Kondensstreifen sind immer wieder Teil von Verschwörungstheorien. Dabei ist die Rede von Chemtrails (engl. chemical trails). Es heisst, Chemtrails würden absichtlich versprüht, etwa um das Wetter zu manipulieren oder die Menschheit zu kontrollieren. Für die Entstehung der Kondensstreifen gibt es eine weitaus weniger aufregende Erklärung: die Physik.
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Bild 1 von 4. Kondensstreifen können den Himmel eintrüben. Bildquelle: Richard Pichler.
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Bild 2 von 4. Ob die Pilotin hier wohl etwas getrunken hat? Bildquelle: Sandra Waldispühl.
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Bild 3 von 4. Kondensstreifen verstärken Sonnenauf- und untergänge. Bildquelle: Margrit Berger.
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Bild 4 von 4. Durchaus ein Fotosujet, wenn da nicht die Auswirkung aufs Klima wären. Bildquelle: Monika Aerni.
In der Höhe, in der Flugzeuge unterwegs sind, ist es kalt. Die Temperaturen liegen zwischen -30 und -60 Grad. Weil die Luft relativ sauber ist, hat es kaum Dreckpartikel. In den Triebwerken der Flugzeuge werden beim Verbrennungsprozess neben Wasserdampf unter anderem auch Russpartikel ausgestossen.
Der Wasserdampf in der Umgebungsluft kann an diesen Russpartikeln kondensieren und es bilden sich Wassertröpfchen. Wegen der Kälte gefrieren die Wassertröpfchen sofort zu Eiskristallen - ein Kondensstreifen ist geboren. Nicht immer bilden sich hinter dem Flugzeug Kondensstreifen. Dafür muss die Luft genügend feucht sein.
Von Kurzaufenthalt bis langlebig
Wie lange ein Kondensstreifen am Himmel bleibt, hängt primär von der Temperatur und der Feuchtigkeit ab. Ist die Luft kalt und feucht, verweilen die Kondensstreifen lange. Ist die Luft hingegen «warm» und trocken, lösen sich die Kondensstreifen rasch auf. Sie sublimieren - werden also direkt zu Wasserdampf. Wenn die Kondensstreifen lange am Himmel bleiben, werden sie als Cirrus Homogenitus bezeichnet – also durch menschliche Aktivitäten verursachte Eiswolken.
Wenn die Kondensstreifen lange am Himmel verweilen, können sie sich ausbreiten und zu Schleierwolken werden. Starke Winde in der Höhe können die Kondensstreifen verwehen und so den Himmel trüben.
Kondensstreifen belasten das Klima
Der Flugverkehr trägt zum globalen Klimawandel bei. Die Kondensstreifen machen dabei aktuell den grössten Teil der Erwärmung des Flugverkehrs aus. Die Kondensstreifen und die daraus entstehenden Schleierwolken nehmen die von der Erde abgestrahlte Wärme auf und strahlen einen Teil davon zum Erdboden zurück. Wie alle Arten von Eiswolken haben sie einen erwärmenden Effekt auf unser Klima. Zwar reflektieren sie auch einen kleinen Teil des Sonnenlichts – das wirkt kühlend. Aber dieser Effekt ist geringer. Langfristig gesehen überwiegt aber der erwärmende Effekt des ausgestossenen CO2.
Es gibt Möglichkeiten, die Auswirkungen der Kondensstreifen zu minimieren, etwa durch Anpassung der Flughöhe. Verändert man die Höhe der Flugzeuge leicht, können Gebiete mit feuchter Luft vermieden werden. Dann bilden sich weniger Kondensstreifen. Ebenso können nachhaltige Kraftstoffe die Anzahl Kondensstreifen reduzieren.
Keine neue Erscheinung, aber sie sind zahlreicher
Oftmals hört man, dass es früher keine oder kaum Kondensstreifen gegeben hat. Kondensstreifen gibt es, seit es Flugzeuge gibt. Dies belegen etwa Bilder alliierter Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Kondensstreifen sind seit damals aber häufiger geworden. Gründe gibt es mehrere: Der Flugverkehr hat in den letzten Jahrzehnten sehr stark zugenommen. Moderne Flugzeuge fliegen in grösserer Höhe. Dort ist die Luft kälter und kann entsprechend schneller kondensieren. Ebenso begünstigen effizientere Triebwerke die Entstehung von Kondensstreifen.