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SRG-Umfrage: Ja-Mehrheit für Freihandel mit Indonesien
Aus Tagesschau vom 29.01.2021.
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Umfrage zu den Abstimmungen Freihandel mit Indonesien auf Kurs – trotz Palmöl-Debatte

  • 51 Prozent der Stimmberechtigten unterstützen gemäss SRF-Umfrage das Freihandelsabkommen mit Indonesien.
  • 36 Prozent der Befragten stellen sich auf die Nein-Seite. Das bürgerliche Lager erreicht die Kritik aber noch nicht.
  • Das Rennen bleibt offen: Das Reizthema Palmöl könnte die Mehrheitsverhältnisse noch kippen.

Soll die Schweiz ein Freihandelsabkommen mit Indonesien abschliessen? Diese Frage steht derzeit auf dem Sorgenbarometer der Schweizer Bevölkerung nicht ganz zuoberst. Die Meinungsbildung zum Wirtschaftsabkommen mit dem bevölkerungsreichsten südostasiatischen Land steht noch am Anfang.

«Viele der Befragten sind noch unentschieden, und auch die Argumente von Gegnern und Befürwortern des Freihandelsabkommens tragen erst schwach», sagt Martina Mousson vom Forschungsinstitut gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG SSR durchgeführt hat.

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Martina Mousson: «Der Kampagnenverlauf wird wegweisend sein»
Aus News-Clip vom 28.01.2021.
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Kritiker geisseln Raubbau an der Natur

Der weitere Kampagnenverlauf wird also entscheidend sein. Derzeit führen die Befürworter mit komfortablen 15 Prozentpunkten. Aber: Lediglich eine Minderheit von 40 Prozent der Befragten hat eine dezidierte Stimmabsicht und will «bestimmt» für oder gegen die Vorlage stimmen.

Das Referendum gegen die Vorlage hat das Komitee «Stop Palmöl aus Indonesien» ergriffen. Es besteht aus der Bauerngewerkschaft Uniterre und weiteren Organisationen. Sie warnen: Die Palmölindustrie im Inselstaat zerstöre riesige Regenwaldflächen und missachte die Grundrechte der indigenen Landbesitzer.

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Martina Mousson: «Argumente wecken Erinnerungen an 29. November»
Aus News-Clip vom 28.01.2021.
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«Die Argumente rund um die Umwelt- und Menschenrechtsfrage wecken Erinnerungen an den 29. November», erklärt Mousson. Damals sprach sich eine Mehrheit der Stimmbevölkerung für die Konzernverantwortungs-Initiative aus. Nur das Nichterreichen des Ständemehrs brachte sie zu Fall.

Zugang zu Südostasiens Boom-Markt

Gibt es nach dem Streifschuss für die Wirtschaft diesmal einen Treffer? «Die Palmölkontingente waren Stein des Anstosses für das Referendum und fallen nun auf fruchtbaren Boden», sagt die Politologin. Das Meinungsklima sei Umweltanliegen in den letzten Jahren freundlich gesinnt gewesen.

Doch noch erreicht die Kritik der Gegner nicht breitere Bevölkerungsschichten. Aus links-grünen Kreisen gibt es derzeit zwar ein Veto gegen das Freihandelsabkommen. Im bürgerlichen Lager findet es aber eine teils sehr deutliche Mehrheit.

Laut gfs.bern sind die Vorzüge des Handelsabkommens breit akzeptiert und befördern ein Ja zur Vorlage. Die Befürworter werben mit den «klassischen Wirtschaftsargumenten, die für ein Freihandelsabkommen sprechen», so Mousson.

Frauen könnten Trendwende einleiten

Der bessere Zugang zu einem grossen, bisher kaum genutzten Absatzmarkt, sei wirksamster Grund für ein Ja. Und: Die Befürworter versprechen, beim Import von Palmöl auf Nachhaltigkeit zu pochen.

Helfen könnte den Gegnern eine bessere Mobilisierung der Frauen, die traditionell sensibilisierter für Menschenrechts- und Umweltschutzthemen seien, schliesst Mousson. «Die Frage ist aber, wie weit die Gegnerinnen und Gegner punkten können. Denn in aller Regel obsiegen die Behörden bei Abstimmungen mit ihren Vorlagen.»

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 11. und 24. Januar 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 9067 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1206 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 705 Personen aus der Deutschschweiz, 301 aus der Romandie und 200 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1206 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 7861 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 7089 Personen in der Deutschschweiz, 121 in der Romandie und 651 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 7. März 2021 durch. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungsspecial

Abstimmungsspecial

News und Hintergrund zu den Abstimmungen und Wahlen vom 7. März 2021

SRF 4 News, 29.01.2021, 06 Uhr

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Künzler  (Deckellos)
    Vielleicht sollten wir doch mal über eine dominantere heidnische Staatsreligion nachdenken, dann wäre eine mehr einfühlsamere Verbundenheit mit der Natur gegeben. Denn so scheint mir, konzentriert sich die andere mehr auf ein friedvolles Miteinander. Doch haben wir letzteres doch zu einem grossen Teil mit der Konzern...äh...Staatsgewalt unter Kontrolle.
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die Grundfrage ist, ob Agrarprodukte überhaupt in einem Freihandelsabkommen geregelt werden können. Denn für die Produktion leiht uns die indonesische Bevölkerung ihren Boden, um für uns Nahrungsmittelprodukte darauf anzubauen. Das gefährdet die lokale Ernährungssouveränität. Ausserdem landet das Geld nicht bei der lokalen Bevölkerung, sondern bei grossen Konzernen – das heisst, oft ausserhalb des Landes.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Was die meisten hier übersehen ist, dass die Palmölsache ein unwesentlicher Nebenpunkt in einem Abkommen ist, das eigentlich beiden Parteien etwas bringt. Indonesien ist übrigens nicht irgendeine Bananenrepublik, sondern eine Demokratie mit einer Gesellschaft, die ihren Weg über Entwicklung in die Moderne sucht! Auch die Indonesier haben ein Anrecht auf Entwicklung, ebenso wie auf Nachhaltigkeit. Es ist aber nicht so, dass wir ihnen vorzuschreiben haben, wie sie ihre Probleme lösen sollen!
    1. Antwort von Marcel Künzler  (Deckellos)
      Nein klar, ich verstehe Sie. Das wäre wirklich dem indonesischen Volke gegenüber unwürdig, wenn wir der "Palmöl-Republik" jetzt auch noch vorschreiben würden, wie sie ihre Probleme zu lösen hätten. Aber WIR dürfen doch noch denken dürfen, dass dies keine nachhaltige Landwirtschaftsform ist und deshalb DANKEND ablehnen könnten zu diesem Abkommen.