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Martina Mousson, gfs.bern: «Ein deutlicher Nein-Trend ist im Gang»
Aus News-Clip vom 23.02.2021.
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Umfrage zu den Abstimmungen Es wird eng beim Verhüllungsverbot

  • Pattsituation bei der Initiative für ein Verhüllungsverbot: 49 Prozent wollen gemäss SRG-Umfrage ein Ja in die Urne legen, 47 Prozent lehnen die Vorlage derzeit ab.
  • Im Vergleich zur ersten Umfrage konnte das Nein-Lager Boden gutmachen. Ein Ja zur Initiative kann aber nicht ausgeschlossen werden.
  • Die Entscheidung fällt in der politischen Mitte: Neu lehnt neben der linken auch eine sehr knappe Mehrheit der GLP-Wählerschaft die Initiative ab.

Soll in der Schweiz ein Verhüllungsverbot eingeführt werden? Diese Frage beantworten zurzeit 49 Prozent mit Ja, 47 Prozent mit Nein. 4 Prozent sind noch unschlüssig. Dies geht aus der SRG-Umfrage hervor, die das Forschungsinstitut gfs.bern durchgeführt hat.

Starke Links-rechts-Polarisierung

«Links ist die Sache ebenso klar, wie sie rechts ist», sagt Martina Mousson von gfs.bern. Bei den Wählerinnen und Wählern der Mitte-Partei und der FDP sei ein Angleich an die Parteiparolen – die Parteien lehnen die Initiative ab – im Gang. «Beide Wählergruppen sind mehrheitlich für das Anliegen. Der Trend geht allerdings Richtung Nein.» Auch bei der GLP-Basis sagt neu die Hälfte der Befragten Nein, Mitte Januar waren es noch 46 Prozent.

«Es passiert, was bei Initiativen häufig passiert: Das Nein baut sich über den Kampagnenverlauf auf», so die Meinungsforscherin. «Man spricht nicht mehr nur über das Problem, das eine Initiative adressiert, sondern vielmehr über die Lösung, die sie vorschlägt – die dann auch Kritik findet.» Das Nein-Lager hat sich bei allen Wählergruppen ausser der SVP-Basis seit der ersten Befragung im Januar vergrössert.

Auch in den Sprachregionen hat es im Vergleich zur ersten Befragung Verschiebungen gegeben. In der Romandie ist die hohe Zustimmung zur Vorlage um ganze 17 Prozentpunkte gesunken und in ein Nein gekippt. In der Deutschschweiz ist aus einem deutlichen Ja ein hauchdünnes geworden. Am meisten Zuspruch findet die Vorlage nach wie vor in der italienischsprachigen Schweiz.

Neben dem politischen Graben spielt das Alter eine wichtige Rolle für das Abstimmungsverhalten. «Jüngere sind kritischer gegenüber dem Verhüllungsverbot als ältere Stimmberechtigte», so Mousson. Bei den unter 40-jährigen Befragten liegt die Ablehnung bei fast 60 Prozent. Über 40-Jährige befürworten mehrheitlich die Vorlage.

Frauen kippen ins Nein

Mitte Januar gaben noch 58 Prozent der Frauen an, Ja stimmen zu wollen. Die Stimmung ist mittlerweile gekippt: Bei der zweiten Befragung sank die weibliche Zustimmung auf 46 Prozent. Auch hier zeigt sich ein Graben: Männer bringen einem Verhüllungsverbot mehr Sympathien entgegen als Frauen. Sie stimmen trotz Nein-Trend weiterhin mehrheitlich für die Vorlage.

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«Neben dem politischen Graben gibt es auch gesellschaftliche Gräben»
Aus News-Clip vom 23.02.2021.
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Die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot» ist zwar auch als «Burka-Initiative» bekannt, sie will aber ein generelles Verhüllungsverbot in die Verfassung schreiben. Damit könnte auch gegen vermummte Demonstrierende vorgegangen werden. Mehrere Kantone kennen bereits ein solches Vermummungsverbot, darunter Bern, Zürich und Basel-Stadt.

Für die Gewährleistung der Sicherheit reiche ein solches einfaches Verbot für spezielle Situationen, führen denn auch die Gegner der Initiative ins Feld. Und dieses Argument ist laut den Meinungsforschern eines der wirksamsten für das Nein-Lager. Punkten können die Initianten hingegen mit dem Verständnis, dass es zur Schweizer Kultur gehöre, sein Gesicht zu zeigen.

