 Superzellen pro Jahr im Modell sind diese Gewitter zwar lokal gesehen ein Extremereignis, aber auf europäischer Ebene keine Seltenheit. Die grösste Häufung findet sich an den Nord- und Südhängen der Alpen – in der Schweiz, Österreich und Italien. Weitere Ballungszentren liegen in Bergregionen wie dem französischen Massif Central oder dem deutschen Schwarzwald.

Dramatische Sturmwolken über einem See.
Legende: Superzellen sind besonders heftige und langlebige Gewitter, die sich durch einen rotierenden Aufwind auszeichnen. Sie bringen häufig hohe Blitzintensitäten, intensiven Regen, grossen Hagel, starke Windböen und in seltenen Fällen auch Tornados mit sich. Gary Soskin

Die Schweiz liegt also mitten im Hotspot?

Genau. Mit den Häufungen auf beiden Seiten der Alpen ist die Schweiz direkt betroffen – besonders das Tessin. Berge und Seen, wie man sie dort findet, können durch Feuchtigkeit und lokale Windsysteme starke Gewitter begünstigen.

Was passiert mit Superzellen, wenn sich das Klima weiter erwärmt?

Im Modell zeigt sich bei einer Erwärmung von 3 Grad gerade über dem Alpenraum die stärkste Zunahme – am Alpennordhang etwa 50 % mehr Superzellen als heute. Gleichzeitig verschiebt sich die Aktivität: Über der Iberischen Halbinsel nehmen Superzellen ab, weil die Atmosphäre dort trockener wird. Dafür steigt die Häufigkeit in Osteuropa und über dem Baltikum. Insgesamt ergibt sich eine Zunahme von 11 % europaweit – getrieben durch höhere Temperaturen, ausreichend Feuchtigkeit und stärkere Windscherung.

Geografische Karte mit roten und blauen Bereichen und einer Legende für jährliche Frequenzänderung.
Legende: Europaweit mehr Superzellen Die Modelle zeigen bei drei Grad Erwärmung eine Zunahme der Häufigkeit und eine Verschiebung Richtung Nordosteuropa und höhere Lagen. Dargestellt ist die Differenz zur heutigen Häufigkeit, mit regionaler Signifikanz (oben links, rot = Zunahme, blau = Abnahme). Feldmann et al., 2025

Werden die Superzellen auch gefährlicher?

Nicht nur die Häufigkeit nimmt zu, sondern auch die Intensität – besonders beim Niederschlag. Sowohl die Niederschlagsfläche als auch die Regenmenge und die erwartete Hagelkorngrösse nehmen zu. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit halten, was ein zentraler Grund für die Zunahme an Starkniederschlägen ist.

Was bedeutet das für die Wetterprognosen in der Schweiz?

Die Schweiz ist bereits heute ein Hotspot für Superzellen und wird es auch bleiben. Auch wenn sie lokal selten auftreten, ist es wichtig, bei der Prognose genau hinzuschauen: Wenn die Bedingungen stimmen, steigt die Wahrscheinlichkeit für besonders gefährliche Stürme.

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SRF 4 News, 28.8.25, 8:24 Uhr ; 

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