Zum Inhalt springen

Header

Video
Risikozone Spital
Aus Rundschau vom 10.11.2021.
abspielen
Inhalt

Pflege am Limit Risikozone Spital: Pflegende schlagen Alarm

Die Corona-Zahlen steigen wieder, die fünfte Welle rollt an. Was die Pandemie für den Spitalbetrieb bedeutet, hat die «Rundschau» die letzten Wochen recherchiert. Wir sprachen im Vertrauen mit mehr als 20 Pflegenden, Sanitäterinnen und Ärzten in acht Deutschschweizer Spitälern.

Legende: Überlastung als Risiko: Pflegende demonstrieren für die Pflege-Initiative. SRF

In E-Mails aus früheren Corona-Wellen wird die Realität ungeschönt sichtbar: «Auch wenn es uns gegen den Strich geht, schlecht gepflegte Patienten abzugeben – es geht aktuell nur noch darum, dass möglichst viele Menschen überleben», weist die Leitung die Pflegenden an. In einem anderen Spital geht man noch weiter: Wegen fehlendem Personal sollen die Pflegenden alle «Aufgaben reduzieren, welche den Patienten kurzfristig nicht gefährden».

Fehlende Kontrollen, gefährliche Fehler

Das sei ein Betrieb «wie im Kriegsgebiet», erzählt eine Pflegende während der vierten Welle. Die Spitäler hätten zu wenig Personal und weil Corona Isolationen nötig mache, sei das schnelle Wechseln von einer Station auf die andere unmöglich. Ein Beispiel: In einer Nacht seien alle zusammengekommen, um eine Covidpatientin zu drehen – in voller Schutzkleidung. Genau in dem Moment sei bei einem Beatmungsgerät ein Alarm losgegangen: «Du hörst, es alarmiert irgendwo. Und niemand ist da. Niemand guckt nach den anderen Patienten. Wenn jemand gestorben wäre: Ich hätte es nicht halten können.»

Pflegende berichten, dass sie Kontrollen weglassen müssten. So werde das 4-Augen-Prinzip oft missachtet – wegen Zeitdruck oder weil keine zweite Person anwesend sei, die über die nötige Ausbildung verfüge. Und sie erzählen von Fehlern: Ein Patient erhielt Blutverdünner statt Schmerzmittel, bei einem anderen merkte während Stunden niemand, dass der Sauerstoff ausgegangen war.

Die Überlastung mache das Personal krank, weshalb noch mehr Personal fehle und die übrigen noch mehr arbeiten müssten. Auf dem Höhepunkt der vierten Welle wurden Betten geschlossen, auch Intensivbetten. Der «Rundschau» liegen Screenshots vom Planungssystem eines grossen Regionalspitals vor. Die Fotos dokumentieren die Schliessung von 13 Betten – inklusive Begründung: «Fehlendes Personal».

Abstimmung während Corona

In dieser Situation wird über die Pflege-Initiative abgestimmt. Für die Initiantinnen steht fest: Klatschen reicht nicht mehr. «Damit wir das Problem in der Pflege lösen können, braucht es bessere Arbeitsbedingungen und genug Pflegende auf allen Schichten. Nur so können wir die Pflegequalität garantieren und schauen, dass die Menschen, die ausgebildet sind, im Beruf bleiben», so die Geschäftsführerin des Verbandes der Pflegenden, Yvonne Ribi.

Video
Yvonne Ribi, Geschäftsführerin Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner: «Um das Problem in der Pflege zu lösen, braucht es bessere Arbeitsbedingungen»
Aus News-Clip vom 09.11.2021.
abspielen

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative zwar ab – den Handlungsbedarf bestreitet aber kaum jemand. Ruth Humbel, Präsidentin der Gesundheitskommission des Nationalrats, hat einen Gegenvorschlag auf Gesetzesstufe ausgehandelt. Er sieht eine Ausbildungsoffensive vor. «Wenn wir mehr in die Ausbildung investieren, wenn mehr Pflegepersonen im Alltag arbeiten, dann gibt es eine Entlastung.» Der Gegenvorschlag sei schneller umsetzbar als die Initiative.

Video
Ruth Humbel, Nationalrätin Die Mitte/AG: «Wir müssen möglichst schnell in die Ausbildungs-Offensive gehen»
Aus News-Clip vom 09.11.2021.
abspielen

Pflege-Initiative oder indirekter Gegenvorschlag: Eine der Lösungen kommt bestimmt. Entschieden wird am 28. November.

SRF Rundschau, 10.11.2021, 20:05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

201 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir bedanken uns für die vielen Kommentare am heutigen Tag und schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle. Es würde uns freuen, wenn Sie auch morgen wieder mitdiskutieren. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von michael beeler  (pace)
    Von mir gibt es ganz klar ein: JA.
    War verschiedentlich auf Pflegepersonal angewiesen und weiss deren Einsatz durchaus zu schätzen! Vielleicht wäre eine Umverteilung in Sachen Gehälter in der Medizin sinnvoll?
    Gelungene OP ist super, aber was danach auf der Station mit den Patienten zu tun ist, das fordert die Pflegenden enorm!
    Ich bin froh, dass meine OPs alle gut verlaufen sind und danke den Ärzten wirklich dafür, aber könnte ihre Arbeit erfolgreich sein ohne Pflegepersonal??
  • Kommentar von Zoltan Doka  (Zoltan Doka)
    Das einzige was die GegnerInnen der Pflegeinitiative stört ist das regulieren der Arbeitsbedingungen. Dies wird mit allerlei Nebelpedarden kaschiert. Aber den GegnerInnen sind Regelungen zu Löhnen etc. ein Gräuel. Das könnte ja die Gewinnmarge beeinträchtigen.
    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Das stimmt mMn nicht. Die Gegnerinnen der Initiative weisen nur darauf hin, dass eine Lohn-Regelung nicht Sache des Bundes ist. Bei der Pflege genau so wenig wie z.B. bei Lehrkräften. Ein Gräuel ist es vielmehr für manche Institutionen, die z.B. AGs sind oder privaten Unternehmen gehören, die einen Betrieb haben wollen, der "sich rechnet". Da ist ein Eintrag in die Verfassung viel zu schwerfällig, um daran etwas zu ändern.
    2. Antwort von Armin Schweigler  (Armin)
      Das ist richtig so aber ohne Personal verlieren alle, nicht nur die Investoren Gewinnmarge darf nicht mit Menschenleben aufgerechnet werden die Privatisierung sollte wieder aufgehoben werden das war ein griff ins Leere. Die meisten Leute in der Schweiz wissen gar nicht was unser Pflegepersonal täglich leistet das soll auch anständig entlöhnt werden
    3. Antwort von Beatrice John  (Bj)
      Die Pflegeinitiative geht nicht von einer detaillierten Lohnregerung des Bundes aus. Ein entsprechender Grundsatz einer angemessenen Entlöhnung könnte zum Beispiel im Arbeitsgetz definiert werden. So schwerfällig dünkt mich dies nicht...
    4. Antwort von Zoltan Doka  (Zoltan Doka)
      Frau Meili.
      Man könnte ja einen AVE GAV mit den Sozialpartner verordnen. Funktiert so schon in diversen Branchen der Schweiz .
    5. Antwort von Zoltan Doka  (Zoltan Doka)
      Frau Meili.
      Man könnte ja einen AVE GAV mit den Sozialpartner verordnen. Funktiert so schon in diversen Branchen der Schweiz .