Zum Inhalt springen

Header

Abstimmungssonntag: Ja zur Revision des Jagdgesetzes
Aus Tagesschau vom 27.09.2020.
Inhalt

Umgang mit dem Wolf Das Stimmvolk schiesst das Jagdgesetz ab

Der Wolfsschutz in der Schweiz wird nicht gelockert. Die Stimmbevölkerung hat die Revision des Jagdgesetzes abgelehnt.

Jagdgesetz

Eidg. Vorlage: Änderung des Jagdgesetzes

 

  • JA

    48.1%

    1'530'811 Stimmen

  • NEIN

    51.9%

    1'653'873 Stimmen

  • Das Jagdgesetz wird mit 51.9 Prozent abgelehnt.
  • Bei den Resultaten zeigte sich ein Graben zwischen Bergkantonen und städtischen und Westschweizer Kantonen.

Von den fünf nationalen Vorlagen, die am Sonntag zur Abstimmung kamen, war das revidierte Jagdgesetz im Vorfeld des Abstimmungskampfs wohl die umstrittenste. Es ging sehr lange, bis überhaupt eine Aussage zum Ausgang der Abstimmung gemacht werden konnte. Doch am Ende war klar: Das Jagdgesetz scheitert sehr knapp. Es war das Mittelland und die Westschweiz, die den Ausschlag zum Nein beim Jagdgesetz gaben.

Lukas Golder vom Institut gfs.bern interpretiert das Ergebnis zum Jagdgesetz folgendermassen: «Die Berggebiete und Kantone der Zentralschweiz stimmten für das Jagdgesetz. Das grosse Mittelland zusammen mit der Westschweiz, wo viele Leute wohnen, haben heute den Ausschlag zum Nein gegeben.» Die Wahlbeteiligung beim Jagdgesetz lag bei 59.3 Prozent.

Video
Lukas Golder: «Mittelland und Westschweiz waren gegen Jagdgesetz»
Aus News-Clip vom 27.09.2020.
abspielen

Präventive Abschüsse

Insgesamt haben also die Argumente von Links-Grün und den Tier- und Umweltverbänden, die gegen die Vorlage das Referendum ergriffen hatten, im Abstimmungskampf mehr überzeugt. Da war immer wieder – und auch am Wahlsonntag – von einem «Abschussgesetz für den Wolf» die Rede, von «einem missratenen Gesetz, das Wildtiere bedrängt».

Es waren vor allem die neu erlaubten präventiven Abschüsse von einzelnen Wölfen sowie die vorgesehene legitimierte Regulierung von Wolfsrudeln, die die Gemüter der Gegner erhitzten. Es sei ein Widerspruch, ein geschütztes Tier zu töten, ohne dass es jeglichen Schaden angerichtet habe, lautete der Tenor. So mache das revidierte Jagdgesetz Abschüsse «auf Vorrat» möglich.

Gegner befürchteten weniger Artenvielfalt

Die Gegner sahen in dem neuen Jagdgesetz aber nicht nur den Wolf gefährdet, sondern auch andere geschützte Tierarten. So ging im Abstimmungskampf fast schon unter, dass die Regulierungsregeln nicht nur für den Wolf, sondern auch für den Steinbock gelten sollten.

Umweltschützer warnten, dass schon bald auch der Biber oder der Luchs auf dieser Abschussliste stehen könnten. Dabei wurde auf einen Gesetzesartikel verwiesen, der festhält, dass der Bundesrat ohne die Zustimmung des Parlaments oder des Volks weitere geschützte Tierarten als regulierbar erklären kann. Der Bundesrat dementierte solche Pläne. Die Gegner zogen das Fazit: «Was die Revision tatsächlich mit sich bringt, ist weniger Artenschutz.»

Das alte Gesetz ist das neue

Mit dem Nein zum revidierten Jagdgesetz bleibt das Gesetz von 1986 in Kraft. Die Gegner kündigten schon vor der Abstimmung an, dass nach der Ablehnung bald die Arbeiten an einer neuen Vorlage begonnen werden sollen, um ein Gesetz zu haben, das dem Artenschutz tatsächlich gerecht werde.

Keine Angst vor dem Wolf – in den Städten

Box aufklappenBox zuklappen

Einschätzung von Bundeshaus-Redaktor Curdin Vincenz:

Das knappe Nein des Volkes zum Jagdgesetz ist eine Niederlage für den Bundesrat und die bürgerlichen Parteien. Ihnen ist es nicht gelungen, einer Mehrheit klar zu machen, dass es schärfere Massnahmen gegen den Wolf braucht und dass die Kantone früher eingreifen können sollten. Und auch das Argument der Gegner, was mit dem neuen Gesetz dem Wolf blühe, könnte bald auch für andere geschützte Tiere, wie Luchs, Bieber oder Graureiher gelten, konnten sie nicht ausräumen.

Ausgeprägt zeigt sich bei den Ergebnissen ein Graben zwischen Stadt und Land, zwischen Berg und Tal. Ganz offensichtlich fehlt vielen Städtern das Verständnis für die Sorgen und Klagen des Schafzüchters im Wallis oder in Graubünden. Nicht zum ersten Mal zeigen sich hier zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Bergregionen: Jene der Städter, die dort möglichst intakte Natur suchen und jene der Einheimischen, die befürchten, die sogenannten Unterländer wollten aus ihre Heimat einen Naturpark machen.

Die knappen Sieger von heute, Umweltverbände, Grüne und SP, stehen aber auch in der Pflicht. Sie haben im Abstimmungskampf beteuert, sie wüssten, dass der Wolf auch Probleme machen könne. Einem aus ihrer Sicht vernünftigen neuen Jagdgesetz stünden sie darum nicht im Weg. Damit der Streit um den Wolf nicht noch lange weiter geht, sollten sie jetzt dafür Hand bieten.

Abstimmungsstudio, 27.09.2020, 12 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von J.E. Michel  (Assisi)
    Warum wird immer "nur" von der Wolfproblematik geschrieben? Beim neuen Jagdgesetz wäre ja auch die schreckliche Fuchsbaujagd erlaubt geblieben! Ich bin überzeugt, dass das für viele Abstimmende mit ein Grund war, ein Nein in die Urne zu legen.
  • Kommentar von Peter Aebli  (Peter Aebli)
    Ist ja ok, dass das Jagdgesetz bleibt wie es ist, auch wenn das neue ein paar gute Elemente hatte, aber die Wolfsjäger haben es vermasselt. Ich frage mich ohnehin, wozu ein Gesetz, denn die Walliser halten sich ja eh nicht daran...
    Das Nein freut mich für die Gemeinden, die als billige Propaganda Wanderwege wegen Wolfsgefahr gesperrt haben. Wieviele Menschen wurden in der Schweiz von Wölfen verletzt oder nur bedroht? Hingegen, wieviele Wanderer wurden von Kühen verletzt oder gar getötet?
  • Kommentar von Matthias Rey  (matthiasrey)
    Interessant: Kein Kanton, wo die Menschen schon Wölfe oder zumindest ihre Auswirkungen erlebt (Präsenz bellender Hirtenhunde) und gesehen (schwerverletzte zuckende Schafe) haben, hat gegen das neue Gesetz gestimmt. Das Jahrhunderte alte Subsidiaritätsprinzip, das unserem Land ein friedliches Zusammenleben ermöglicht hat, wird jetzt beendet.