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Wie beeinflusst Corona die Abstimmung zum Verhüllungsverbot?
Aus Rendez-vous vom 22.01.2021.
abspielen. Laufzeit 04:23 Minuten.
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Abstimmung vom 7. März «Burka-Initiative» im Schein der Maskenpflicht

Fördert die Corona-Maske das Verständnis für verhüllte Gesichter? Die «Burka-Initiative» wird den Schleier bald lüften.

Maskiert gegen das Verhüllungsverbot. Bundesrätin Karin Keller-Sutter war sich diese Woche beim Auftritt gegen die Verhüllungsinitiative der schrägen Symbolik bewusst. «Dass wir hier jetzt alle Maske tragen und ich sogar mit einer Maske spreche, hätte ich vor einem Jahr sicher nicht gedacht», sagte sie. Sie müsse sich immer noch daran gewöhnen, die Mimik des Gegenübers nicht zu sehen.

Noch nicht ganz gewöhnt vielleicht, aber wir alle suchen einen Umgang damit. Mehr noch: Der Kommunikationswissenschaftler Thomas Friemel von der Universität Zürich untersucht die Einstellung der Menschen zu den Corona-Massnahmen.

Ein Gesinnungswandel?

Friemel geht davon aus, dass einige den Masken unterdessen sogar Positives abgewinnen können: «Zumindest bei gewissen Personen dürfte die persönliche Erfahrung mit dem Maskentragen zur Einsicht geführt haben, dass das Verschleiern auch gewisse Vorzüge bietet. Etwa wenn man sich in der Öffentlichkeit gerne etwas abgrenzen oder vielleicht sogar verstecken möchte.»

Tatsächlich zeigen Friemels Zahlen: Seit November ist die Akzeptanz der Masken konstant hoch. Sie liegt bei etwa 90 Prozent. Ob das die Einstellung zu religiös verhüllten Frauen geändert hat, ist eine andere Frage. Friemel bezweifelt einen solchen Gesinnungswandel: «Die Verhüllungsgegner sehen das Verschleiern nicht als individuelle Entscheidung. Sondern wahlweise als Unterdrückung der Frauen oder offensichtlichen, demonstrativen Bruch mit den lokalen Gepflogenheiten.»

Die Verhüllungsgegner sehen das Verschleiern nicht als individuelle Entscheidung.
Autor: Thomas FriemelKommunikationswissenschaftler, Universität Zürich

Verändert die Maskenpflicht die Einstellung doch?

Das sei allerdings eine falsche Annahme, wie die Forschungen des Luzerner Islamwissenschafters Andreas Tunger-Zanetti zeigen. Er hat soeben ein Buch über die Burka-Debatte veröffentlicht.

Fazit: Es gebe in der Schweiz nur rund 30 Frauen mit religiöser Gesichtsverhüllung, und diese hätten sich grossmehrheitlich aus eigener Überzeugung dafür entschieden. Zum Teil hätten sie in den letzten Jahren negative Reaktionen bis hin zu Handgreiflichkeiten zu spüren bekommen. Seit Corona und Maskenpflicht scheine das abzunehmen. Offenbar verändere sich der Blick auf Gesichtsmasken, wenn viele diese immer wieder mal tragen müssten.

Es scheint, dass das regelmässige Tragen von Gesichtsmasken den Blick auf Gesichtsmasken generell verändert.
Autor: Andreas Tunger-ZanettiIslamwissenschafter, Universität Luzern

Unterdessen hätten wir Übung damit, mit jemandem zu kommunizieren, von dem wir nur die Augen sähen, sagt der Islamwissenschafter. Diese Erfahrung werde die Meinungsbildung bei der Verhüllungsabstimmung beeinflussen: «Es macht es wahrscheinlich schwieriger, das Argument zu vertreten, mit vollverschleierten Frauen sei eine Kommunikation gar nicht möglich.»

Egerkinger Komitee macht das Beste draus

Den Initiantinnen und Initianten des Egerkinger Komitees kommt der Zeitpunkt der Abstimmung ungelegen. Daraus macht SVP-Nationalrat Walter Wobmann kein Geheimnis: «Jetzt herrscht ein Ausnahmezustand. Das haben wir nicht gesucht, aber wir leben damit.»

Jetzt herrscht ein Ausnahmezustand. Das haben wir nicht gesucht, aber wir leben damit.
Autor: Walter WobmannNationalrat SVP/SO, Egerkinger Komitee

Sie betonen, dass es bei der Abstimmung nicht um Hygienemasken gehe und dass für diese Ausnahmen vorgesehen seien. In ihrer Abstimmungszeitung prangt eine Pflegefachkraft mit Mundschutz und Plastikvisier neben einer bis auf die Augen verhüllten Muslimin mit Gesichtsschleier. Die eine Verhüllung schütze die Volksgesundheit, die andere entwürdige die Frau, so das Komitee.

Rendez-vous, 22.01.2021, 12:30 Uhr

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132 Kommentare

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  • Kommentar von tom rosen  (tom rosen)
    Religionsfreiheit ist gem. d. Definition des Begriffs Freiheit ein Absurdum. Dogmen versprechen Befreiung in ihrem Sinne und nur unter der Bedingung, ihrem Dogma zu folgen. Die "Anderen" werden dann entweder bekehrt oder bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls massakriert. Ganz gleich, ob im Namen von Marx, Hitler, Jehova, Mohammed oder Jesus Christus. Dabei erhalten archaische Regeln und Rituale, die sonst bekämpft werden, unter dem Mantel der Religionsfreiheit plötzliche Legitimation.
  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Im Kanton Tessin gibt es dieses Gesetz bereits, wie alle wissen. Oft habe ich Touristinnen, nach Inkrafttreten des Gesetzes gesehen, die eine Maske (wie wir sie jetzt tragen müssen) angezogen haben.
    Rein fürs Auge war das Erscheinungsbild weniger bedrückend.
    Ich persönlich habe mich noch nicht entschieden.
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Frau Knell Eine Burka oder ein Schleier ist ein Kleidungsstück. Auch wenn Sie es noch so oft verneinen. Andere Kulturen andere Sitten Die Frauen im Irak und Indien tragen auch Schleier.
    Ein Verbot ist vollig sinnlos und reine Stimmungsmache gegen Muslime.