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«Nicht alle wollen oder können sich Bio-Produkte leisten»
Aus Rendez-vous vom 17.05.2021.
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Bauer und Lobbyist Markus Ritter: der Bio-Bauer, der die Agrar-Initiativen bekämpft

Bei den anstehenden Abstimmungen über die beiden Agrar-Initiativen steht Markus Ritter im Zentrum der Debatte. Viele irritiert sein Engagement gegen die Initiativen. Er sieht es als selbstverständlich, dass er als Bio-Bauer den Markt vertritt.

Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes und Mitte-Nationalrat aus St. Gallen, empfängt in seinem Wohnhaus in Altstätten, am Hang über dem St. Galler Rheintal, ganz im Osten des Landes. «Das Haus steht unter kantonalem Denkmalschutz», sagt Ritter. Die Geschichte des Hauses erzählend, zeigt er auf das weitläufige Rheintal und die Alpen im Hintergrund und kommt so auf seine Arbeit als Bauernpräsident zu reden.

Er sei nicht der, der operativ tätig sei, sondern der überlegen müsse, «wohin des Weges». Jeden Tag gebe es etwas Neues. Das tue gut. «Wenn man in einem Metallkessel wäre, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Du musst irgendwo einen Weitblick haben», sagt Ritter.

Schwierigkeiten gehören dazu

Der Bio-Bauer ist 54 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne. Er denke immer vom Ziel her retour. Das sei wichtig. Und auch, dass man mit Schwierigkeiten rechne. «Wenn man ein Stratege sein will, dann gehören Schwierigkeiten und unvorhergesehene Ereignisse dazu.»

Schwierigkeiten gibt es in der Landwirtschaft manche, so geben pro Jahr mehrere hundert Bauernfamilien ihren Betrieb auf: «Darum kämpfe ich auch wie ein Löwe, dass die Bäuerinnen und Bauern wirklich auch sehen, dass wir gemeinsam etwas erreichen wollen und dass es Perspektiven gibt, dass wir eine Zukunft haben in der Landwirtschaft.» Das treibe ihn an. Sein Engagement wird wahrgenommen: Er bekomme viele Zuschriften von Bauernfamilien. «Das ist schon sehr motivierend.»

Darum kämpfe ich auch wie ein Löwe, dass die Bäuerinnen und Bauern sehen, dass wir gemeinsam etwas erreichen wollen.
Autor: Markus RitterPräsident des Bauernverbandes und Nationalrat (Mitte/SG)

«Ich habe zu den Grünen gesagt, nicht einmal eure Leute kaufen alle Bio-Produkte, geschweige von den Grünliberalen oder von der SP.» Er verstehe, dass sich das nicht alle leisten wollen oder können. «Aber was nicht geht, ist eine Politik zu machen, die an den Marktrealitäten vorbeizieht.»

Schwieriges Verhältnis mit Umweltverbänden

Der Bio-Bauer als Verfechter des Marktes: für viele ein Widerspruch, für Ritter eine Selbstverständlichkeit. Dazu gehört aber auch, dass sein Verhältnis zu den Umweltverbänden in einer Krise steckt: «Das ist sogar vergiftet zurzeit», sagt der Bio-Bauer. Mit der Kampagne – «Agrar-Lobby stoppen» – würden sie einen Millionenbetrag aufwerfen, um die Schweizer Landwirtschaft, den Bauernverband und die Führungskräfte zu diskreditieren. «Das können wir so einfach nicht akzeptieren.»

Das können wir so einfach nicht akzeptieren.
Autor: Markus RitterPräsident des Bauernverbandes und Nationalrat (Mitte/SG)

Die Umweltverbände wollten mit der Kampagne gegen die Agrar-Lobby und den Bauernverband den Boden ebnen für eine ökologischere Agrarpolitik. Ritter erwidert, die Kampagne hätte das Gegenteil bewirkt und die Bauernfamilien mobilisiert wie nie zuvor – gegen die Umweltverbände und die anstehenden Agrar-Initiativen – mit Ritter an vorderster Front.

«Es ist sicher die Triebfeder, dass ich etwas tun kann für unsere Bauernfamilien.» Aber ganz glücklich sei er zu Hause: «Bauer zu sein hier in Altstetten, am Hang oben, mit dieser Aussicht, mit unseren Tieren, mit den Bienen, mit den Obstbäumen, das ist eigentlich meine Leidenschaft.»

Ausblick aus einem Garten über das St. Galler Rheintal und die Alpen in der Ferne.
Legende: Bio-Bauer Markus Ritter nutzt den Ausblick und den Blick in die Ferne, um nachzudenken. SRF

Rendez-vous, 17.05.2021, 12:30 Uhr

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275 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Erni  (meno)
    Diese Runde geht wohl – wieder einmal – an die Bauernlobby. Aber je länger diese nur noch auf Machtpolitik setzt, desto schneller wird sich das ändern…
  • Kommentar von Andreas Grünkraut  (Grünkraut)
    Ich zahle wenig für momentane Lebensmittel. Dabei kosten uns die folgen von Massentierhaltungen, Antibiotika und Pestiziden unsere Anbauflächen, unsere Wildtiere und teilweise gar unsere Gesundheit. Dies fehlt schlicht im Preis, momentan zahlt dafür einfach die Umwelt oder das Volk.

    Dass dieses System so nicht lange weiter funktionieren kann sollte auf der Hand liegen.

    Ich möchte, dass die Umwelt geschont wird und wir mehr für unsere Lebensmittel zahlen, dafür sparen wir an anderen Stellen
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Ritter redet immer von der Versorgungssicherheit. In Krisen könnten wir vom Ausland also nicht mehr mit genügend Lebensmitteln versorgt werden. Glaubt er wirklich, dass wir dann aber immer noch Herbizide, Pestizide, Kunstdünger, Sojakraftfutter, Traktoren, Diesel etc. erhalten? Biolandwirtschaft ist der sicherste Weg zur Versorgungssicherheit, auch wenn eine 100%ige Selbstversorgung so oder so eine Illusion ist und bleibt.
    1. Antwort von Domi Becker  (die etwas andere Sichtweise)
      Bravo, Frau Esslinger. Ritter demaskiert sich selbst. 2' über seine Argumente nachgedacht und er entwaffnet sich selber. Sich und die Agrarlobby, die hinter ihm steht.
      Bei 50% Wegwerfen und verbreitetem Uebergewicht kann man schon noch reduzieren, bevor's eng wird. Aber wenn's eng wird mit dem Wasser, dann ist sehr schnell Ende!
      Bei der Deponie Kölliken hat nicht viel gefehlt und wir hätten den Grundwasserstrom der Aare auf lange komplett vergiftet. Soll sich das wiederholen?
    2. Antwort von Marco Leuthold  (Freiwirtschafter)
      Schwaches Argument von ihnen, denn auch Biobauern brauchen Diesel, Traktoren und Landmaschinen aus dem Ausland, pro kg Ertrag noch mehr als im intensiven Anbau, da sie mehrere Striegelgänge anstatt eine Herbizidspritzung machen müssen, konventionell kann mit Treibstoffsparender Direktsaat angebaut werden, im Biolandbau brauchts Pflug und Egge. Für Stickstoffdünger gibt's Pflichtlager, Mit den Pestiziden die in einem Frachtflugzeug Platz finden kann ein ganzer Güterzug Getreide angebaut werden.