Die emotionale, dynamische Debatte macht es laut gfs.bern schwierig, den weiteren Verlauf der Meinungsbildung abzuschätzen. Im Normalfall setze sich ein Nein-Trend fort. Die Initiative könnte aber trotzdem durchkommen, weil die Befürworter bei der Mobilisierung noch Luft nach oben hätten, sagt Politologin Mousson. Grüne und SP-Wählerschaften seien bereits stark mobilisiert.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 10. und 18. Februar 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 12'166 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1217 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1217 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 10'949 Presonen für die Auswertung verwendet werden. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Die Aufteilung der gesamten Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 7725 Personen aus der Deutschschweiz, 3869 aus der Romandie und 572 aus der italienischsprachigen Schweiz.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern hat zwei Umfragen zur Abstimmung vom 7. März 2021 durchgeführt. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungsspecial

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Abstimmungsspecial

News und Hintergrund zu den Abstimmungen und Wahlen vom 7. März 2021

SRF 4 News, 24.02.2021, 06:00 Uhr

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Sancho Brochella  (warum?)
    Und wir können als Schweiz nicht mehr glaubhaft für die Selbstbestimmung von Frauen und Männern in anderen Ländern einstehen, wenn wir in unserem eigenen Land Freiheitsrechte (z.B. auf Kleidung) staatlich beschneiden.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Sancho Brochella: Wann in der jahrhundertealten Geschichte der Schweiz zogen sich Frauen Burkas oder Niqabs über? Für solche Freiheitsrechte legen Sie sich ins Zeug? Das ist Unterdrückung pur.
    2. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      @T.Leu: Es ist ein sich-ins-Zeug legen für Freiheitsrechte und gegen Beschneidung von Freiheiten durch den Staat (oder Religion). Heute die Burka, morgen was? Es gibt immer eine grössere Gruppe, welche der kleineren etwas verbieten könnte. Das soll man, wie gesagt, möglichst sein lassen. Und wenn man Freiheit & Selbstbestimmung als Wert hoch hält und in der Welt verbreiten will, sollte man nicht selber mit Verboten anfangen (Burka, Minarett). Das schliesst nicht aus, Extremisten zu beobachten.
  • Kommentar von Sancho Brochella  (warum?)
    Es gab eine Zeit in der Schweiz, da mussten Mädchen Röcke tragen. Unverheiratete Paare konnten nicht zusammen eine Wohnung beziehen - aus christichen Gründen. Und es gibt viele Beispiele mehr... Ob staatliche, religiöse oder gesellschaftliche Verbote von Lebensstilen, man sollte es dem Freiheitsgedanken unserer Kultur zu liebe möglichst sein lassen. Das in der Schweiz bloss herbeigeredete "Burkaproblem" rechtfertigt in unserem Land keinen solchen Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte.
    1. Antwort von Reto Bieri  (Yo-Han Kapuzi)
      @srf: warum eigentlich gibts die Optionen "zustimmen" und "ablehnen" nicht mehr? Ich möchte hier Sancho Brochella zustimmen.
    2. Antwort von SRF News editor
      @Reto Bieri: In letzter Zeit wurde unsere «Zustimmen/Ablehnen»-Funktion immer wieder manipuliert. Das hat bei den Userinnen und User für grossen Ärger gesorgt. Die Funktion wird derzeit überarbeitet. Liebe Grüsse.
    3. Antwort von SRF News editor
      @Reto Bieri
      Guten Tag Herr Bieri
      Die «Zustimmen/Ablehnen» Funktion in der Kommentarspalte wies seit einiger Zeit immer wieder technische Defekte auf. Deshalb wurde die Funktion vorübergehend deaktiviert. Unsere IT-Abteilung ist aktuell daran, das Problem zu beheben. Wir sind sehr bemüht, die Funktion «Zustimmen/Ablehnen» so schnell wie möglich wieder zu aktivieren. Danke für Ihr Verständnis. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Michael Geissbühler  (Socrates)
    Wenn derart einseitig die Burkaproblematik thematisiert wird, ist eine Zunahme des Nein-Anteils vorprogrammiert. Ich lese den Abstimmungstext, lasse mich von den Medien nicht terrorisieren und stimme aus Überzeugung für eine Verbesserung bei der Verfolgung von verschleierten Hooligans und meist linken Chaoten bei nicht bewilligten Demonstrationen. Noch nicht entschieden? Text im Abstimmungsbüchlein lesen, Manipulationsversuchen widerstehen, eigenständig entscheiden!
    1. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Stimmt jeder muss selbst entscheiden. Besonders stört mich diese heuchlerische Engagement der SVP für Frauenrechte. Das gäbe es ganz andere Möglichkeiten sich für die Gleichberchtigung der schweizer Frauen einzusetzen. Aber da müsste sich ja hier wirklich etwas ändern und nicht nur Pseudo Problem angreifen, die die Frauen hier garnicht betreffen.