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Gamescom Schweizer Games sind Weltklasse, aber selten Millionen-Bolzer

An der Kölner Game-Messe zeigt sich, wie bescheiden die Schweizer Gamebranche ist. Braucht sie eine Standortförderung?

In Köln findet bis Samstagabend die Game-Messe «Gamescom» statt. Rund 500'000 Besucher werden vor den grossen Entwicklerstudios stundenlang Schlange stehen, um deren neusten Games spielen zu können – an Ständen, die viel Geld gekostet haben und so gross sind wie Einfamilienhäuser.

An der Messe vertreten sind auch die wichtigsten Schweizer Spiele-Entwickler – das aber mit bescheidenem Auftritt. Nur eine Schweizer Firma kann sich einen eigenen Stand leisten: Giants. Die Macher des Landwirtschafts-Simulators zeigen die neuste Ausgabe des äusserst erfolgreichen Games.

Alle anderen treten gemeinsam auf und teilen sich dabei erst noch eine Fläche von wenigen Quadratmetern. Denn obwohl die Game-Industrie seit Jahren weltweit rasant wächst und seit langem mehr Umsatz generiert als die Filmindustrie, kommt in der Schweiz vergleichsweise wenig Geld aus diesem Boom an.

#Swiss Games: Am Stand von Pro Helvetia kann sich die Schweizer Gamebranche vernetzen.
Legende: #Swiss Games: Am Stand von Pro Helvetia kann sich die Schweizer Gamebranche vernetzen. SRF

Zwar hat die Branche bis heute um die 250 Spiele herausgebracht und beschäftigt rund 500 Mitarbeiter, das gut ein Dutzend mittelständischer und die hundert Kleinbetriebe generieren aber lediglich einen Jahresumsatz von etwa 50 Millionen Franken.

Finnische Millionen-Bolzer

Im Vergleich dazu brachten ausländische Spiele wie «Clash Royale» oder «Clash of Clans» mehrere Millionen ein – pro Tag. Die Titel stammen beide von Supercell, einer finnischen Firma.

Auch Games aus einem kleinen Land können richtig erfolgreich sein, wie auch der Schweizer «Landwirtschaftssimulator» beweist – soll man sie dann überhaupt finanziell fördern? Tabea Iseli, selbständige Game-Entwicklerin, sagt: «Unbedingt!» Spiele seien meistens sehr teure Produktionen. Die dafür benötigten Beträge könnten die meisten nur schwer aufbringen – vor allem junge Teams und Startups.

Fehlende Publisher

Ebenso teuer ist die Vermarktung, meint Tabea Iseli. Das Problem sei, dass es in der Schweiz weder namhafte Publisher – Verlage – noch Investoren gäbe, die die Risiken und Durststrecken während der jahrelangen Entwicklung eines Spiels überbrückten. Die Schweizer Gameindustrie ist zu wenig nachhaltig – und das schreckt dann viele kreative Köpfe ab. Ausgebildete Gameentwickler wechselten in eine andere Branche, weil sie nicht Fuss fassen könnten, so Tabea Iseli.

Martina Gassner mit VR-Brille und zwei Controllern.
Legende: Game-Redaktorin Martina Gassner testet «Virtual Space Port», ein Spiel, bei dem auch ein Schweizer Gamentwickler mitgearbeitet hat – in Deutschland. SRF

Eine Standortförderung der Branche könnte diesen Zustand ändern, wie etwa in Finnland, wo die Gameindustrie seit Jahren staatlich gefördert wird – mit Erfolg, wie das Beispiel Supercell und davor Rovio («Angry Birds») zeigen. Game-Entwicklern stehen dort vor allem für den Vertrieb und die Vermarktung viel mehr Mittel zur Verfügung, was sich auf den kommerziellen Erfolg eines Games auswirkt.

«Die Schweizer Entwickler schauen sehr gerne nach Skandinavien, wo die Fördersituation sehr gut aussieht», erklärt Tabea Iseli. In Köln aber schauen sie zu den ausländischen Entwicklerstudios hoch, die teils hunderte Angestellte haben. Darunter finden sich auch gut ausgebildete Schweizer Game-Entwickler, die ausgewandert sind, weil sie zu Hause keinen Job finden. Jene, die in der Schweiz bleiben, können immerhin auf einen Zustupf von Pro Helvetia hoffen. Seit 2010 unterstützt die Stiftung jeweils zehn ausgewählte Projekte. Dieses Jahr mit 750'000 Franken.

Das ist für viele eine wichtige Starthilfe – einen Erfolg, wie ihn die das finnische Studio Supercell mit ihren Games hinlegt, wird man damit aber kaum generieren können.

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