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Wetterwissen Warum es erst nach dem kürzesten Tag am kältesten wird

Die Sonne steigt seit Ende Dezember wieder höher. Dennoch ist es im Mittelland meist erst in der zweiten Januarhälfte am kältesten. Der Grund: Die Temperatur reagiert träge auf den Sonnenstand.

Träge Böden, träge Meere

Luft, Boden und insbesondere Wasser reagieren nur langsam auf Veränderungen der Sonneneinstrahlung. Im Herbst und frühen Winter geben Erdoberfläche, Seen und Meere die zuvor gespeicherte Wärme schrittweise wieder ab. Erst wenn diese Wärmereserven weitgehend aufgebraucht sind, kann sich die Luft deutlich stärker abkühlen.

Einen grossen Einfluss auf die Lufttemperatur haben die Ozeane. Im Sommer speichern sie einen Teil der Sonnenenergie und geben diese im Herbst und Winter allmählich wieder an die Atmosphäre ab. Die grossräumige Zirkulation transportiert die über den Meeren gespeicherte Wärme weiter. Da auch bei uns ein grosser Teil der Luft vom Atlantik kommt, wird so noch länger milde Luft zu uns transportiert.

In den Bergen wird es oft später am kältesten

In grösseren Höhenlagen verschiebt sich die kälteste Phase des Winters oft weiter nach hinten. Auf Bergstationen werden die tiefsten Durchschnittstemperaturen häufig erst im Februar oder Anfang März gemessen.

Schneebedeckter Säntis
Legende: Auf dem Säntis steht die kälteste Jahreszeit erst noch bevor. Peter Eicher

Ein Hauptgrund ist die durchgehende Schneedecke. Sie reflektiert einen grossen Teil der Sonneneinstrahlung, sodass selbst der steigende Sonnenstand kaum zu einer Erwärmung führt. Zudem liegen Bergstationen oft über der bodennahen Kaltluft und sind weniger von Inversionslagen betroffen. Die Abkühlung verläuft in der Höhe daher langsamer, aber anhaltender, sodass die kälteste Zeit dort meist später erreicht wird als im Mittelland.

Gleiches Prinzip im Sommer – nur umgekehrt

Das Hinterherhinken der Temperatur zeigt sich auch im Sommer. Obwohl die Sonne Ende Juni ihren höchsten Stand erreicht, werden die höchsten Temperaturen statistisch erst Ende Juli oder Anfang August gemessen. Der Jahresgang der Temperatur folgt also nicht direkt der Sonne, sondern der langsamen Erwärmung und Abkühlung von Erde und Wasser.

Wie stark speichern Materialien Wärme?

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Die Wärmekapazität beschreibt, wie viel Energie ein Material aufnehmen oder abgeben muss, damit sich seine Temperatur um ein Grad ändert.

Ungefähre Wärmekapazitäten (spezifisch, J/(kg*K)):

  • Wasser: sehr hoch (etwa 4.200)
  • Feuchter Boden: hoch (1.500 bis 2.500)
  • Trockener Boden / Fels: mittel (800 bis 1.000)
  • Luft: niedrig – (etwa 1.000)

Meteostory, 21.01.2026, 9:40, SRF3

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