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Martina Mousson: «Entscheidend sind wirtschaftliche Vorzüge»
Aus News-Clip vom 23.02.2021.
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Umfrage zu den Abstimmungen Trotz Ja-Trend: Stimmvolk hadert mit Freihandel mit Indonesien

  • Gemäss SRG-Umfrage sind 52 Prozent der Stimmberechtigten für das Freihandelsabkommen mit Indonesien, 41 dagegen.
  • Viele der Befragten sehen die lokale Palmölindustrie zwar kritisch, halten aber auch die Interessen der Wirtschaft hoch.
  • Im wahrscheinlicheren Fall wird der Handelsvertrag am 7. März an der Urne angenommen.

Ein Hauch Konzernverantwortungs-Initiative – und trotzdem auf relativ komfortablem Ja-Kurs: So lassen sich die Mehrheitsverhältnisse in der Schlussphase des Abstimmungskampfes beim Freihandelsabkommen mit Indonesien beschreiben.

Umweltthemen politisch en vogue

Eigentlich liefert ein Kräftemessen von Wirtschafts- und Umweltinteressen immer Stoff für einen emotionalen Abstimmungskampf. Ähnliche Schlagkraft wie die Konzernverantwortungs-Initiative entfaltet die Kampagne der Gegnerschaft des Freihandelsabkommens aber bislang nicht.

Für Martina Mousson vom Forschungsinstitut gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG SSR durchführte, hat das einen einfachen Grund: «Die Vorlage ist der Nebenschauplatz der kommenden Abstimmungen und auf beiden Seiten gab es zuletzt noch viele Unentschiedene.»

Spätestens seit den Wahlen 2019 ist das Umweltthema sehr präsent in der Schweiz.
Autor: Martina MoussonPolitologin, Forschungsinstitut gfs.bern

Die Gegner des Abkommens warnen, dass die Palmölindustrie im Inselstaat riesige Regenwaldflächen zerstöre und die Grundrechte der indigenen Landbesitzer missachte. Damit findet das Referendumskomitee «Stop Palmöl aus Indonesien» Gehör: 88 Prozent der Befragten finden, dass Menschenrechte und Umwelt endlich mehr Gewicht in den Beziehungen mit anderen Ländern erhalten sollen.

Dass die Forderung Anklang findet, überrascht Mousson nicht. «Spätestens seit den Wahlen 2019 ist das Umweltthema sehr präsent in der Schweiz.» Die Einhaltung von Umweltstandards sei quasi ein neuer helvetischer Konsens.

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Martina Mousson: «Die Umweltfrage ist zentral»
Aus News-Clip vom 23.02.2021.
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Im letzten Herbst riss der «Grünrutsch» beinahe die mächtigen Wirtschaftsverbände mit sich: Die Konzernverantwortungs-Initiative holte das Volksmehr und scheiterte erst am Ständemehr.

Doch auch die ökonomischen Interessen werden von den Stimmberechtigten hochgehalten. «Und entscheidend sind letzten Endes die wirtschaftlichen Vorzüge für die Schweiz: der Zugang zu diesem grossen Markt, der Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen», so Mousson.

Zudem würden die Befürworter erfolgreich das Argument einbringen, dass ökologische Aspekte im Abkommen berücksichtigt würden – so etwa, dass der Palmöl-Import kontingentiert werde.

Klassisches Links-rechts-Schema

Der Gegnerschaft fehlt also bislang die Durchschlagskraft, um das Abkommen zu Fall zu bringen. Das zeigt sich auch darin, dass der Handelsvertrag im linken Lager zwar deutlich abgelehnt wird. Ab der GLP-Wählerschaft setzt aber ein gegenläufiger Trend mit teils hohen Zustimmungsraten ein, der bei der FDP-Wählerschaft mit fast 80 Prozent seinen Höhepunkt erreicht.

Wie oft bei Umwelt- und Menschenrechtsfragen geht ein Geschlechtergraben auf: Frauen lehnen das Abkommen zu 46 Prozent ab (45 Prozent dafür), während lediglich 36 Prozent der Männer dagegen sind (58 Prozent dafür).

Nein-Lager hat Momentum

Gretchenfrage bleibt für Mousson, ob die Vorzüge für die Schweiz die Schäden der Palmölproduktion in Indonesien rechtfertigen. Über diese Frage wird sich das Stimmvolk in den rund eineinhalb Wochen bis zur Abstimmung noch Gedanken machen können.

Der Trend spricht zwar für eine Annahme des Abkommens. Ausschliessen lasse sich eine Ablehnung aber nicht, schliesst die Politologin: Denn das Nein-Lager hat in den letzten Wochen stärker zugelegt als dasjenige der Befürworter.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 11. und 24. Januar 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 9067 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1206 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 705 Personen aus der Deutschschweiz, 301 aus der Romandie und 200 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1206 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 7861 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 7089 Personen in der Deutschschweiz, 121 in der Romandie und 651 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 7. März 2021 durch. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungsspecial

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Abstimmungsspecial

News und Hintergrund zu den Abstimmungen und Wahlen vom 7. März 2021

SRF 4 News, 24.02.2021, 06 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Klossner  (Oli61)
    Schade wurde über das Abkommen mit China nicht abgestimmt, das hätte versenkt werden müssen!
  • Kommentar von Ben Utzer  (smi)
    Palmöl wird bereits jetzt importiert. Bei einem JA würde Palmöl aus nachhaltigem Anbau importiert. Bei einem Nein bleibt es wie es ist.
    1. Antwort von August Meier  (And007)
      genau, es gibt eigentlich keinen Grund nein zu sagen
    2. Antwort von Roger Kloos  (DerRoger)
      Es gibt KEIN nachhaltig produziertes Palmöl (sollte es das widererwarten doch geben, dann in Mikromengen). Wann kann denn dass die Mehrheit begreifen?
      Alles nur Augenwischerei!!
    3. Antwort von Rolf Trösch  (Rolf T)
      @smi, was stellen Sie sich den vor unter nachhaltig? die Palmölplantagen stehen auf zerstörtem Urwaldboden. Ziel eines Handelsabkommens ist es den Handel zu erweitern, also noch mehr Urwald Vernichtung und noch mehr Gütertransporte um die halbe Welt. Was bitte kann daran nachhaltig sein? Wir haben die Alternativen Raps und Sonnenblumenöl hier in der Schweiz, warum also noch mehr unsere Landwirtschaft konkurrenzieren?
  • Kommentar von Mario Lo  (MarLo)
    Also ich verstehe nicht, was man da überlegen muss. Mit der Annahme toleriert man schlechte Menschenrechtssituationen, Ausbeutung und Raubbau an der Natur. Das passiert nicht erst mit oder wegen dem Freihandelsabkommen. Das ist bereits passiert und wird munter weiterbetrieben. Ein kleines Signal für eine bessere Welt ist ein NEIN - und das ist auch ein Signal an Indonesien!
    1. Antwort von Mario Lo  (MarLo)
      ... und was gar nicht geht: JA beim Verhüllungsverbot aus Gründen der Frauenrechte aber dann JA zu Indonesien sagen. Widerspruch in, Reinform. Die Frauenrechte in Indonesien sind erbärmlich. Und die, die aus vermeintlich religiösen Gründen für das Verhüllungsverbot stimmten: Indonesiens Bevölkerung ist fast zu 90% Islamisch. Also aufgepasst... wer A sagt, muss dann auch auch B sagen :)

      Also.... 3 x NEIN am 7.3.2020 - so einfach.